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Machtkämpfe und Seeschlachten

Rostock Machtkämpfe und Seeschlachten

OZ-Reporter Axel Meyer legt seinen vierten Wikinger-Roman vor: „Das Schwert der Götter“.

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Axel S. Meyer (48) aus Rostock, OZ-Redakteur und Autor historischer Romane.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Düster und unheimlich muss das Mittelalter gewesen sein, hart und gewalttätig der zwischenmenschliche Umgang, undurchdringlich wie die tiefen Wälder, durch die man damals noch nicht auf befestigten und markierten Forst- und Wanderwegen oder gar Asphaltstraßen reisen konnte. Aber auch jenes ganz andere, von den Romantikern idealisch leuchtend konstruierte Bild haben wir von einem Mittelalter, in dem edle Ritter um schöne Prinzessinnen kämpften und die Mächte des Bösen besiegten – in Märchen und Sagen, die den Glauben an christliche Werte vom Wahren, Guten und Schönen pflanzen.

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OZ-Reporter Axel Meyer legt seinen vierten Wikinger-Roman vor: „Das Schwert der Götter“.

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Mit dieser doppelten Faszination ist das Mittelalter heute ein ferner Spiegel unserer Gegenwart mit ihren Sehnsüchten nach moralisch einfachen Verhältnissen und ihren Ängsten vor dem Ungewissen.

Schriftsteller finden darin einen reizvollen Projektionsraum, in dem sich spannende Geschichten leichter konstruieren, also erfinden lassen, denn je weniger wir über eine Zeit wissen, umso freier wird die Fantasie.

In dieser Weise fabuliert der Rostocker Schriftsteller Axel S. Meyer, der als Reporter der OSTSEE-ZEITUNG stets auf Aktualität orientiert ist, in seinen Wikinger-Romanen – wobei der 48-Jährige zwar Freiräume der historischen Ferne ausnutzt, aber doch möglichst genau Details jener Zeit – neben historischen Daten etwa Waffentechnik oder Bootstypen – recherchiert und in seinen Geschichten beschreibt.

Soeben ist sein historischer Roman „Das Schwert der Götter“ im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen. Die Neuerscheinung ist bereits Meyers vierter Wikinger-Roman, macht damit das Projekt, das inzwischen in knapp 80000 Exemplaren verkauft wurde, zur Tetralogie und den Autor zum ausgewiesenen Wikinger-Experten. Die Teile folgen zeitlich aufeinander, können aber auch einzeln gelesen werden.

Nicht große Literatur wolle er schreiben, betont Meyer, sondern spannende Geschichten, wie er selbst sie lesen möchte. Dass er beim Blick aufs Mittelalter die Wikinger nimmt, liegt fast der Hand: Die raubeinigen Seefahrer gehören zur frühmittelalterlichen Vorgeschichte Nordeuropas, besonders an der Ost- und Nordsee, sie kamen bis vor Paris und gründeten wohl auch die Stadt Kiew.

„Das Schwert der Götter“ beginnt im Frühjahr 969 mit der Flucht eines Schmiedes und der Entführung des Mädchens Aud und endet mit der Erfüllung eines lange gehegten Kinderwunsches. Beide sind Kinder des zentralen Helden Jarl Hakon, den die Leser bereits aus den beiden vorausgegangenen Romanen „Das Lied des Todes“ (2012) und „Das weiße Gold des Nordens“ (2014) kennen.

Dazwischen breitet Meyer in ruhigem Erzählfluss auf 665 Seiten ein Panorama der Machtkämpfe zwischen Dänen und Norwegern (Harald Graufell, Hakon von Hladir, Harald Blauzahn) aus, in denen wegen einzelner Zweckbündnisse (Graufell mit Erzbischof) auch um die Zwangschristianisierung des Nordens beziehungsweise um die Verteidigung religiöser Selbstbestimmung gestritten wird. Die weitreichenden Auswirkungen führen bis nach Hamburg (Hammaburg) oder Magdeburg (Magathaburg), Es gibt raffinierte Intrigen, einen bezahlten Auftragsmörder, Kämpfe und Kidnapping. Hakons Rabe ist sein treuer Begleiter. Und als Höhepunkt gibt es eine Seeschlacht. „Ich wollte gern mal eine große Seeschlacht beschreiben“, sagt Meyer, und nutzte hier die Gelegenheit mit der historischen Vorlage der Schlacht auf dem Limfjord.

Das titelgebende „Schwert der Götter“ führt zur Rolle der Rüstungstechnologie schon damals: Der Norweger-König Harald Graufell, der Bösewicht, soll mit diesem Schwert kämpfen, von dem es heißt, es mache seinen Träger unbesiegbar. Erhalten hat er es von einem Erzbischof. Der zwang den am Roman-Beginn erfolglos fliehenden Schmied Ingelreht, es herzustellen: ein Ulfberht-Schwert. Meyer verweist darauf, dass sich im Norden vermutlich nur wenige Schmiede auf die Kunst verstanden, eine solch haltbare und besonders effiziente Waffe zu schmieden. Dieser Schmied hatte seine Kunst in Frankreich gelernt, sein Schwert wird zum Technologie-Transfer in den hohen Norden.

Ausgehendes Frühmittelalter: Axel S. Meyers breites Panorama der Wikingerzeit

Das Buch der Sünden – Der Roman erschien 2010. Der Mittelalter-Roman (780 Seiten) handelt von religiösem Fanatismus und gewann unter 300 Kandidaten den Wettbewerb „Historischer Roman des Jahres“ . Die Geschichte beginnt 845 in Paris mit einem Überfall der Normannen, bei dem der junge Odo mit ansieht, wie sein Vater ermordet und seine Mutter verschleppt wird. Odo ist traumatisiert und meint in einer Johannes-Offenbarung Erlösung zu finden, wonach er die Vernichtung der sieben Todsünden anstrebt. In seinem Wahn tötet er vermeintlich sündige Menschen und wird in Haithabu zum ersten Mal zum Mörder.

Das Lied des Todes – Der Roman erschien 2012. Diesmal führt das Buch (640 Seiten) in die unmittelbare Vorzeit der Krönung Ottos I. zum deutschen Kaiser, mit der 962 das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ seinen Anfang nahm. In Meyers nördlicher „Neben“-Geschichte zur Kaiserebene führt Markgraf Thankmar mit Bischof Poppo eine brutale Fremdherrschaft, lässt mit Schwert und Misshandlungen christianisieren, plündert und mordet – all das mit dem Fernziel, Ottos Thron zu übernehmen. Als er sich gegen die Seherin Velva richtet, verflucht sie ihn mit dem „Lied des Todes“, das seine Wirkungen entfaltet.

Das weiße Gold des Nordens – Der Roman erschien 2014. Das Buch (668 Seiten) bietet eine spannende Geschichte um die Zwangs-Christianisierung Norwegens. Beim „weißen Gold“ des Titels handelt es sich um die Stoßzähne des Narwals, die wegen ihrer Seltenheit und rätselhaften Herkunft im Mittelalter als kostbares Material galten. Mit einer Schiffsladung dieses „weißen Goldes“ will sich der Wikinger-König Harald Graufell Kaiser Otto I. als Verbündeten gewogen machen und ein Heer aufstellen. Doch Jarl Hakon aus Trondheim plündert mit seinen Leuten das Schiff und versteckt den kriegswichtigen Schatz.

Das Schwert der Götter – Der Roman erschien 2016. Im Buch (665 Seiten) schlägt Harald Graufell nach seiner Niederlage zurück. Er entführt Aud, die Tochter seines Widersachers Jarl Hakon. Im Kampf, so heißt es, soll er ein „Schwert der Götter“ führen, das seinen Träger unbesiegbar macht. Er hat es von seinem Verbündeten, dem Erzbischof, der einen jungen und besonders begabten Schmied zu dessen Herstellung gezwungen hatte. Höhepunkt: eine große Seeschlacht.

Alle Bücher erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, erhältlich im OZ-Servicecenter.

Dietrich Pätzold

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