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Kultur Magie, Politik und Leselust
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00:05 24.03.2017
Leipzig

Eine SMS vom Hohen Rat: „Du wurdest von der Gemeinschaft als Magier anerkannt. Bitte packe deine persönlichen Dinge, während wir nach deiner Quelle suchen. Informationen folgen.“ Wer mehr erfahren will, muss zu einer Lesung der Fantasyautorin Alena Falk gehen, die im Roman „Sternensturm“ dann wohl auch das Geheimnis der Quellen auflöst. Bei der interaktiven Aktion handelt es sich um eins der 18 literarischen Intermezzi (www.literatur-intermezzo.de), die auf die Leipziger Buchmesse einstimmen.

Der Weg der Bücherfreunde: Besucher gehen über eine Treppe in der Glashalle auf der Buchmesse in Leipzig. Knapp 2500 Aussteller aus 43 Ländern sind präsent. Quelle: Foto: Jan Woitas/dpa

Spielerisch geht es auf der Messe weiter. Das Kundenmagazin „Buchjournal“ gibt mit einem überdimensionalen Handy Leseempfehlungen per Gesichtserkennung und zum Ausdrucken. Bei mir kam dabei die eigentümliche Mischung aus Powersuppen und Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (Mathias Énard: „Kompass“) heraus.

In der Installation einer Bielefelder Designschule drehen sich Holzklumpen um einen Spieß, das nennt sich literarischer Döner. Das Café Europa, das in diesem Jahr zum ersten Mal von der deutsch-türkischen Politologin Esra Küçük aus dem Direktorium des Berliner Maxim-Gorki-Theaters kuratiert wird, steht unter dem Motto „Wir müssen reden“. Der Rechtsruck in Europa und die Bedrohung von Freiheit stehen im Fokus. „Wir werden Erdogan den Unterschied zwischen Journalismus und Spionage beibringen“, leitet Banu Güven vollmundig ihre Moderation ein. Die türkische Journalistin hat infolge kritischer Berichterstattung ihren Job verloren. Die Schauspielerin Katja Riemann liest einen eigenen Essay zur Frage „Wer ist das Volk?“ vor. Sie schildert ihr Unbehagen mit dem Begriff und ihre Ablehnung derer, die „den Slogan von 1989 geklaut haben, um andere auszugrenzen“.

Politisch geht es auch in Olga Grjasnowas Roman „Gott ist nicht schüchtern“ zu. Die Autorin, die zuvor mit „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ für Aufsehen sorgte, erzählt die Geschichte von zwei syrischen Flüchtlingen, die in Berlin neu anfangen müssen. Die aserbaidschanische Schriftstellerin erzählt, dass ihr Mann sie zu ihrem Roman inspirierte. Der Syrer lebe seit 2013 in Deutschland und habe ihr das Land nahegebracht.

Die größte Aufmerksamkeit gilt nicht Jostein Gaarder, Martin Suter oder einem anderen Literaturstar, sondern Martin Schulz. Der SPD-Kanzlerkandidat wird bei seinem Messerundgang von einer Entourage aus Journalisten und Fans begleitet. „Früher haben wir uns mit Schwarzenegger fotografiert, heute mit Schulz“, sagt eine Frau in den Fünfzigern. Sie drängelt sich mit ihren Freundinnen am Verlag Ch.

Links. Hier unterhält sich Schulz mit Reinhold Vetter, Autor des Sachbuchs „Nationalismus im Osten Europas“.

Die litauische Literatur erfreute sich im Gegensatz zu Schulz bislang kaum internationaler Beachtung, kaum ein Autor aus diesem Land kann vom Schreiben leben. Der Gastauftritt in Leipzig macht neugierig auf ein Land, das in der Geschichte beinahe unterging und in der Philologie wiedergeboren wurde, wie der junge Lyriker Laurynas Katkas in seinem Büchlein „100 Jahre litauische Literatur“ – seit der Ausrufung der Republik 1918 – schreibt. Das Litauische habe es sowohl unter der Herrschaft der Zaren als auch in der Sowjetzeit schwer gehabt. Deshalb gründe sich der Nationalstolz in besonderem Maße auf die Sprache. Wer Katkas’ eigene Gedichte liest, wird nicht an seiner Aussage zweifeln, Litauen habe eine besondere melancholische Lyriktradition.

Neu auf der Messe ist die Lounge für Fantasyautoren in Halle 2, in der Männer in Zaubermänteln und Manga-Elfen fachsimpeln. Ebenfalls neu ist die Buchhandlung für phantastische Literatur. Hier finden sich etwa die Titel, die für den auf der Messe vergebenen Seraph-Preis nominiert sind. Auch Alena Falks Roman. So hat der Hohe Rat den Nachwuchsmagier doch an die Quelle geführt.

Zahlen, Daten, Fakten

Die Leipziger Buchmesse ist die zweitgrößte deutsche Buchmesse.

Die wichtigsten Zahlen:

Aussteller: 2493 aus 43 Ländern (Vorjahr: 2250 aus 42 Ländern)

Besucher: 260000 werden erwartet (Vorjahr: 260000 inklusive „Leipzig liest“) Lesefestival „Leipzig liest“: Rund 3300 Autoren und Mitwirkende in 3400 Veranstaltungen an insgesamt 411 Leseorten in der Stadt.

Öffnungszeiten:

täglich von 10 bis 18 Uhr Eintrittspreise:

Tageskarte Donnerstag,

Freitag, Sonntag: 17,50 Euro,

Sonnabend: 19 Euro, ermäßigt: 14/15,50 Euro, Dauerkarte: 33 Euro

Vergünstigte Preise im Vorverkauf

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