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Kultur Magische Momente
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00:00 13.07.2018
Farbiges Finale: Am Ende spielen das Signum Saxophone Quartett, der Jazzcellist Stephan Braun und Percussionist Alexej Gerassimez zusammen.

Rehna. Kann man in zwölf Sekunden eine Geschichte erzählen? Volker Gerling gelingt das mit seinem Daumenkino. Zwölf Sekunden lang fotografiert er Menschen, und mit dem Entblättern der 36 Fotos entblättern sich auch die Porträtierten. Gerlings Menschenbilder gehören zu den Überraschungen beim „Jahrmarkt der Sensationen“, mit dem die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern alle zwei Jahre durchs Land ziehen. Am Mittwoch war Premiere im ehemaligen Nonnenkloster Rehna in Nordwestmecklenburg, und die 550 Besucher erlebten neben Weltklassekünstlern magische Momente im mittelalterlichen Ambiente.

Musik, Clownerie, Daumenkino, Jonglage: Der „Jahrmarkt der Sensationen“ verzauberte die Gäste im Kloster Rehna. Das musikalische Wandertheater der Festspiele MV zieht noch weiter.

Pünktlich zum Beginn hört auch der Regen auf, und so können die mitgebrachten Capes in der Tasche bleiben, als das Signum Saxophone Quartet auf der Hauptbühne im Nonnengarten zu spielen beginnt. Die vier jungen Künstler, vor zwei Jahren mit dem Ensemblepreis der Festspiele geehrt und mittlerweile in Konzertsälen in aller Welt zu Gast, verknüpfen im innigen Zusammenspiel Klezmer, Pop, Tango und Jazz. Mit ihren Instrumenten schwatzen sie, klagen und feiern ein Fest, zu dem sich schnell der gefeierte Jazzcellist Stephan Braun und der Percussion-Zauberer Alexej Gerassimez, im vergangenen Festspielsommer Preisträger in Residence, gesellen. Wenn sie zusammen musizieren, ist das mehr als die Summe ausgezeichneter junger Musiker. Sie improvisieren, befeuern sich gegenseitig und geben einander Raum. Das ist das Schöne an diesem Wandertheater: Die Künstler kreieren gemeinsam das Programm, ihre Spielfreude überträgt sich direkt auf die Zuhörer. Und wenn dann noch ein Clown und ein Jongleur ins Spiel einsteigen, wird das alles ein großer Spaß.

Nach dem etwa einstündigen Intro teilt sich die Besucherschar in drei Gruppen und wandert zu verschiedenen Spielstätten. Die große Bühne bleibt Alexej Gerassimez vorbehalten, der an Vibrafon, Marimbafon, Schlagzeug und mit Rumbakugeln Klangteppiche auslegt. Manchmal kommt Musik mit Alltagsgeräuschen vom Band, und Gerassimez arbeitet mit zwei weißen Schlegeln im Takt wie ein Roboter am Fließband. Wie Gerassimez mit seinen Drumsticks, jongliert Jay Gilligan mit weißen Leuchtkugeln, Kegeln und Bällen. Der Artist aus Ohio gibt mit den Bällen, die auf den Boden prallen, die Beats vor oder schwingt drei weiße Stäbe wie Taktstöcke.

Während die Klänge von der Hauptbühne bis in den Probsteihof schweben, ist es auf der kleinen Bühne dort still. Der Clown und Pantomime Peter Shub muss nur den Finger heben (der sich dann seltsam windend in Richtung Nase aufmacht) oder sich in einem Trenchcoat an einen Kleiderbügel hängen – da wird herzlich gelacht. Kleinste Gesten, große Wirkung. Ein bisschen Nonsens, ein bisschen Kindergeburtstag und am Ende große Kunst, wenn der in New York geborene, preisgekrönte Varietékünstler Alltägliches in neuem Licht erscheinen lässt.

Genau das tut in der Klosterkirche auch Volker Gerling. Er blättert seine Daumenkinos unter einer Videokamera ab, sie werden auf eine Leinwand projiziert. Der diplomierte Regisseur verdient seit 2003 sein Geld mit Daumenkinos, ist 4000 Kilometer weit durch Europa gewandert, hat seine Bilder gezeigt und Menschen fotografiert. Inzwischen ist er mit seinen Präsentationen in mehr als 20 Ländern aufgetreten. Deutschlands einziger professioneller Daumenkinograf erzählt von seinen Begegnungen und zeigt die Zwölf-Sekunden-Porträts. Da ist oft am Ende so ein Leuchten in den Gesichtern der Porträtierten, das auf die Zuschauer abfärbt. Sie nehmen es mit hinaus zum Finale auf der großen Bühne, wo alle Künstler ihrem Affen noch mal Zucker geben. Und wenn Jay Gilligan im bunt angestrahlten Klosterhof mit brennenden Fackeln zu Chick Coreas „Spain“ jongliert, ist er noch einmal da, so ein magischer Moment.

Wandertheater auf Tour

Nachdem der Jahrmarkt der Sensationen am Mittwoch und Donnerstag in der Klosteranlage Rehna gastierte, zieht das musikalische Wandertheater der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern weiter. Heute um 19 Uhr macht es Station im Rostocker Zoo. Die Veranstaltung ist aber bereits ausverkauft. Am Sonnabend, dem 14. Juli, ist der Jahrmarkt der Sensationen zu Gast auf Schloss Ulrichshusen, am Sonntag, dem 15. Juli, wird er in der Gutsanlage Stolpe zu sehen sein.

Karten gibt es in allen Service-Centern der OSTSEE-ZEITUNG

sowie telefonisch unter

☎ 0381/38 30 30 17 oder im Internet

unter: www.oz-tickets.de

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