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Maik Wolf komponiert Bildwelten

Rostock Maik Wolf komponiert Bildwelten

25 Arbeiten zeigt der Berliner Künstler in der Ausstellung „Prognostikon“ in der Rostocker Kunsthalle

Rostock. Maik Wolf ist ein Komponist – nicht im klassischen Sinne, sondern wenn es um die Zusammenstellung kunstvoll arrangierter Bildwelten geht. „Es ist, als hätte er einen Zauberstab, schwups, schon ist man auf einem fremden Planeten“, schwärmt Ulrich Ptak von der Kunsthalle Rostock. Für den Rostocker mit ein Grund dafür, den Künstler in die Hansestadt zu holen. 25 Arbeiten des Berliners sind zurzeit in der Ausstellung „Prognostikon“ zu sehen.

Oft sind es karge, surreal anmutende Landschaften, die Wolf als Kulisse für seine Bilder dienen. Aufgebrochen wird die scheinbar vertraute Natur durch weitere Komponenten, die Wolf den Bildern hinzufügt. Mal sind es Häuser, die auf Pfählen in den Baumwipfeln thronen, darunter viele bunte Scheiben. Dann wieder Buchstaben, Formen, Symbole oder Zahlen, die Wolf in unterschiedlicher Größe und ohne Erkennbaren Bezug in die Landschaften stellt. „Vieles ergibt keinen Sinn. Es sind Dinge, die nicht zusammen gehören und eigentlich auch nicht zusammen funktionieren. Gerade das macht es so spannend“, sagt Ptak. Die Irritation: „Sie ist durchaus gewollt“, verrät Wolf, der mit seinen Bildern immer wieder die Sehgewohnheiten des Betrachters ad absurdum führt.

Als Vorlage dienen ihm eigene Fotos, Fotos aus dem Internet und Fundstücke aus Zeitschriften, die eingescannt werden. „Aus dem Bildmaterial komponiere ich am Computer digitale Collagen, manchmal in nächtelangen Sitzungen“, sagt der 52-Jährige. Schöpfen kann er dabei aus einem riesigen Fundus an Vorlagen – darunter allein mehrere Hundert verschiedene Bäume, die zugleich für ein breites Spektrum an Bedeutungen und Gefühlslagen stehen. Für den Künstler wichtige Bausteine, um damit später auf der Leinwand die ihm so eigene Atmosphäre zu kreieren.

„Ich bin kein Typ, der die Bilder vorausdenkt“, sagt Wolf. „Sie entstehen im Prozess.“ Und der ist mühselig, denn Wolfs digitale Kompositionen bestehen aus unzähligen Versatzstücken. „Ein Bild kann bis zu 200 Teile enthalten“, verrät der Berliner. Diese werden in der Größe variiert, auf den Kopf gestellt oder beliebig zusammengeschraubt. „Es ist dasselbe Prinzip wie bei Caspar David Friedrich, der seine Skizzen zerlegt und daraus ein neues Bild komponiert hat“, sagt Wolf. Mit einem Projektor werden die Skizzen auf eine Leinwand projiziert und vom Künstler anhand von Markierungen mit Ölfarbe übertragen. „Der Eindruck der dabei entsteht, ist fantastisch, der Ursprung real“, sagt Wolf. Das war nicht immer so. „Ich habe zwar immer schon Landschaften gemalt, aber am Anfang eher abstrakt expressionistisch“, erklärt er. Mit der Jahrtausenwende habe er sich dem Fotorealismus zugewandt, seine Bilder weitgehend real gemalt und nicht selten Figuren in die Landschaft gestellt.

„Das hat die Nebenwirkung, dass der Betrachter in erster Linie an der Figur interessiert ist“, sagt Wolf. „Diesen Effekt habe ich aufgelöst, indem ich sie durch andere Dinge ersetzt habe.“

Herausgekommen sind komplexe Bildwelten mit einer Vielzahl an Deutungsmöglichkeiten. „Genau das ist es, was meine Kunst ausmacht.“

Stefanie Büssing

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