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Maix Mayer und Partnerin auf dem nachgestellten Werk „Am Strand“, das Original kommt von Walter Womacka. Quelle: Maix Mayer
Rostock

Dieses Bild ist ein Klassiker, in der DDR kannte es jedenfalls fast jedes Kind. „Am Strand“ hatte der Maler Walter Womacka (1925-2010) im Jahr 1962 dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht geschenkt. Dann schmückte das Werk das Staatsratsgebäude in Berlin. Das Ölgemälde machte Karriere, erst DDR-weit, dann auch weltweit. In den Folgejahren wurde es als Reproduktion über 3 Millionen Mal verlauft. Nicht nur in der DDR hatten viele Familien eine Reproduktion des Werkes in den Wohnzimmern hängen, das Motiv wurde auch in die USA oder nach Frankreich und Belgien verkauft. Die größte Verbreitung fand das Womacka-Bild übrigens als Briefmarke. „Am Strand“ war 1968 als Motiv einer 10-Pfennig-Marke 1968 und erreichte eine unvorstellbare Auflage von 12 Millionen Stück. Auch eine Form, zeitgenössische Kunst zu verbreiten.

Walter Womacka „Am Strand“, 1962 Quelle: Archiv

„Eigentlich ist es ein unpolitisches Bild“, sagt Maix Mayer. Und die Perspektive ist ein bisschen ungewöhnlich. „Normalerweise schaut man auf Meer raus, wenn man am Strand sitzt“, meint Maix Mayer. Das Paar am Strand aber schaut irgendwo landeinwärts, man weiß aber nicht, wohin. Die beiden Personen wirken zwar miteinander verbunden, sie wirken aber auch ein bisschen distanziert.

Aktuell: Schau des Künstlers in der Rostocker Kunsthalle

Innerhalb der aktuellen Ausstellung der Leipzigers Maix Mayer, die derzeit in der Kunsthalle Rostock zu sehen ist, ist auch die Interpretation des Künstlers zu sehen. „Notationen zur Moderne, zum Paar am Strand und zum Kind des Matrosen“ ist die Schau betitelt, eine umfangreiche Einzelausstellung, für die der Künstler auch eine neue audiovisuelle Komposition entwickelt hat. Denn Maix Mayer arbeitet mit unterschiedlichen Medien, bei ihm kommen Performance, Fotografie und Skulptur zusammen.

„Paare(e) am Strand“ in Gegenwart überführt

Und hier hängt auch die Version, die Maix Mayer geschaffen hat. Es sind 30 Motive in Zehnergruppen, die Maix Mayer für sein Werk in Szene gesetzt hat, er nennt das Ergebnis „Paar(e) am Strand“. Dazu hat er Künstler auch sich selbst mit Ehefrau fotografiert. Und es gibt eine interessante Vorgeschichte. Zu sehen sind meist Freunde der Künstlers, die er am Ostseestrand abgelichtet hat. „Wir haben am Strand am Meschendort so eine Art Gegenveranstaltung zum Pfingstreffen der FDJ abgehalten“, erzählt Mayer. Das war Ende der siebziger Jahre, aber die Tradition hat sich gehalten, jedes Jahr treffen sich die Freunde dort. Und das Werk vom Maix Mayer ist darum als politisches Statement zu sehen. Nun hat diese Tradition unter Freunden eine besonderen Ausdruck gefunden: „Paar(e) am Strand“ also.

Spezialanfertigung für OZ-Kunstbörse

Nun sieht der Betrachter also 29 Paare, die wie auf dem Werk von Walter Womacka posieren und mehr oder weniger verträumt landeinwärts schauen. Das 30. Motiv in der Serie ist das Original von Womacka. Und auch die Briefmarken-Tradition hat Maix Mayer hier aufgegriffen. Denn mit den einzelnen Motiven (zu je 70 Cent) könnte man auch Briefe frankieren. Man könnte! Das wäre für den neuen Besitzer des Werkes vielleicht interessant. Denn Maix Mayer stellt zur OZ-Kunstbörse ein Werk zur Verfügung, das am 27. Oktober bei der Auktion in der Hochschule für Musik und Theater unter den Hammer kommt. „Dafür habe ich extra ein Einzelstück geschaffen“, sagt Maix Mayer, denn da sind die Buchstraben OZ mit eingearbeitet.

Enge Verbindung zu Rostock

Für Maix Mayer, der in Rostock bis 1987 Meeresbiologie studiert hat, aber längst wieder in Leipzig lebt, ist die aktuelle Ausstellung in Rostock auch eine Herzensangelegenheit. Sein beruflicher Weg führte ihn von Rostock an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er sein Studium mit einem Diplom in Bildender Kunst abschloss. Und 2013 promovierte Maix Mayer an der Universität der Künste im polnischen Poznan an der Fakultät neue Medien. Zu den Stationen, die er als Künstler mit Ausstellungen durchlaufen hat, gehören unter anderem MocA Sydney, das Geementemuseum Den Haag oder das Museu Brasileiro de Escultura in Sao Paulo. Dabei lässt sich Maix Mayer keinem Genre eindeutig zuordnen, er bewegt sich in seinen Projekten zwischen Film, Fotografie, Perfomance und Skilptur. Auch in seiner aktuellen Ausstellung in der Rostocker Kunsthalle ist das so, den innenliegenden White Cube der Kunsthalle wählte Maix Mayer für eine „temporäre Intervention“ aus. Ein wichtiger Teil ist innerhalb der Einzelausstellung auch das bauliche Erbe der Ost-Moderne, die den Resonanzboden bildet. Maix Mayer hat sie mit Foto von Bauten des Bauingenieurs Ulrich Müther dokumentiert. Und seine „Paar(e) am Strand“, die wenige Meter weiter zu sehen sind, bilden einen schönen Gegensatz.

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