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Kultur Maler-Star der Weimarer Republik
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09:48 02.12.2016
Eine Besucherin sieht sich im Kunstmuseum in Stuttgart ein Selbstporträt des Malers Otto Dix aus dem Jahre 1942 an. FOTO: DPA

„Die Neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden“, soll Otto Dix seinerzeit reklamiert haben. Sein monumentales Triptychon „Großstadt“ im Kunstmuseum Stuttgart vereint die Facetten seiner beißenden Gesellschaftskritik wie kein zweites Werk. Dix scheut sich nicht, rohe Gewalt, nackte Angst und die Not des Proletariats sowie die aufgestaute Lebensgier einer mondänen Großstadtbourgeoisie abzubilden. „Dix suchte das Typische seiner Zeit in den Extremen“, fasst Direktorin Ulrike Groos zusammen. Am 2. Dezember vor 125 Jahren wurde der Maler bei Gera geboren. Heute gilt er als einziger deutsch-deutscher Jahrhundertkünstler.

Im Kaiserreich in Dresden ausgebildet, avancierte er zum „berüchtigten Maler-Star der Weimarer Republik“, sagt Professor Olaf Peters, Experte vom Institut für Kunstgeschichte der Uni Halle-Wittenberg. Seine dadaistischen und schonungslos wirklichkeitsnahen Kriegsbilder seien skandalisiert worden. „Seine Porträts galten als zu entlarvend und sein zunehmend altmeisterlicher Stil wurde von linken Kritikern als reaktionär verunglimpft.“ In Abkehr von Expressionismus und Dadaismus wollte Dix die Weimarer Republik so zeigen, wie er sie sah. Otto Dix wird 1891 in Untermhaus bei Gera geboren, er stirbt im Sommer 1969 mit 77 Jahren in Singen am Bodensee. Der Realist und Expressionist ist der einzige deutsche Maler der Gegenwart, der sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik ausstellte und offiziell anerkannt wurde. Obwohl er im Westen lebte, reiste er regelmäßig nach Dresden, wo er ein Atelier hatte. Später ist es sein ausdrücklicher Wunsch, dass Stuttgart Standort seines Hauptwerks „Großstadt“ wird. Dort porträtiert er gleichermaßen Dirnen und Verbrecher wie Spießbürger, Bohemiens und Kriegskrüppel.

Mehr als 400 Arbeiten umfasst die Geraer Sammlung. Der 300 Werke umfassende Bestand des Kunstmuseums Stuttgart gilt als weltweit bedeutendster Fundus – mit dem „Selbstbildnis als Soldat“ und dem „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“. Viele Dix-Werke sind Anklagen gegen Krieg und Militarismus. 1934 erlassen die Nazis gegen ihn ein striktes Ausstellungs- und Malverbot. Viele seiner Werke werden als „entartete Kunst“ diffamiert und verbrannt. Er geht in innere Emigration, sucht Zuflucht am Bodensee. Roland Böhm

OZ

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