Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Malerin zwischen den Welten

Hamburg Malerin zwischen den Welten

Die Hamburger Kunsthalle zeigt Bilder von Anita Rée

Hamburg. Als Anita Rée Mitte der 1920er Jahre aus Italien zurückkehrte, war die Hamburger Malerin eine gefeierte Künstlerin: Sie hatte zahlreiche Ausstellungen im In - und Ausland, war eine gefragte Porträtistin und hoch angesehen bei ihren – meist männlichen – Kollegen. Doch durch ihren frühen Tod 1933 und die Tatsache, dass ihre Werke vor allem auf Privatsammlungen verteilt sind, ist die Künstlerin heute nicht mehr so bekannt. Das soll sich nun durch eine umfassende Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle ändern: Von heute an bis zum 4. Februar sind rund 200 Gemälde, Aquarelle und Objekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen zu sehen.

 

OZ-Bild

Geboren 1885 und aufgewachsen als Tochter eines angesehenen jüdischen Kaufmanns und einer Mutter mit südamerikanischen Wurzeln wusste Anita Rée schon früh, was sie will: Künstlerin werden. Sie erhielt eine professionelle Ausbildung, reiste nach Paris, um von den großen Künstlern der Moderne, wie Henri Matisse oder Fernand Léger zu lernen.

„Als Malerin zwischen Tradition und Moderne, als selbstständige Frau in der Kunstwelt, regionale Künstlerin mit übernationalem Anspruch, als protestantisch erzogene Hamburgerin mit südamerikanischen und jüdischen Wurzeln lebte Rée gleich mehrfach zwischen den Welten“, sagte Kuratorin Karin Schick.

Die Ausstellung beginnt, als sie 1913 mit den „Agnes“-Bildern eine eigene Bildsprache entwickelt. Sehr früh konzentriert sich Anita Rée auf das Porträt und das Figurenbild und entwickelt „eine sehr moderne Weise, auf Menschen zuzugehen“, sagte Schick. Auch dem Fremden steht sie nahe, weil sie es an sich selbst entdeckt. „Mit ihren Bildern umkreiste Anita Rée die Frage nach Identität, nach Subjekt und Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit in einer sich wandelnden Welt“, meinte die Kuratorin. Rée selbst fällt aus den Konventionen: Sie heiratet nie, kriegt keine Kinder und war zeitlebens auf der Suche – was auch ihre Selbstbildnisse mit dem suchenden Blick verraten. Die unbeschwerteste Zeit ihres Lebens hatte sie wohl in Italien, als sie von 1922 bis 1925 in Positano an der Amalfiküste lebte. Ihrer Schwester schrieb sie: „Ich möchte nie nach Deutschland zurück“. Und doch kehrte sie nach Hamburg zurück, fühlte sich aber zunehmend unwohl, obwohl sie als Künstlerin anerkannt war. Gründe dafür waren die Wirtschaftskrise und das Erstarken der Nationalsozialisten, aber auch persönliche Enttäuschungen. Auf Sylt malte sie ihre letzten Bildern, in denen ihre Einsamkeit und Zukunftsangst deutlich erkennbar sind. Am 12. Dezember 1933 nahm sie sich das Leben.

Carola GroãŸe-Wilde

Voriger Artikel
Mehr zum Artikel
Bluttat in Las Vegas
Fassungslosigkeit: Der 64 Jahre alte Schütze hatte den Ermittlern zufolge mit einer automatischen Waffe in das Publikum eines Konzertes gefeuert.

Die Bluttat von Las Vegas gehört zu den entsetzlichsten Massenmorden, die die USA je erlebt haben. Erschwinglichkeit und Menschenmassen machen die Stadt zu einem der verwundbarsten weichen Ziele der Welt. Wird hier jetzt alles anders werden?

mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.