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Kultur Max Samuel kommt nach Hause
Nachrichten Kultur Max Samuel kommt nach Hause
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00:01 16.09.2016

Sie müssen einander gekannt haben: Egon Tschirch (1889-1948), der bedeutende und seinerzeit sehr erfolgreiche Rostocker Maler, und Max Samuel (1883-1942), der gesellschaftlich engagierte Mecklenburger Geschäftsmann und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Rostock, der 1938 ins englische Exil gehen musste, obwohl er Deutschland eigentlich nicht verlassen wollte, während Tschirch sich mit den Nazis arrangierte. Jedenfalls gehörte Max Samuel zu den honorigen Rostocker Bürgern, die von Egon Tschirch porträtiert wurden: Sein 1920 entstandenes Bildnis, das seit Jahren im Kulturhistorischen Museum der Hansestadt verwahrt worden war, ist soeben frisch restauriert ins Max-Samuel-Haus gebracht worden und soll Anfang nächster Woche öffentlich präsentiert werden.

Für den Rostocker Kulturbetrieb ist das eine kleine Sensation – und das vorläufige Ende eines Kunstkrimis, der immer noch Rätsel birgt: Das Gemälde aus der expressionistischen Phase Tschirchs war offenbar lange versteckt gewesen und über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Vor fünf Jahren soll es von einer Mitarbeiterin des Museums im Depot entdeckt worden sein. Der Name Max Samuel dagegen steht in Rostock seit einem Vierteljahrhundert für das Wirken der Stiftung, die mit Lesungen, Konzerten, Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen an die vielfältige jüdische Geschichte der Stadt und Mecklenburgs erinnert.

„Es ist ein besonderer Glücksfall, dass zum 25-jährigen Jubiläum die Existenz dieses Porträts bekannt geworden ist und dass uns das Kulturhistorische Museum das Bild auf Anfrage sofort als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat“, freut sich Ulf Heinsohn, wissenschaftlicher Leiter des Max-Samuel-Hauses. „Als es am Dienstag bei uns ankam, übertraf die Enthüllung alle Erwartungen. Wegen seiner Farbigkeit, Präsenz und Frische. Und weil es so wirkt, als hätte es hier seinen angestammten Platz. Wir sind einfach nur glücklich und würden uns sehr freuen, wenn das Porträt des ehemaligen Besitzers dauerhaft im Max-Samuel-Haus bleiben könnte“, sagt Heinsohn. Zunächst gilt der Leihvertrag jedoch für ein halbes Jahr – bis zum Ende der Jubiläumsausstellung „25 Jahre – dem jüdischen Mecklenburg auf der Spur“.

Interessante Auskünfte zu Geschichte und Herkunft des wiederentdeckten Bildes soll es am kommenden Dienstag geben, wenn das Max-Samuel-Haus und das Kulturhistorische Museum Rostock zur Präsentation des Porträts einladen. Die Provenienzforscherin und Kuratorin der städtischen Kunstsammlung, Susanne Knuth, will darstellen, wie das Tschirch-Gemälde als ein Depositum in den Bestand des Museums kam und wie es als Bildnis Max Samuels identifiziert werden konnte.

Als besonderen Gast erwartet Ulf Heinsohn dazu die in den USA lebende Enkelin Max Samuels, Frau Kaiser Nelson. Als Zeitzeugin kann sie vom Leben der Familie in Rostock und von ihrem Großvater erzählen, dem innovativen Selfmademan, der als Mitglied der Landes-Universitäts-Gesellschaft, der liberalen Deutschen Demokratischen Partei und als gewählter Ältester der Israelitischen Landesgemeinde Mecklenburg-Schwerin auch ein vielseitig engagierter Bürger der Stadt war.

Vorstellung des Bildes: 20. September, 18 Uhr im Max-Samuel-Haus Rostock, Schillerplatz 10. Eintritt ist frei.

Jan-Peter Schröder

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