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00:00 22.04.2013
Der Sänger Hannes Wader bei einem früheren Gastspiel auf dem Darß. Quelle: Frank Hormann/nordlicht

OSTSEE-ZEITUNG: Seit dem 16. April stehen Sie für insgesamt zehn Tage wieder jeden Abend auf der Bühne. Wie stecken Sie diese Belastung mit Ihren immerhin 70 Jahren weg?

Hannes Wader: Ich mache das seit 45 Jahren mehr oder weniger intensiv. Dadurch hat sich eine gewisse positive Routine entwickelt. Manchmal sehe ich mich da mit einer gewissen Selbstironie in der Rolle eines alten Droschkengauls, der seine tägliche Wegstrecke kennt und genau weiß, wo er und wie er zu traben hat. Außerdem versuche ich, mich körperlich und geistig fit zu halten, wozu die Bühnenauftritte entscheidend beitragen.

OZ: Und die Produktion neuer CD-Alben. . .

Wader: Natürlich auch die, wobei ich Ihnen gestehe, dass ich das im vergangenen Jahr erschienene „Nah dran“-Album gar nicht machen wollte. Eigentlich hatte ich sogar die Absicht, mich davor zu drücken. Doch meine Plattenfirma, die Universal Music, ließ nicht locker. Sie hat mich quasi festgenagelt: „Hannes, Du musst jetzt noch eine CD herausbringen! Das Publikum wartet darauf!“ Das hat mir natürlich geschmeichelt, und ich habe mich dann doch an die Arbeit gemacht.

OZ: Mit der neuen CD sind Sie bis unter die Top 20 der Alben-Charts gestürmt.

Wader: Ich bin ehrlich, ich habe es selbst nicht fassen können. Soweit ich denken kann, war es das erste Mal, dass ich mit meinen Liedern solch eine Platzierung erreicht habe.

OZ: „Nah dran“ ist auch so etwas wie eine Rückschau auf Ihr Leben, eine Bilanz, bevor es in seine letzte Phase geht.

Wader: Mein 70. Geburtstag im vergangenen Jahr war für mich Anlass, mir tiefere Gedanken über mein Leben und auch über das Sterben zu machen. Ich spreche mit Freunden und in der Familie hin und wieder über das Thema Tod. Da kommen einem solche Gedanken wie: Junge, du musst endlich eine Patientenverfügung machen! Das habe ich aber bis heute nicht geschafft, stattdessen brachte ich solche Überlegungen in Textform und machte schließlich Lieder daraus. Zum Beispiel das „Lied vom Tod“. Obwohl es seinen Platz auf der CD gefunden hat, ist es für mich aber noch nicht vollendet. Mir fällt immer noch etwas dazu ein, wovon vielleicht auch in Rostock etwas zu hören sein wird.

OZ: Haben Sie eine Erklärung für die Wader-Renaissance?

Wader: Ich nehme sie als freundliche Gabe an. Offenbar treffe ich den Nerv der Leute, indem ich Themen aufgegriffen habe, die sich mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen decken. Darauf weisen auch Rückmeldungen hin, die mich regelmäßig erreichen. Da bedanken sich Menschen unter anderem dafür, dass ich ihnen mit meinen Liedern über eine schwere Strecke ihres Lebens hinweggeholfen habe.

OZ: 1977 wurden Sie Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, was Ihnen seinerzeit auch von manchem Ihrer Anhänger verübelt wurde. 1991 sind Sie wieder aus der DKP ausgetreten.

Wader: Der Zusammenbruch der Welt des Sozialismus, über zwölf Jahre meine weltanschauliche Heimat, traf mich schwer. Damit habe ich aber keinen Abschied von meiner sozialistischen Grundüberzeugung genommen. Ich brauche eine Orientierung, den Glauben an eine Welt, die sich besser machen lässt. Die Gesellschaft nur als zynischer Realist zu betrachten, ist nicht mein Ding.

OZ: Im März wurde Ihnen der Echopreis für Ihr Lebenswerk verliehen. Sind Sie sind damit nicht so gut wie in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft zurückgekehrt?

Wader: Das sehe ich nicht so. Ich bin mir und meinen Überzeugungen treu geblieben. Das bei aller Breite meiner künstlerischen Produktion, dies trotz all meiner Unberechenbarkeit, denn ich habe in meinem Leben wohl mehr Haken geschlagen als jeder Hase. Dass ich heute wieder mehr akzeptiert bin, mag auch mit meinem und dem Älterwerden der Leute zusammenhängen, die mich früher kritisierten. Die mich ablehnten, entdecken jetzt vielleicht die Qualität meines Werkes und meiner Person. Zeiten ändern sich halt.

OZ: Was erwartet die Zuhörer bei Ihrem morgigen Konzert in Rostock?

Wader: Ich stelle Titel meiner neuen CD vor und bringe viele andere bekannte und vertraute Songs zu Gehör. Manche Lieder zeugen von Unbeugsamkeit und Kraft, andere sind zart und zerbrechlich.

So wie meine Freunde mich und meine Lieder kennen.

Lieder autobiografisch geprägt
Hannes Wader wurde am 23. Juni 1942 in Bethel bei Bielefeld geboren. Er ist Musiker und Liedermacher und gilt als einer der letzten großen deutschen Liedermacher im traditionellen Sinne. Zunächst bekannt geworden als sozialkritischer Chansonnier, der Einfluss auf die Studentenbewegung ausübte, wandte sich Wader später dem traditionellen deutschen und niederdeutschen Liedgut zu. Seit Ende der 1970er Jahre begann er sich verstärkt als DKP-Mitglied zu engagieren und trat auf zahlreichen politischen Veranstaltungen mit Arbeiterliedern und sozialistischen Hymnen auf. Seit den 1990er Jahren interpretiert Wader verstärkt Werke von Dichtern früherer Epochen wie Joseph von Eichendorff und Carl Michael Bellman.

Ursprünglich war Wader stark beeinflusst vom französischen Chansonnier Georges Brassens und von Bob Dylan. In der Folge wurde sein Werk ab den 1970er Jahren von den Meistern des traditionellen, speziell anglo-amerikanischen Folk Blues inspiriert. Seine eigenen lyrischen Texte sind zumeist auch mit eigenen Kompositionen unterlegt und oft autobiografisch geprägt.

Karten für das Hannes-Wader-Konzert morgen 20 Uhr in der Clubbühne der Stadthalle Rostock, gibt es im OZ-Servicecenter,

Richard-Wagner-Straße 1a.

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