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Mehr Poesie wagen

Rostock/Greifswald Mehr Poesie wagen

Das Literaturhaus Rostock will mit dem Programm „LyrikHoch3“ der Poesie zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Dafür kommen drei Lyrik-Duos im Februar zu Besuch.

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Das Duo „Gomringer & Scholz“ tritt in Rostock und Greifswald auf.

Quelle: Foto: Judith Kinitz

Rostock/Greifswald. Das Literaturhaus Rostock will mehr Poesie wagen. Mit dem Programm „LyrikHoch3 im Februar“ wollen die Rostocker einer Kunstform zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu Unrecht das Dasein einer Schattenmorelle fristet. Ulrika Rinke (36), Programmleiterin des Literaturhauses, sagt: „Lyrik ist präsent – weitaus mehr, als wir wahrhaben wollen. Ich will nicht behaupten, dass Lyrik nicht anstrengend ist, aber man kann da auch was abholen, wenn man sich einlässt.“

OZ-Bild

Das Literaturhaus Rostock will mit dem Programm „LyrikHoch3“ der Poesie zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Dafür kommen drei Lyrik-Duos im Februar zu Besuch.

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Der Lyrik hängt etwas Verstaubtes, Rückschrittliches, Vergangenes an. Bis zum 19. Jahrhundert noch Königsform der Literatur, kann man heutzutage trefflich seine Eltern erschrecken, wenn man als Jugendlicher mit dem Berufswunsch „Dichter“ oder gar „Lyriker“ zu Hause antanzt. Dabei ist unsere Alltagssprache voll von Lyrik, ohne dass wir es bemerken. Zeitungsüberschriften bedienen sich des lyrischen Elements der Verkürzung. Die Werbung, die uns überall und täglich umgibt – ob im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen und Zeitschriften, in sozialen Netzwerken, bei Wahlkämpfen, in Fußgängerzonen und im Handel greift permanent auf Lyrik zurück – Alliterationen („Milch macht müde Männer munter“), Reime („Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“), Metaphern („Pack den Tiger in den Tank“) und das bewusste Verbiegen von Sprachbildern („Die meiste Kreditkarte“, „Das König der Biere“) sind Grundelemente der Lyrik.

Und es wird mehr. Gerade in Zeiten digitaler Medien mit verkürzten Sprachnachrichten auf wenigen Zeilen – ob sms, facebook oder Twitter – und dem bewussten Einbauen sogenannter Emojis kehrt die Gesellschaft zurück zur hohen Kunst der Lyrik. Daher sagt Ulrika Rinke: „Wir wollen der zeitgenössischen Lyrik mehr Aufmerksamkeit verschaffen, weil wir glauben, dass sie das verdient.“

Das Programm läuft vom 11. bis 28. Februar mit drei Lyrik-Abenden. Es beginnt mit dem Duo „Gomringer & Scholz“ am 11. Februar im Literaturhaus. Das Duo hat in dieser Woche seine Deutschlandtournee gestartet, die von Deutschlandradio und „Das Magazin“ promotet wird. Dabei kommen „Gomringer & Scholz“ am 17. Februar auch ins Greifswalder Koeppenhaus. Laura Gomringer (36), Lyrikerin aus Bamberg, sagt über ihr Genre: „Lyrik ist die reichste Kunstform.“ Sie passe sehr gut in das Zeitalter von Twitter, Kurznachrichten und Autokorrekturprogrammen. Lyrik sei das, was man liest, Lyrik könne aber auch ein Erlebnis sein. Gemeinsam mit dem Dresdner Musiker und Komponisten Philipp Scholz (26) bietet sie Lyrik in neuem Gewand mit Wort, Takt, Humor und Tiefsinn.

Gomringer trägt eigene Texte vor und geht durch die Lyrikgeschichte des 20. Jahrhunderts von Brecht bis Jandl.

Am 21. Februar präsentieren Kerstin Preiwuß (36) und Dagmara Kraus (35) in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) „Lyrik an Musik“. Preiwuß („Selten so einen Frühling erlebt“) aus Lübz und Krause („mein klagevorrat ist in diesen tagen wie geplündert“) aus Wroclaw in Polen tragen Gedichte vor und verwickeln einander in Dialoge. Nebenbei sollen Fragen nach dem Charakter der Gegenwartslyrik berührt werden.

Am 28. Februar kommen Clemens Schittko & Mara Genschel mit dem Programm „Eine ganz normale Lesung“ ins Peter-Weiss-Haus. Rinke: „Aber auch dort dürfen wir auf die Performance gespannt sein.“

Clemens Schittko (37) aus Berlin und Mara Genschel (34) aus Stuttgart wandern zwischen Gelächter, Erstaunen und Entsetzen. Beispiel von Schittko: „positioniert euch, aber poetisiert euch nicht. edgar allen ist tot und die welt ist nicht poetisch. positioniert euch und poetisiert die welt angesichts der achteinhalb millionen menschen, die jährlich verhungern, aber nicht verhungern müssten.“

Sprache als Kunst, Sprachkunstwerk, Sprache als Haltung.

Programm

„Peng Peng Peng“: Das Duo Gomringer & Scholz am 11. Februar ab 20 Uhr im Literaturhaus Rostock

„Lyrik an Musik“: Das Duo Kerstin Preiwuß und Dagmara Kraus am 21. Februar ab 20 Uhr im Orgelsaal der HMT in Rostock

„Eine ganz normale Lesung“: Das Duo Clemens Schittko & Mara Genschel am 28. Februar ab 20 Uhr im

Peter-Weiss-Haus in Rostock

Infos:

www.literaturhaus-

rostock.de

Michael Meyer

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