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Kultur Mehr als 6400 Besucher im Schulmuseum
Nachrichten Kultur Mehr als 6400 Besucher im Schulmuseum
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00:00 12.07.2018
Christa Lachmann liest ihren neuen „Schülern“ im Schulmuseum Anekdoten vergangener Tage vor. Quelle: Foto: Almut Jaekel
Kirch Baggendorf

Mit dem Gebimmel der Schulglocke betritt Christa Lachmann den Klassenraum und beginnt den Unterricht – mit einem Einschulungslied. In der ersten Ferienwoche und dort, wo seit Jahrzehnten eigentlich keine Kinder mehr unterrichtet werden. Genau wie die meisten der 27 Schüler am gestrigen Nachmittag ist auch Christa Lachmann jenseits der 70, und sie entführt die Besucher des Kirch Baggendorfer Schulmuseums in die Schulwelt vergangener Tage.

Senioren lernen im Unterricht mit Christa Lachmann Altes und Neues

„Sieh mal, in solchen Bänken habe ich auch in der Schule gesessen. Auf einer Schiefertafel wurde damals angefangen“, erzählt Barbara Bohn aus Grammendorf ihrer Enkeltochter Jennifer Otto, die aus Hessen zu Besuch ist.

Viele Erinnerungen werden wach. Das war auch das Ziel der Volkssolidaritäts-Ortsgruppe Abtshagen, die die Fahrt ins Schulmuseum und anschließend ins Café „Quh“ der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenwieden organisiert hatte.

„Wir waren teilweise vier verschiedene Klassenstufen in solch einem kleinen Raum. Dort stand das Tintenfass, doch am Anfang haben wir noch gar nicht mit Feder und Tinte schreiben dürfen. Aber mit dem Rohrstock gab es bei uns nichts mehr“ – die Senioren plaudern munter durcheinander.

Bis Christa Lachmann als „Lehrerin“ wieder ihre neue Klasse übernimmt. 6434 „Schüler“ wurden im Laufe der Jahre seit der Eröffnung 1999 im Kirch Baggendorfer Schulmuseum „eingeschult“, erfahren ihre Schüler. Und die seien jetzt alle ein Teil dieser riesigen Schulgemeinschaft. Träger sei damals der Strukturförderverein Trebeltal gewesen, der einen großen Fundus rund um Schule, Bildung und das Lernen aus – mittlerweile – drei Jahrhunderten sammelte.

Sogar einen eigenen „Köster Klickermann“ gab es jahrelang in Kirch Baggendorf: „Karl Sonnenfeld hat den Schulmeister ideal verkörpert“, meint seine Nachfolgerin Christa Lachmann, die aber ebenso den schiefen „Mecklenburger Globus“ ins Spiel bringt und dabei von Dieter Rieck unterstützt wird, der aus Tarnows Stück vorliest.

In der gestrigen Stunde wurde viel gesungen. „Das verbindet“, sagt Christa Lachmann und legt mit „Alle Kinder können lesen“, gleich los, nachdem es kleine Schultüten mit Süßigkeiten gab.

Ganz ernsthaft geht es noch bei der Prüfung des geografischen Wissens zu: Trebel, Abtshagen, Grimmen, Kirch Baggendorf – all das ist auf der großen Karte schnell zu finden. Die Legende von der Erschaffung des Lehrers, der drei Paar Augen und sechs Paar Hände braucht, um alle im Blick zu haben, zu trösten, zu umarmen oder zu strafen, sorgt danach ebenso für Heiterkeit wie scherzhafte und ernstgemeinte Quizfragen.

Ein altes Klassenbuch aus den Jahren 1856 bis 1871 begeistert die Gäste ebenso wie die Schönschrifthefte einer ehemaligen Schülerin aus dem Landkreis Grimmen. Und es gibt sogar Hausaufgaben! Weil nämlich nicht Tribsees oder Franzburg die kleinste Stadt Deutschlands ist, aber niemand weiß, wo Teichel liegt, sollen die Besucher das doch bitte zu Hause klären. Teichel war übrigens eine der kleinsten Städte Deutschlands, liegt in Thüringen und ist heute ein Ortsteil der Stadt Remda-Teichel.

Almut Jaekel

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