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„Mein Denkmal sind meine Songs“ - Gunter Gabriel ist tot

Abschied „Mein Denkmal sind meine Songs“ - Gunter Gabriel ist tot

Erfolge, Abstürze, Comebacks: Gunter Gabriels Leben glich einer Achterbahnfahrt. Gestrauchelt, aber nie ganz gescheitert ist er - immer wieder kämpfte sich der Sänger zurück ins Rampenlicht. Gerade erst wurde er 75 - nun ist er tot.

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Gunter Gabriel.

Quelle: Britta Pedersen

Hamburg. Über den Tod hat Gunter Gabriel oft nachgedacht. Er glaube nicht an Gott, nach dem Ableben warte nur die Mülltonne, einen Sarg oder eine Urne wolle er nicht hinterlassen, sagte Deutschlands bekanntester Countrysänger oft in Interviews.

Alkoholabstürze, Herzinfarkte, Schlaganfälle hatten ihm zu schaffen gemacht. „Ich denke jeden Tag an den Tod“, erzählte der Musiker. Gerade erst war er 75 Jahre alt geworden, doch - wie später bekannt wurde - am Abend vor seinem Geburtstag stürzte er schwer und brach sich einen Halswirbel. Dreimal wurde er in einem Krankenhaus in Hannover operiert - aber Gabriel verlor den Kampf. „Heute Vormittag hat das Herz eines großen Musikers aufgehört zu schlagen“, teilte seine Agentur am Donnerstag mit.

Am 11. Juni war sein 75. Geburtstag. „Mindestens 20 Jahre“ wolle er noch leben, hatte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur wenige Tage zuvor gesagt. „Aber dafür muss ich was tun“, erklärte er. „Im Moment muss ich an meinen Körper denken, daran, dass ich wieder gesund werde. Ich merke, dass ich schnell abbaue.“

 

Sänger lebte auf einem Hausboot im Binnenhafen von Hamburg-Harburg

Es war ruhiger geworden um den Mann mit der markanten tiefen Stimme, der seit langem auf einem Hausboot im Binnenhafen von Hamburg-Harburg lebte. Als Dschungelcamp-Bewohner mit Toupet und ohne Hemmungen hatten ihn 2016 junge TV-Zuschauer vielleicht zum ersten Mal gesehen. Ältere kannten ihn als Musiker, der mit Eskapaden und Schulden, mit Pöbeleien und zotigen Bemerkungen Stoff für Boulevardberichte in den Medien lieferte. Und noch Ältere hatten seine größten Hits im Ohr.

Mit Liedern wie „Er ist ein Kerl (Der 30 Tonner Diesel)“, „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ oder „Komm' unter meine Decke“ war er in den 70er Jahren in den Hitparaden gelandet. Der aus Westfalen stammende gelernte Maschinenschlosser Günther Caspelherr (zu seinem Künstlernamen kam er durch seine Frau Gabriele), der einige Semester Maschinenbau studierte, stach heraus aus der damaligen Schlagerszene. Zum Fernfahrer-Idol wurde er, zum Malocher-Musiker. „Ein bisschen Macho, ein bisschen Punk, ein bisschen Proll“ - so sah er sich. Ein Kerl eben, ein ganzer Mann (wie er ihn besungen hatte).

Abstürze in den 1980er Jahren

Den Erfolgen folgte der Absturz in den 80ern. Neue Hits blieben aus, bei Immobiliengeschäften verlor er Millionen. Alkohol, Affären und ein Leben auf der Autobahn - zwischenzeitlich war er auf der Straße zu Hause. „Immer woanders, fremde Betten, fremde Frauen - ich habe mich so durchgeschlagen. Nur die Mädels und der Whiskey konnten mich retten“, erzählte er. „Aber der Witz ist: Im Nachhinein betrachtet, war das meine schärfste Zeit. Nur habe ich meine Situation damals als bedrohlich empfunden. Ich wusste ja nicht, dass ich noch mal in die Gänge komme und wieder ein paar Mark in die Tasche kriege.“

Doch immer wieder kehrte der Musiker ins Rampenlicht zurück - und sei es nur für „Wohnzimmer-Konzerte“: In einer TV-Show hatte der Sänger angeboten, bei seinen Fans für jeweils 1000 Euro Gage aufzutreten. Bei seinen Alben konzentrierte er sich zuletzt auf die Countrylegende Johnny Cash (1932-2003). Cash war über all die Jahre Idol und Freund. Für Hommage-Alben wie „Gabriel singt Cash - Das Tennessee-Projekt“ (2003) und „Sohn aus dem Volk - German Recordings“ (2009) erntete Gabriel gute Kritiken. In „Hello, I'm Johnny Cash“ stand er danach selbst als Cash auf der Bühne. „Ich war mit dem Jungen 25 Jahre befreundet, Johnny Cash ist der Reichtum meines Lebens“, erzählte er.

Im Programm „Ich, Gunter Gabriel“ erzählte er über sein Leben

Später ließ Gabriel - das Gesicht von den Wettern des Lebens gegerbt, die Haare spärlich und wüst - auch sein eigenes Leben auf der Bühne Revue passieren, erzählte daraus in dem Programm „Ich, Gunter Gabriel“: über die Mutter, die er mit vier Jahren verlor, über den Vater, der ihn und seine Schwester wieder und wieder schlug. Er flüchtete in die Musik. Kunst sei Überlebensmittel für ihn geworden, erzählte er und rief den Zuschauern zu: „Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein und weitermachen - immer weitermachen.“ So wie er es selbst getan habe - zunächst als DJ, dann als Promoter einer Plattenfirma und schließlich als Sänger.

Und immer wieder nach diversen Tiefschlägen, die er nicht nur beruflich einstecken musste. Viermal war er verheiratet, jedes Mal ohne Happy End. „Geschieden, aber nicht gescheitert“ stand an der voll gehängten Wand seiner Bootsküche. Vater von vier Kindern wurde er - die allesamt entsetzt gewesen sein sollen, als er ins TV-Dschungelcamp einzog. Dem Motto seines Lehrmeisters Cash, der seinen „German Friend“ Gunter bei Konzerten hierzulande auf die Bühne holte, wollte auch Gabriel immer treu bleiben: „I Walk The Line“.

Komponist und Produzent war Gabriel auch für andere Künstler wie Peter Alexander, Tom Astor, Karl Dall oder Dieter Hallervorden. Frank Zanders „Ich trink auf Dein Wohl, Marie“ stammte ebenso von ihm wie Juliane Werdings „Wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst“. Auch für die Fußball-Hymne „Wer wird deutscher Meister? H-H-H-HSV“ legte er die erste Version vor. „Ich muss wohl 'ne Menge richtig gemacht haben in meinem Leben (aber auch 'ne Menge falsch)“, sagte er mal. „Immerhin hab ich 1000 Songs geschrieben, einige davon wurden richtig große Hits und sogar Evergreens.“

„Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, bin aber nicht untergegangen“

Und immer wieder war er für skurrile Aktionen gut. Ein Musiker, der neben seinen Songs auch oft Schlagzeilen lieferte. Und die sorgten nicht selten für mehr Wirbel als seine Lieder, schließlich hatte Gabriel ja auch einigen Stoff zu bieten: Skandalgeschichten eines Künstlers, in denen es um Prügel und Pleiten, Alkohol und Affären ging. „Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, bin aber nicht untergegangen“, betonte er. Als Großstadt-Cowboy und Trucker-Idol sah er sich selbst gern. Immer „gunterwegs“, geradeheraus und die Sprache des „kleinen Mannes“ sprechend - eben der „Sohn aus dem Volk“. Was nach seinem Tod an ihn erinnern soll, hatte Gabriel sich auch schon überlegt: „Mein Denkmal sind meine Songs, ein paar werden ja überbleiben. Und das reicht doch auch.“

dpa

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