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Mein Leben der anderen: „Fremde Betten“ in Warnemünde

Warnemünde Mein Leben der anderen: „Fremde Betten“ in Warnemünde

Der Bademantel. Der weiße Frotteebademantel, gefaltet auf dem Bett ist er Symbol für den Wohlfühlmodus des Gastes in Hotels.

Warnemünde. Der Bademantel. Der weiße Frotteebademantel, gefaltet auf dem Bett ist er Symbol für den Wohlfühlmodus des Gastes in Hotels. In der Inszenierung „Fremde Betten“ von Martin Stefke und Franziska Drews, die in dem Einpersonenstück auch die Rolle des Zimmermädchens Lynn spielt, steht er auch für den Wunsch, in die Haut anderer zu schlüpfen. Das Leben anderer zu führen.

Das gut einstündige Stück des Rostocker Volkstheaters, das in der Kleinen Komödie Warnemünde am vorigen Freitag vor 69 Zuschauern Premiere feierte, spielt gern mit Symbolen. Stefke und Drews bieten hier noch Theater analog mit der puren Lust am Spiel. Triumph des klassischen Erzählens.

Drews gibt Lynn, die im Hotel Eden putzt – und das mehr als gründlich. Dort, wo andere aufhören, beginnt sie erst. Die Unterseite der Möbel, die Lattenroste unter den Betten – Putzen als Psychomacke.

Und Lynn beginnt sich zunehmend für die Gegenstände der anderen zu interessieren. Sie schnüffelt an Oberhemden, betastet Zahnbürsten und schlüpft in Pyjamas der Gäste. Und dann liegt sie eine Nacht lang unter dem Bett eines Gastes und lauscht seinem Schlaf. Jeden Dienstag tut sie das nun, mittwochs hat sie frei, donnerstags ruft sie ihre Mutter an. Und als sie unter dem Bett liegend akustisch dem Beischlaf eines Gastes mit der Prostituierten Chiara beiwohnt, nimmt sie Kontakt zu ihr auf und trifft sich mit ihr zum Sex. Jeden Samstag. Doch was sie als Liebe erträumt, bleibt Chiara Geschäft. Der einzige Traum, der Leben wird, platzt und bleibt Kommerz. Die Erzählung „Fremde Betten“ von Markus Orths (47) ist die Geschichte einer Obsession und Metapher für die Isoliertheit in der Gesellschaft – das erträumte Stellvertreterleben aus Angst vor dem eigenen. Lynn ist das individuelle Gegenbild zu Ulrich Mühes Hauptmann Gerd Wiesler in „Das Leben der Anderen“. Wiesler als Spitzel von Staats wegen, Lynn als trauriges Irrlicht, das aus Einsamkeit in das Leben der anderen kriecht, krabbelt, sich reinklebt. Franziska Drews spielt das in einem sparsamen Bühnenbild (Maria Frenzel) mit den klassischen Mitteln des Schauspiels ohne übertriebenen Gestus und bedient sich spielerisch in der Pantomime, im Tanz und im Puppenspiel. Ein gelungener Theaterabend literarischen Anspruchs. Aufführungen: 7./ 8./ 14./ 21./ 30.

Oktober und 18. November 20 Uhr

Michael Meyer

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