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Kultur „Meine Kreativität kann ich nicht erzwingen“
Nachrichten Kultur „Meine Kreativität kann ich nicht erzwingen“
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00:00 17.01.2015
Gunnar Schröder (45), Krel Schröder (47) und Stefan Ladwig (36, v.l.) sind „Dritte Wahl“. Quelle: Ben Kriemann

OSTSEE-ZEITUNG: 27 Jahre „Dritte Wahl“ — wie hat sich die Musik der Band in der langen Zeit verändert?

Gunnar Schröder: Wir beherrschen unsere Instrumente besser als früher (lacht). Auch die Texte sind andere als vor 20 Jahren. Wir sind noch immer eine politische Band, kritisieren soziale Missstände oder Rassismus, haben aber auch viele Songs mit persönlichen Themen, wie Zufriedenheit und Glück. Bei den Aufnahmen für die neue Platte hatten wir mit Jörg Umbreit außerdem zum ersten Mal in den „Principal Studios“ in Münster einen professionellen Produzenten dabei.

OZ: Nehmen dort nicht auch „Die Toten Hosen“ auf?

Schröder: Ja, die Jungs waren teilweise zeitgleich mit uns in dem Studio. Für mich als alter Hosen-Fan war das natürlich eine tolle Sache, wenn die da beim Frühstück sitzen und mich begrüßen:

„Hallo Gunnar, was machst du so?“. Mit den Platten der „Toten Hosen“ hat für mich ja damals der Punkrock angefangen. Und unser Konzert mit den Jungs im Rostocker IGA-Park 2013 war ein Highlight.

OZ: Sie sind als Sänger, Gitarrist, Texter und Komponist der kreative Kopf der Band. Fällt Ihnen das Liederschreiben nach mehr als einhundert Songs noch leicht?

Schröder: Es wird immer schwerer. Weil mein Anspruch an meine Texte gewachsen ist, landen viele Ideen im Papierkorb. Deshalb haben wir für die neue Platte vier Jahre gebraucht. Aber erzwingen kann ich meine Kreativität nicht. Ich hatte mich mal für eine Woche allein in ein Haus an der Nordsee zurückgezogen. Es sind mir dort auch Lieder eingefallen, aber leider nicht so viele, wie ich gehofft hatte.

OZ: Was war anders bei der Studioarbeit mit einem Produzenten?

Schroeder: Es war für mich ungewohnt, dass mir jemand direkt ins Gesicht sagt: „Diese Textzeile, die du da grad singst, ist scheiße — das kannst du besser.“ Sonst hatten wir immer als Band unsere eigenen Ideen aufgenommen und abgemischt und fertig.

OZ: Hat die Band die Vorschläge des Produzenten angenommen?

Schröder: Nicht alle, aber oft hatte er recht. Für den Song „Sirenen“ hatte ich zunächst einen ganz anderen Text geschrieben. Jörg meinte, bei der Musik käme ihm eher etwas mit Seefahrt in den Sinn. Ich habe dann einen völlig neuen Text geschrieben — und nun passt es.

OZ: Mit dem Song „Fliegen“ von der letzten Platte „Gib Acht“ ist Ihnen ein Hit gelungen. Kann man so etwas planen?

Schröder: Nein, als wir das Lied aufgenommen haben, war uns nicht klar, dass der Titel so gut ankommen wird. Manchmal singen die Leute den Refrain noch zehn Minuten lang, wenn wir längst von der Bühne sind. Planen lässt sich so etwas nicht. Die Hosen wollten „Tage wie diese“ auch erst nicht auf die Platte nehmen, und dann ist es einer ihrer größten Hits geworden.

OZ: Von Ihren Fans waren viele noch nicht auf der Welt, als Sie 1988 angefangen haben. Wie schaffen Sie es, zwei unterschiedliche Generationen anzusprechen?

Schröder: Das weiß ich, ehrlich gesagt, gar nicht. Es ist ein Glücksfall, und wir nehmen es dankend an. Wir haben auch modernere Elemente auf der neuen Platte, aber nicht weil wir uns bei den Kids anbiedern wollen. Wir hören ja auch nicht nur 1977er-Jahre-Punk.

OZ: Die Band ist länger gemeinsam unterwegs, als viele Ehen halten. Gibt es dafür ein Erfolgsrezept?

Schröder: Bei uns hat einer den Hut auf — und das bin ich (lacht). Nein, wir verstehen uns einfach gut, können uns auch mal in Ruhe lassen, wenn einer auf der Tour eine Auszeit braucht. In all den Jahren hat es noch nie richtig geknallt.

OZ: Sie geben pro Jahr 50, 60 Konzerte. Das kann man nicht so nebenbei machen. Wie lange leben Sie schon von der Musik?

Schröder: Das war ein schleichender Übergang. Wir haben eine Zeit lang noch nebenher gejobbt, was wir auch jetzt noch manchmal machen. Wenn wir länger keine Konzerte gespielt haben, kann es finanziell eng werden, vor allem wenn eine neue Plattenproduktion ansteht.

„Dritte Wahl“ spielen am 23. Februar in Rostock
1988 gründeten Gunnar (Gesang, Gitarre) und sein Bruder Jörn „Krel“ Schröder (Schlagzeug) sowie der vor zehn Jahren verstorbene Marko „Busch‘n“ Busch die Punkrockband „Dritte Wahl“. Seit 2005 ist Bassist Stefan Ladwig dabei und seit 2010 Dietmar Staskowiak am Keyboard, das künftig von Holger Hüwe bedient wird.
Am 23. Februar spielen „Dritte Wahl“ beim Solikonzert im Rostocker MAU-Club.



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