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Meister des Abstrakten: K.O. Götz wird 103

Kunst-Pionier Meister des Abstrakten: K.O. Götz wird 103

Karl Otto Götz war ein Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit. Er prägte berühmte Künstler wie Gerhard Richter. Nun wird K.O. Götz 103 Jahre alt. Er malt immer noch.

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K.O. Götz wird 103 - und malt immer noch.

Quelle: Oliver Berg

Düsseldorf. Es gibt Tage, an denen Karl Otto Götz noch Gouachen in seinem Atelier im Westerwald malt. Und das ist durchaus erwähnenswert. Denn K.O Götz, wie ihn alle nennen, wird am Mittwoch 103 Jahre alt.

Der „Maler mit dem Rakel“, einer der Hauptvertreter der deutschen abstrakten Kunst der Nachkriegsjahre, ist damit der älteste noch lebende bedeutende deutsche Künstler. In Frankreich lebt mit dem 97-jährigen Pierre Soulages übrigens noch ein Zeitgenosse. Soulages gehörte wie Götz zu den wichtigen Repräsentanten der europäischen abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Geboren wurde K.O. Götz am 22. Februar 1914 in Aachen, noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Unter den Nazis hatte er wegen seiner Vorliebe für Abstraktes Malverbot. Er war befreundet mit Hans Arp und dem tanzwütigen Otto Dix, dem er mal Jazz-Schallplatten ins Atelier brachte.

Götz' Gesundheitszustand sei „unverändert stabil“, sagt Joachim Lissmann, Vorstand der K.O. Götz und Rissa-Stiftung. Natürlich gehe er jetzt immer seltener in sein Atelier. Begleitet und unterstützt werde Götz dabei von seiner Frau Rissa (78). „Aber die ein oder andere Gouache malt er noch“, sagt Lissmann. Götz habe gelegentlich auch noch Bild-Ideen im Kopf, die er ausprobiere, wenn er sich gut fühle.

Seit vielen Jahren lebt Götz mit der Künstlerin Rissa in dem kleinen Ort Niederbreitbach-Wolfenacker im Westerwald. Sein Augenlicht hat ihn lange verlassen, doch mit Hilfe von Rissa kann er weitermalen.

2014 wurde K.O. Götz zu seinem 100. Geburtstag mit großen Ausstellungen, unter anderem in der Berliner Neuen Nationalgalerie, geehrt. Das Interesse an dem Maler, der einer der kraftvollsten abstrakten Künstler ist, besteht weiter. „K.O. Götz ist präsent“, sagt Lissmann.

Allein im vergangenen Jahr seien in 30 Ausstellungen im In- und Ausland auch Werke von K.O. Götz vertreten gewesen. Götz nimmt mit seiner andauernden Präsenz auf dem Kunstmarkt eine Ausnahmestellung in der Gruppe der längst gestorbenen abstrakten Nachkriegskünstler wie Bernard Schultze oder Fred Thieler ein.

Bis ins Spätwerk wirken seine Bilder, in denen die Farben zu explodieren scheinen, ultramodern und avantgardistisch. Die großformatigen Leinwandarbeiten von Götz werden heute im sechsstelligen Bereich gehandelt - wenn sie denn überhaupt auf den Markt kommen.

Grundprinzipien der Technik von K.O. Götz sind das schnelle Malen und die Rakeltechnik. Berühmt wurde er mit großformatigen gestischen Schwarz-Weiß-Kompositionen. Später malte er temperamentvolle Bilder mit gelben, blauen oder roten Farbströmen, Wirbeln und Schlieren. „Abstrakt ist schöner“ - so lautete das Motto des Biennale- und Documenta-Teilnehmers, dessen stilistische Anfänge nah bei den Surrealisten und Miró lagen.

Ein „wilder“ Maler aber war Götz nie. Er überließ nichts dem Zufall. Erst entwarf er das Bild akribisch vor seinem inneren Auge oder mit Skizzen, dann grundierte er die Leinwand mit Kleister und goss Farbe darauf. In Sekundenschnelle zog er dann einen Rakel darüber - einen Schaber, wie ihn Handwerker benutzen. Das wurde sei Markenzeichen.

20 Jahre lang, von 1959 bis 1979, lehrte Götz als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Schüler Gerhard Richter und Sigmar Polke wurden weltberühmt. Richter, der inzwischen auch schon 85 ist, arbeitet bis heute mit dem Rakel.

dpa

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