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Kultur Meisterliche Aufführung
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00:05 19.06.2017
Heinz-Jürgen Staszak über das Eröffnungskonzert der Festspiele MV in Wismar

In eine ganz eigenartige spirituelle Beleuchtung gerückt war das diesjährige Eröffnungskonzert. Sein Beginn und sein Schluss reichten sich über Mozart hinweg die Hand im gemeinsamen Bezug auf Gott. Für den Beginn hatte der Perkussionist Alexej Gerassimez (30) die Festspiel-Ouvertüre „Das Land“ für Chor und Schlagzeug komponiert. Sie war bei weitem das Substanziellste von dem, was man sonst an dieser Stelle gehört hat. Gerassimez macht aus einem knappen Text aus Rilkes Stundenbuch (1905) einen pränatalen Hymnus, in dem er die vor dem Anfang liegende Entstehung von Sprache, Text und menschlichem Leben in den „wolkigen Worten“ eines pantheistischen Schöpfers, entfaltet. Aufsteigend aus einem mystisch-tremolierenden Untergrund artikuliert der vorzügliche NDR-Chor (Leitung:

Robert Blank) zuerst nur geräuschhafte Konsonanten, dann kommen klingende Vokale dazu. Dann werden Wörter daraus, aus denen schließlich melodisch geführte Sätze werden, die in der Verkündigung gipfeln. Das war in seinem geistigen Konzept wie in seiner musikalischen Ausführung in jedem Moment spannungsvoll und eindrücklich.

Den Abschluss bildete Mendelssohns Sinfonie-Kantate „Lobgesang“. Es war eine meisterliche Aufführung, in der die NDR Radiophilharmonie, der NDR- und WDR-Chor sowie die Gesangssolisten Anna Lucia Richter, Esther Dierkes und Robin Tritschler unter der sorgfältig durchgestaltenden Leitung von Andrew Manze in bewegender Weise die Kraft des musikalischen Materials zu übersteigen schienen.

Dazwischen gab es mit Mozarts A-Dur-Violinkonzert die blanke Diesseitsfreudigkeit. Arabella Steinbacher spielte es mit so vornehmer Kantenlosigkeit, mit so viel innerem Adel, mit solcher Kostbarkeit, dass es schon fast wirkte wie ein unantastbares Stück aus dem Museum der unvergänglichen Schönheit.

OZ

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