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Kultur Meisterstück mit vier Händen
Nachrichten Kultur Meisterstück mit vier Händen
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00:00 12.05.2016
Heinz-Jürgen Staszak über ein Konzert der Reihe „Internationales Pianistenforum“

In der Kunst sichert, entgegen einem populären Vorurteil, losgelassene Emotion nicht allein die nachhaltige Wirkung. Dazu gehört ebenso geistiges Kalkül und strenge Disziplin, eine Kühle, die den Kopf oben behält. Dies war wieder einmal in der Konzertreihe „Internationales Pianistenforum“ der Rostocker Musikhochschule zu erleben, bei dem sich das bulgarisch-russische Ehepaar Alina Shalamova (30) und Nikolay Shalamov (26) als vierhändig spielendes Klavierduo präsentierte – im Vorjahr mit dem begehrten 1. Preis des ARD-Wettbewerbes gekürt.

Sie bewiesen, dass die für Klavierduos unerlässliche intuitive innere Übereinstimmung nicht nur für perfekte Synchronität notwendig ist, sondern – noch wichtiger – auch für eine Übereinstimmung in beweglicher Elastizität und reicher Nuancierung. Nachdem sie das Konzert mit den humor- und schwungvollen, auch nicht ganz unsentimentalen „Souvenirs“ op. 28 (1952) des Amerikaners Samuel Barber eingeleitet hatten, lieferten sie ihr gestalterisches Meisterstück. Nahtlos und fast ohne Pause schlossen sie an das aphoristische „Blumen die Menschen“ (1973) von György Kurtág, eigentlich für pädagogische Zwecke komponiert, in denen eine knappe, sich umschließende Tonfolge einen Choral rahmt, Franz Schuberts bedeutsame Fantasie f-Moll D 940 aus seinem Todesjahr an, so dass diese wie eine Antwort auf die schwebende Frage Kurtágs erschien.

Diese Antwort spielten sie mit einer frappierenden hellsichtigen Klarheit, ohne verhangene Romantizismen, mit durchdachter Prägnanz und Farbigkeit, so dass sich die Fantasie in dieser ganz leichten Distanz geradezu als ein bewegender Kosmos der Schmerzlichkeit entfaltete – versiegender und versagender, sehnsüchtiger und sich aufbäumender.

Gleiches geschah auf einer anderen Ebene bei den abschließenden „Six Morceaux“ op. 11 (1894) von Sergei Rachmaninow. Entkleidet der spätromantischen mondänen Attitude, wurde Rachmaninows selbstmächtige, füllige Emotionalität durchsichtig und nahezu filigran, die spielerischen Elemente ohne Virtuosenschaum, bis hinein in den prunkvollen Abschlussteil.

OZ

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