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Mensch, Grönemeyer!

Berlin Mensch, Grönemeyer!

Rockstar nach vier Jahren Pause mit neuem Album wieder da

Berlin. „Ich habe irgendwann gemerkt, da geht noch was.“ Auf diesen Satz haben Herbert Grönemeyers Fans gehofft. Fast vier Jahre brauchte er, um sich nach privaten Schicksalsschlägen dem Tod seiner Frau Anna und seines Bruders Wilhelm im November 1998 wieder „der Debatte“ stellen zu können. Den Anfang macht er mit seinem neuen Album „Mensch“, das er am Mittwochabend im Café Zucca am Hackeschen Markt in Berlin offiziell vorstellte. Nach langer Zeit will Grönemeyer auch wieder für seine Fans da sein.

Gelassen wirkt er, lächelt natürlich und gelöst. Nur zu Beginn, als er auf die Arbeit an seiner neuen Platte und dem damit verbundenen Nachdenken über seine verstorbene Frau angesprochen wird, kratzt er sich für einen Moment verlegen an der Wange. Dann kommt er wieder auf „den zweiten Schatz, den ich mit mir herumtrage“ zu sprechen die Musik. Seine im November beginnende Tournee könne er jedenfalls kaum abwarten: „Ich hoffe, dass wir wieder“, sagt er und stockt für einen Augenblick, „Spaß haben können“.

Skeptischer Optimismus umspielt fast jeden Satz, den Grönemeyer an diesem Abend sagt. Und er hat einiges zu sagen. Zum politischen Duell Schröder gegen Stoiber fällt ihm ein: „Ich finde sie beide gleich flach.“ Applaus vom Publikum. Beide hätten sie „keine Vision für ein kompliziertes, zerrissenes Land“, das „politisch in der Pubertät“ stecke. Er räsoniert über Deutschland, in dem die Menschen ihre Probleme „zu schnell auf die Politik“ schieben würden und in dem „die Voraussetzungen viel besser“ seien als beispielsweise in England, wo er seit vier Jahren lebe. Der temperamentvolle Idealist in ihm bricht vollends durch, als es um die Flutkatastrophe geht: Mit „menschlicher Nähe und Respekt“ ließen sich die Probleme der Notleidenden angehen, nicht durch das „Hereinpumpen von Geld“.

Damit niemand vergisst, dass es an diesem Abend auch ums Geschäft geht, bekommt Grönemeyer „als Überraschung“ für die Single-Auskoppelung und das noch gar nicht veröffentlichte Album „Mensch“ von den Label-Verantwortlichen schnell eine Gold- und Platinplatte in die Hand gedrückt. In der Menge der Medienvertreter meldet sich ein Herr „aus dem Handel“ und dankt Grönemeyer im Namen der Branche dafür, endlich ein neues Album auf dem Markt zu bringen. Er hoffe, mit „Mensch“ „Verkaufszahlen wie bei Robbie Williams“ erzielen zu können.

Der im Ruhrgebiet aufgewachsene Grönemeyer selbst sieht sich lieber unberührt von jeglichem Medien-Hype und Rockstar-Leben, schwärmt von Berlin. Er lobt die Metropole, die im Gegensatz zum „fertigen London“ offen sei. „Wer an die Zukunft glaubt, der muss nach Berlin gehen“, habe er in einer englischen Zeitung gelesen. Grönemeyer scheint an seine Zukunft und die seiner beiden Kinder in Deutschland zu glauben: „Wir haben uns entschieden, im nächsten Jahr zurückzukehren.“

Als Musiker vermisse er in London „vor allem die deutsche Sprache“. Er sei nun mal Deutscher und könne „kein Lied auf Englisch schreiben“. Trotzdem seien auf „Mensch“ musikalische Einflüsse des Bristol-Pop dabei. Anleihen bei Triphop-Bands wie Massive Attack oder Portishead seien auf dem aktuellen Album nicht zu überhören. Und er sei „schon ein bisschen gebauchpinselt“, wenn seine Kinder das cool fänden.



PETER LEVERINGHAUS

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