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Menschen und Landschaften: Jürgen Webers Bilder preisen das Lebendige

Rostock Menschen und Landschaften: Jürgen Webers Bilder preisen das Lebendige

Mit der Schau „Lebensbilder“ feiert die Societät Rostock maritim den 80. Geburtstag des Rostocker Malers und Bildhauers

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Das Gemälde „Auf der Erde sitzendes Paar“.

Rostock. Brot statt Kompott. Kunst statt Dekoration. Das wahrhaft Menschliche als Schönheit in der Rohheit. Oder zum Beispiel jene Lebendigkeit, die junge Katzen ausdrücken, wenn sie unmittelbar nach ihrer Geburt schreien. „Das zuckt, das ist lebendig“, sagt der Rostocker Maler Jürgen Weber. Der 79-Jährige berichtet über Statements seines Lehrers Max Schwimmer (1895-1969), aber eigentlich erzählt er — in überschäumender Fülle sich gegenseitig hochtreibender oder kontrastierender Metaphern — davon, wie er Kunst versteht und warum er malt, wie er malt.

OZ-Bild

Mit der Schau „Lebensbilder“ feiert die Societät Rostock maritim den 80. Geburtstag des Rostocker Malers und Bildhauers

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Kunstfreunde können sich jetzt in der Societät Rostock maritim selbst ein Bild von Webers Bildern machen. Aus Anlass des 80. Geburtstages des Künstlers am 4. April stellt das einstige Kunstmuseum 80 Gemälde und 23 Skulpturen aus — in der Galerie sehr dicht gehängt, im Turmzimmer sowie im Atrium. Die Gemälde zeigen Landschaften (zwischen Marokkko und Mecklenburg), Figuren, Paare oder Figurengruppen. Und vor allem zeigen sie eines: Webers intensiver Zugriff, sein kraftvoller und um radikale Aufrichtigkeit bemühtes Pathos des Lebendigen, ist weiterhin von ungebrochener Energie, ja Leidenschaft. Keinerlei Versuche, sich an Zeitgeist-Strömungen oder Moden anzupassen, eher ein trotziges Bestehen auf einer Haltung, die das Suchen und Probieren, das Unterwegssein stets einschließt, aber dabei den Verführungen des Marktes trotzt.

„Ob es nun eine Landschaft oder eine Figur ist, eigentlich interessieren mich doch die Leerräume: die Wege, die die Bilder eröffnen“, sagt Weber. „Man kann jeden Punkt ,erlaufen‘, kann spazieren gehen mit den Augen, und das ist für das menschliche Auge ein Vergnügen“, betont der Maler und zeigt mit dem Finger solche Wege auf seinen Bildern. „Das ist ein Abenteuer, ein Unterwegssein.“

Und es erinnere an eine Guckkastenbühne des Theaters, ein „Theater der Mengen“ oder „Theater der Gewichte“, meint Weber. Dieses Bildertheater macht es möglich, dass Figuren auf einer Fläche räumlich hervortreten, dominierend und körperlich fühlbar werden, nicht als dokumentarische Abbilder, sondern als „erregende Begegnungen“.

Mit diesem Ansatz expressiver Malerei ist der gebürtige Schlesier 1960 vom Kunststudium in Dresden in den Norden gekommen. Nach Jahren in Wismar wandte er sich seit 1974 verstärkt der Malerei zu und orientierte sich mehr nach Rostock, wo er 1978 ein Atelier bezog. Seither gehört er zu den prägenden Figuren der Kunstszene in der Hansestadt, was diese mit der Vergabe ihres ersten Rostocker Kunstpreises 2006 würdigte.

Bestimmend für seine künstlerische Entwicklung wurde nach der deutschen Vereinigung noch mal die Bekanntschaft mit Künstlern wie den Briten Frank Auerbach und Leon Kossoff, sagt Jürgen Weber. Oder mit dem Schweizer Bildhauer Hans Josephsohn, den er 1993 in seinem Atelier besuchte. Drei herausragende Künstler, die sich nicht dem Abstrakten verschrieben, sondern als bekennende Figuristen zu eigenem Ruhm gelangten.

Und es bleibt die Suche. „Ich habe 50 Jahre lang gefragt, was eigentlich ein Bein ist“, sagt Weber. „Vielleicht habe ich nicht neu geantwortet, aber ich habe versucht, auf eigene Weise zu antworten, mit eigener Erregung.“ Apropos Beine: Es gibt da ein Tango tanzendes Paar, das den Künstler sehr beschäftigt. Man findet es als Gemälde, als Bronzeplastik mittlerer Größe. Und er will dieses Paar unbedingt noch im lebensgroßen Format fertigen, mit diesem gegeneinandergesetzten, energischen Schritt, in dem die Beine Räume eröffnen, die wiederum ihn, den Maler Weber, auf die besagten Leerräume und einen Vergleich zu Kirchenschiffen bringen. Das bleibt sehr spannend.

80 Jahre Jürgen Weber und 40 Jahre Weber in Rostock — es gibt da einiges zu feiern. Am 4. April wird das in der Societät getan, in der Ausstellung. „Und im Atrium wird dann Tango getanzt“, sagt Jochen Pfeiffer, der Vereinsvorsitzende der Societät Rostock maritim.

Weber und die Schau

Jürgen Weber wurde am 4. April 1936 im schlesischen Ohlau geboren. Als Neunjähriger kam er nach dem Krieg 1945 ins thüringische Altenburg. 1954 Beginn des Studiums der Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Dresden. Ab 1960 in Wismar, anfangs mit Mal- und Zeichenstudien in einer LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). Zunächst Lithografie und Radierung, seit 1974 verstärkte Hinwendung zur Malerei.

1978 Einrichtung eines Ateliers in Rostock. Weber wirkte als Akt-Zeichenlehrer an der Kunsthalle Rostock, später an der Kunstschule. 1999 begann die Beschäftigung mit figürlicher Plastik.

2006 Rostocker Kunstpreis. 2013 Ausstellung in der Kunsthalle Rostock.

Die Schau „Lebensbilder.

Malerei — Plastik“ läuft bis zum

5. Juni. Geöffnet Di - So, 10 - 18 Uhr.

Von Dietrich Pätzold

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