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00:10 09.03.2016

Der beste Weg, einen klitzekleinen Geburtstagskater vom Vortag zu vertreiben? Man schaut in sein E-Mail-Postfach und findet darin die Mitteilung, dass man den Kunstwettbewerb der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe gewonnen hat. „Da war ich schlagartig nüchtern“, hatte Sebastian Menzke daraufhin seiner Galeristin Kristine Hamann verraten. Diese durfte den mit 5000 Euro dotierten Siegerpreis für sein Werk „obscured“ dann auch für den aus Neubrandenburg stammenden Maler entgegennehmen, weil er zurzeit auf einer Bildungsreise in Indien unterwegs ist. Bei dem Wettbewerb unter dem Motto „Schöne, böse Bilder“ setzte er sich gegen mehr als 700 in- und ausländische Künstler durch.

„Er konnte es gar nicht fassen und hat sich wahnsinnig gefreut, als er von dem Preis erfuhr“, sagte Hamann gestern. Dabei hatte seine Galeristin den 37-Jährigen aus Neubrandenburg, der vom Sprayer zur Malerei gewechselt ist, vor vier Monaten überhaupt erst ermutigt, sich zu bewerben. Menzke hat in Wismar Produktdesign studiert und lebt inzwischen in Berlin als freischaffender Künstler. „Ich kenne ihn seit 2005, er war einer der ersten Künstler, mit denen ich meine Galerie eröffnet habe. Ich fand einfach, dass seine neue Werkreihe das Potenzial dafür hat“, erklärt sie.

Ähnlich erging es offenbar auch der Jury der Kulturstiftung. Menzkes Ölbild „obscured“ zeige eindrucksvoll einen aus Einzelteilen zusammengesetzten Kunstkörper. „Damit erweist Menzke in seiner technischen Bildherstellung den Künstlern der historischen Avantgarde seine Reverenz“, sagte Jurorin Pia Müller-Tamm, Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, bei der Preisverleihung. Die Stiftung vergibt den Kunstpreis in diesem Jahr bereits zum 39. Mal.

Für seine aktuelle Arbeit hat Menzke Fragmente von weiblichen Figuren und Schaufensterpuppen aus Bildvorlagen ausgeschnitten, aus den Schnipseln in Anlehnung an Dadaisten und Surrealisten einen Collagekörper geschaffen und diesen später in ein Ölgemälde übertragen.

Wer seine Werke verstehen will, muss jedoch bei den Anfängen ansetzen. „Die Bilder bauen alle aufeinander auf, sie wachsen quasi aus sich heraus“, hat Kristine Hamann bei ihrer Zusammenarbeit mit Menzke, der in einzelnen Werkzyklen arbeitet, beobachtet. Angefangen habe er mit Architektur- und Interieurmalerei. „Dabei hat er die Perspektiven verschoben und dem Raum einen ganz eigenen surrealen Charakter verliehen“, sagt Hamann.

Menzke beschäftige sich zudem stark mit dem Menschen und dem bedrohlichen Element in der Natur. „Im nächsten Zyklus kam die Natur dann in die Räume hinein“, so Hamann. Von Werken, bei denen schließlich nur noch die Natur im Vordergrund steht, geht der Künstler dazu über, Naturkatastrophen, wie den Atomunfall in Fukushima, zu ästhetisieren. In die Fukushima-Bilder findet schließlich auch das architektonische Element wieder Eingang, die organischen Formen wandeln sich, werden wieder zur geometrischen Malerei. Inspiriert wird der Künstler unter anderem von Reisen. In seinem Afrika-Zyklus stellt er die Ausbeutung des Schwarzen Kontinents dar. Die Farben bleiben stets dunkel und erdverbunden.

Aus dem Japan-Zyklus, bei dem Menzke zuletzt das architektonische Element verwendet, um Geishas zu abstrahieren, ist die Reihe der Preisträgerbilder entstanden, in der er an viele Inhalte vorangegangener Zyklen anknüpft, unter anderem mit der Interieurmalerei eine Brücke zurück zu den Anfängen schlägt. „Auch wenn sich die Bilder weiterentwickeln, sie tragen alle die unverkennbare Menzke-Handschrift“, sagt Hamann. „Und die ist gekennzeichnet von einer Ambivalenz zwischen Ästhetik, Schönheit und Sinnlichkeit und einer allgegenwärtigen Bedrohung.“

Von Stefanie Büssing

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