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Mit Ukulelen und Brönner im Regen

Göhren-Lebbin Mit Ukulelen und Brönner im Regen

Open Air der Festspiele MV in Göhren-Lebbin gibt sich very british und verdammt sympathisch

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Till Brönner (Trompete) und Peter Fessler (Gitarre) spielen Bossa Nova im Schlosspark Fleesensee in Göhren-Lebbin.

Quelle: Foto: Geert Maciejewski

Göhren-Lebbin. Nein, ganz und gar nicht. So wird kein Schuh draus. Ein Besucher des Open Airs im Schlosspark Fleesensee Göhren-Lebbin meinte zur Pause, das sei eine starke Vorband. The Ukulele Orchestra of Great Britain. Es ist aber wohl eher so, dass man erst mal einen Künstler finden muss, der den Schneid hat, nach dem Auftritt dieser sechs außergewöhnlichen Gentlemen und dieser einen außergewöhnlichen Lady mit den sieben außergewöhnlichen Instrumenten die Bühne zu betreten.

Festspiel-Konzerte

28. 6.: „Klangspuren – 500 Jahre Reformation“ mit den Vokalensembles armacord und calmus, Stadtkirche Sternberg (19.30 Uhr).

29. 6.: „Götz Alsmann . . . in Rom“, Lokschuppen Pasewalk (19.30); (Konzert am 28.6. in Rostock ausverkauft, Restkarten für die Aftershow-Party bei Aida).

Tickets: OZ-Service-Center, shop.ostsee-zeitung.de oder ☎ 0381/383030 17

Till Brönner (46) hatte den Mumm mit seinem Show-Orchester nach einer anderthalbstündigen, äußerst unterhaltsamen und sehr britischen Show im schönsten norddeutschen Sommer. „Oh, Regen“, rief Peter Brooke-Turner ins 3000-köpfige Publikum vor dem Schloss. „Danke, dass Sie uns mit britischem Wetter begrüßen. It’s a great pleasure!“ Stimmt, und hier im Norden gilt Regen erst nervig, wenn die Blasinstrumente volllaufen, und Wind erst als Wind, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.

Mit einer solchen Einstellung, der einen oder anderen Regenpelerine und einem Weinchen in der Hand lässt sich das prächtig aushalten, was diese filigran hochveranlagten Musiker auf ihren Miniaturinstrumenten hawaiianischer Herkunft so in die Lüfte zaubern („Wir machen nicht so Musik für die ruhigen Momente. Wir sind weniger Valentino, mehr Tarantino.“).

Es beginnt mit dem kleinen Song des US-Eilands „On The Beach“ und macht einen launigen Spaziergang durch die Geschichte der Popmusik. „Born to be wild“ (Steppenwolf), „Le Freak“ (Chic), „Slave to the rhythm“ (Grace Jones), „Teenage Dirtbag“ (Wheatus) oder „Happy“ (Pharrell Williams) – das alles lässt sich auf Ukulele prächtig präsentieren. Wer den Musikfilm „Stop Making Sense“ liebt, wird kaum gedacht haben, dass David Byrne (Talking Heads) bei „Psycho Killer“ wohl von Beginn an die Ukulele im Kopf gehabt haben muss, genauso wie Kraftwerk bei „Das Modell“. „Smells like teen spirit“ von Nirvana (1991) bezeichneten sie als einen großen amerikanischen Folksong. Begleitet wurde der Auftritt von very britischem Humor. Hester Goodman meinte zwischen sechs Männern an Zupfinstrumenten, dass das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Ukulelespielern in England ungefähr1:7 sei. Herrlich!

Das Wetter, es ließ sich zwar bitten in Göhren-Lebbin, aber es blieb gnädig. Till Brönner der tags zuvor einen Auftritt in Magdeburg wegen windschiefer Linden hatte platzen lassen müssen, machte aus dem Spaziergang durch die Popgeschichte seiner britischen Kollegen eine Welt- und Zeitreise durch den Jazz. Das Publikum war zu Gast in New Orleans, Paris, Rio de Janeiro oder auf Kuba. Brönner jonglierte mit den Perlen des Jazz im großen Showorchester – mit sieben Streichern, Gitarre, Kontrabass, zwei Schlagzeugern, Percussion, Klavier, Keyboard, Trompeten, Posaunen, Saxophonen – von den 20er-Jahren über die Filmmusiken der 60er bis hin zum Cool Jazz und dem Hit seines Stargasts Peter Fessler „New York, Rio, Tokio“ (2005), der zudem einen Ausflug in die Bossa Nova mitbrachte.

Brönner erzählte wie gewohnt zwischen seinen Musikanteilen launige Geschichten aus seinem Leben als Musiker und der Geschichte des Jazz – unterfüttert mit hübschen Anekdoten. Mit Musik, die nicht zu übertreffen ist – von Ray Nobles „Cherokee“ (1938), Johnny Mercers und Michelle Legrands „Once upon a summertime“ (1956), Antônio Jobims „Girl From Ipanema“ (1963), Charly Parker, Glenn Miller, Miles Davis – ein großer Abend für großes Orchester, leichte Geste und gute Laune.

Michael Meyer

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