Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Mit Worten die Hoffnung für Syrien bewahren

Rostock Mit Worten die Hoffnung für Syrien bewahren

Die syrische Schriftstellerin Rosa Yassin Hassan kam mit der deutschen Journalistin und Übersetzerin Larissa Bender ins Literaturhaus Rostock

Voriger Artikel
Städel-Direktor Hollein wechselt nach San Francisco
Nächster Artikel
Peter Handke mit Preis für Europäische Literatur geehrt

Die syrische Autorin Rosa Yassin Hassan (l.) las und diskutierte — die deutsche Übersetzerin Larissa Bender moderierte.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Es war eine Veranstaltung innerhalb der Reihe„Identität und Exil“, zu der das Literaturhaus Rostock am Dienstag eingeladen hatte. Die syrische Schriftstellerin Rosa Yassin Hassan war gemeinsam mit der deutschen Journalistin und Übersetzerin Larissa Bender gekommen. Hassan wollte aus ihren Werken lesen und natürlich die Lage in Syrien diskutieren. Ein Thema, das innerhalb der Flüchtlingsproblematik in diesen Tagen und Wochen ganz Europa bewegt.

Die syrische Diktatur gehört zurzeit zu den grausamsten Regimen der Welt.“Larissa Bender, Journalistin und Übersetzerin

Es gibt drei Tabus in der arabischen Welt,

das sind Politik, Religion und Sexualität.“Rosa Yassin Hassan, Syrische Schriftstellerin

Rosa Yassin Hassan, die seit 2013 in Deutschland lebt, hat sich in Romanen wie „Wächter der Lüfte“ und „Ebenholz“ inbesondere mit der Lage der Frauen in Syrien auseinandergesetzt, damit, wie sie dort unter den herrschenden politischen Bedingungen ihren Alltag meistern. Und nicht nur das, denn: „Es gibt drei Tabus in der arabischen Welt“, sagte Rosa Yassin Hassan, „das sind Politik, Religion und Sexualität.“ In der syrischen Diktatur sind diese Zwänge besonders stark ausgeprägt, was auch dazu führt, dass viele Autoren ihre Werke im Ausland verlegen lassen, meistens im Libanon oder in Ägypten. Rosa Yassin Hassan veröffentlichte nur ihren ersten Roman im eigenen Land.

Die in Köln lebende Journalistin Larissa Bender hat Syrien oft bereist und spricht fließend Arabisch. Sie veröffentlichte bereits im Jahr 2014 die Anthologie „Innenansichten aus Syrien“, in der sie verschiedene syrische Schrifsteller vorstellte. In dem Band war auch ein Text von Rosa Yassin Hassan erschienen, die 2013 auf einer Lesereise in Deutschland geblieben war. „Wir kennen uns seit 2010“, sagt Larissa Bender. Sie übernahm an diesem Abend auch den Moderationspart, stellte die Fragen und übersetzte die Antworten von Rosa Yassin Hassan. Larissa Bender stellte auch die Formen des künstlerischen Widerstands in Syrien vor. Diese reichen von Facebook-Aktionen bis zu der Kunst im öffentlichen Raum. Dies hat zuweilen tödliche Folgen: So kamen in der Folge der Karikaturist Akram Raslan und der Dichter Ibrahim Gashoush ums Leben, das sind nur zwei Beispiele für die Opfer der syrischen Diktatur in jüngerer Zeit. Wie sich ausgewanderte Intellektuelle im Exil organisieren, wurde am vergangenen Wochenende deutlich, als sich syrische Schriftsteller in Köln erstmals zu einer Tagung versammelten.

Rosa Yassin Hassan beschwor die Macht der Worte, wenn sie zum Beispiel in Familiengeschichten die Auswirkungen der syrischen Diktatur zum Ausdruck bringt, und „die Leere der Gesellschaft“ schildert.

Dabei gab es am Anfang des Arabischen Frühlings („Arabellion“) durchaus Hoffnungen. „In den ersten zwei Jahren nach 2011 war es auch in Syrien so“, erklärte Rosa Yassin Hassan.

In der Veranstaltung im Literaturhaus dominierte die Diskussion, sie trat vor die gelesenen Texte. Denn diese Veranstaltung war kommunikativ auch für jene gedacht, die sich innerhalb der Flüchtlingshilfe engagieren. Auch syrische Flüchtlinge waren gekommen, es schloss sich eine lebhafte Dikussion an.

Und Rosa Yassin Hassan hat weiterhin Hoffnung für Syrien, sie arbeitet bereits am nächsten Projekt: Sie will die Geschichte Syriens anhand von Fotos erzählen.

Der Arabische Frühling

Als Arabischer Frühling wird die Ende 2010 begonnene Serie von Protesten, Aufständen und Revolutionen in der Arabischen Welt bezeichnet. Diese richteten sich, beginnend mit der Revolution in Tunesien, in vielen Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika gegen die dort autoritär herrschenden Regime und die politischen und sozialen Strukturen dieser Länder. Der Arabische Frühling gilt als historische Zäsur für die Region. Ursprünglich war der Begriff positiv besetzt, die Menschen erhofften sich eine Verbesserung im Hinblick auf die Menschenrechtslage in den betroffenen Ländern.

Von Thorsten Czarkowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.