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Kultur Mit dem Goldenen Schnitt die Welt erklären
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00:00 10.05.2016

Kreise, Quadrate, Dreiecke — es sind elementare geometrische Formen, denen sich der Künstler Klaus Böllhoff verschrieben hat. Elementar sind sie nicht nur für seine Kunst, sondern auch für sein Leben. Denn für den 66-Jährigen, der eigentlich Wissenschaftler werden wollte, ist die Kunst der Versuch, zu erforschen, wie Leben und Welt funktionieren. In diesem Jahr hat er sein neues „Atelier 16“ in Klempenow bezogen. Bis zum 22. Mai zeigt er dort gemeinsam mit den Künstlern Birgit Fechner und David Mackereth die Eröffnungsausstellung „ICH und DU und ER SIE ES ... + 1 ... macht: WIR“.

Liebevoll hat Böllhoff die alte Fabrikhalle, in der zuletzt ein Baumarkt untergebracht war, gestaltet. Mit Blick auf die Burg Klempenow ist ein Atelier mit Lager, Werkstatt, Ausstellungsraum und privatem Rückzugsort entstanden. Aber Böllhoff wäre eben nicht Böllhoff, wenn dies nicht ohne höhere Mathematik abgegangen wäre. „Ich habe Wände aus Gipskarton eingezogen, beim Grundriss kam mir der Goldene Schnitt zu Hilfe“, erklärt er. Jenes komplizierte Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderen Größe, das viele Menschen kaum zu erklären vermögen, verarbeitet der Künstler nicht nur bei der Raumgestaltung, sondern auch in seinen neuen Werken. Und die scheinen ihm im neuen Ambiente leicht von der Hand zu gehen. „Nach 15 Jahren Prora ist das hier wie Freigang“, sagt Böllhoff. Im ehemaligen KdF-Bad auf Rügen, wo er 15 Jahre lang sein Atelier „Proradies“ betrieben und schließlich die Kündigung erhalten hatte, habe er zuletzt im „Verdorbenen“ gearbeitet. „Dort ging es viel um Geldmacherei, das Klima war geprägt von Konkurrenz und Abschottung. Hier fühle ich mich willkommen, hier geht mir das Herz auf“, sagt er.

Entdeckt hatte Böllhoff das beschauliche Örtchen zwischen Greifswald und Neubrandenburg schon vor 25 Jahren auf dem Weg von Berlin nach Stralsund. „Ich habe von Weitem die Turmspitze gesehen und einfach angehalten. Es war sofort Liebe auf den ersten Blick“, erinnert er sich. Seitdem sei er oft dort gewesen. Mit der „Vertreibung aus dem Proradies“, wie Böllhoff es nennt, scheint sich in Klempenow für den Künstler nun nicht nur geometrisch ein weiterer Kreis zu schließen. „Trotzdem habe ich sieben Anläufe gebraucht, bis ich mich entschieden habe“, sagt er. Das Problem: ein baufälliges Gebäude und wenig Geld. „Letztlich waren die Konditionen, dass ich alles selbst mache und eine günstige Miete zahle, dann ging alles ganz schnell.“

Die positive Atmosphäre scheint sich auch in Böllhoffs Kreativität niederzuschlagen — acht neue Bilder sind in der ländlichen Idylle bereits entstanden. „Eins davon in vier Varianten“, sagt Böllhoff.

Nach wie vor finden sich in ihnen die klassischen Böllhofschen Elemente wie Quadrat, Dreieck und Kreis. „Elementare Formen interessieren mich nach wie vor“, sagt er. Dazugekommen ist eine weitere geometrische Form: die Spirale. „Sie entsteht schließlich auch aus einer unendlichen Reihung von Quadraten“, sagt Böllhoff, der auch den Goldenen Schnitt neuerdings in seine Arbeiten einbaut. „Mit dem Thema habe ich schon immer rumgemacht, darauf konzentriert habe ich mich aber erst hier.“

Begonnen hatte der in Oberhausen geborene Künstler 1968 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin mit konkreter Malerei, zu der er inzwischen zurückgefunden hat. Dazwischen liegt ein bewegtes Leben, in dem sich Böllhoff an den verschiedensten Dingen ausprobiert hat — unter anderem im Trickfilmbereich, als Herausgeber eines Comic-Magazins, in experimenteller Kunst, bei offenen Kunstaktionen an verschiedenen Orten oder dem Bemalen von mehr als zwölf Meter hohen Segeln des Schoners „Fridtjof Nansen“ — von denen eins in der aktuellen Ausstellung zu sehen ist.

Allein ist Böllhoff auch in Klempenow nicht. In seinem Atelier haben auch der 82-Jährige Brite Mic und der Maler Jochen Kuschel Platz gefunden, mit denen Böllhoff bereits in Prora in einer Art Künstler-WG lebte. Während der Ausstellung werden zeitweise auch der britische Künstler David Mackereth und die Berlinerin Birgit Fechner vor Ort arbeiten. Von Mackereth sind Fotos zu sehen, die teilweise übermalt oder mit Collagetechnik gestaltet wurden. „Birgit zerfetzt Blumen“, sagt Böllhoff. „Sie ist die Meisterin im kreativen Zerstören.“

Weiteres kreatives Potenzial ist in Klempenow immer gefragt: „Es wäre schön, wenn noch Künstler dazukommen“, so Böllhoff.

Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 22. Mai täglich von 11 bis 18 Uhr.

Von Stefanie Büssing

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