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Mit dem Heath Quartet Beethoven auf der Spur

Schwiessel Mit dem Heath Quartet Beethoven auf der Spur

Festspiele MV versuchen auf Schloss Schwiessel neues Format

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Oliver Heath, Sara Wolstenholme (beide Violine), Gary Pomeroy (Viola) und Chris Murray (Cello/v.l.) vom Heath Quartet auf Schloss Schwiessel.

Quelle: Foto: Fmv

Schwiessel. „Wer mehr weiß, hört besser“, hatte Markus Fein, der Intendant der Festspiele MV, einst als Devise ausgegeben. Und seitdem versuchen die Festspiele unermüdlich, immer neue symbiotische Veranstaltungstypen zu erfinden, in denen die klassische Konzertsituation, die Distanz zwischen der Musik, den Künstlern und dem Publikum aufgebrochen wird und neue Erlebnisqualitäten entstehen. Die neueste Erfindung dieser Art, die zweitägige Serie „Fokus Beethoven“, fand Mittwoch und Donnerstag auf Schloss Schwiessel statt im Dreieck zwischen Laage, Güstrow und Teterow.

Vier Stars hatte dieser Fokus, natürlich Beethoven, dann die Musiker, das englische Heath Quartet, ein Streichquartett, das schon 2012 den Ensemblepreis der Festspiele erhalten hatte, die Violinistin Veronika Eberle (28), langjähriges Mitglied der „Festspielfamilie“, ihren Klavierbegleiter William Youn (34) und Prof. Dr. Christoph Stölzl (73), Kulturhistoriker, Präsident der Weimarer Musikhochschule.

Seine Mitwirkung gab den Tagen den Untertitel „Seminar & Konzert“. In der Tat, es war zwar kein Seminar, sondern eher akademische „Vorlesungen“, mit einem Touch solider und fasslicher Gelehrsamkeit.

Mit seinem imponierenden Wissen, das ausgebreitet sein will, führte er in drei „Spaziergängen“ pro Tag, assoziativ und mäandernd, in die weiten geistes- und kulturgeschichtlichen Horizonte ein, die Beethovens Persönlichkeit und Musik beleuchteten – und zum Schluss begleitete er den Volkslieder-Gesang der „Seminaristen“ auf der Gitarre. Das war, schon als Arbeitsleistung, beeindruckend, hochinformativ und geistig anregend, weil es jenseits des üblichen Infotainments lag.

Nur lag auf diese Weise der reine Wortanteil wohl zu hoch (im Verhältnis zur Musik 3:1) und wurde nur aufgefangen durch die jeweils dritte tägliche Veranstaltung, ein Gespräch Stölzls mit den ausführenden Künstlern, in dem etwa Veronika Eberle das interessante Bekenntnis ablegte: „Musikmachen nur um der Musik willen, ist zu wenig“. Das Gespräch mit dem Heath Quartet wurde leider zu einem mittleren Desaster, weil Stölzl nicht kontrollieren konnte, in welcher Sprache, ob in Englisch oder Deutsch, er es führen wollte.

Letztlich waren die abendlichen Konzerte die Höhepunkte an geistig-sinnlicher Erlebniskraft. Das Heath Quartet spielte in eigenständiger, reifer Gestaltungskraft zwei Beethoven-Quartette, die frühe Nr. 3 aus op. 18 und die Nr. 1 aus den „Rasumowski-Quartetten“, diese mit einer schier atemberaubenden, durchgestalteten Ausdrucksvielfalt – und es hatte in einer kühnen Geste Bartóks 2.

Streichquartett in einer aufreißenden Interpretation vorangestellt. Veronika Eberle und William Youn musizierten die fast ungebärdige Violinsonate Nr. 8 G-Dur, ersetzten eine vorgesehene Bartók-Sonate (schade!) durch die aufblühende betörende Melodik der „Frühlingssonate“ und schlossen mit Beethovens letzter Violinsonate, aus der Eberle mit ihrer fragilen Zartheit, ihrem geisterhaften Piano und ihrem neuen Mut zu scharfen Kontrastierungen, ja zu verstörenden Schroffheiten ein Zeugnis entstiegener Einsamkeit machte.

Fortsetzung? Ja, unbedingt – aber nicht so weitermachen.

Die nächsten Konzerte

24.Juni: Göhren-Lebbin, Schlosspark Open Air in Fleesensee mit Till Brönner und The Ukulele Orchestra of Great Britain (18 Uhr).

25.Juni: Weltstars in Redefin mit den Berliner Philharmonikern und Gustavo Dudamel (Picknick ab 11 Uhr, Pferdeshow 14 Uhr, Konzert 16 Uhr).

28.Juni: Stadtkirche Sternberg, Klangspuren zu 500 Jahre Reformation mit Vokalensemble armacord (19.30).

29. Juni: Lokschuppen Pasewalk, „Götz Alsmann . . . in Rom“ (19.30)

Tickets erhältlich in Ihrem OZ-Service-Center, unter shop.ostsee-zeitung.de oder unter 0381/38303017.

Heinz-Jürgen Staszak

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