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Kultur Mit heißer Lust auf Liebe und Theaterspiel
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00:01 25.07.2016
Die spanische Kurtisane Octavia (Lola M. Wittstamm) ist dem Charme von Ritter Luzmán (Doga Gürer) erlegen. Quelle: Thomas Häntzschel/nordlicht

Luzmán reimt sich auf Don Juan, ist aber doch ein etwas anderer Typ. Plebejischer und noch dreister ergaunert er sich seinen Vorteil in Frauenbetten und in materiellen Dingen. Das Treiben des furiosen Glücksritters kann man jetzt in einem tollen Spektakel betrachten – und sollte es nicht versäumen: Als Sommertheater hat sich das zweite Schauspiel-Studienjahr der Rostocker Hochschule für Musik und Theater die Komödie „Der Ritter vom Mirakel“ des Spaniers Lope de Vega (1562-1635) vorgenommen. In der Regie von Markus Wünsch machten sie daraus eine turbulente, vor Lebens- und Spielfreude strotzende Burleske.

Zwar geht es in der Liebes-, Intrigen- und Ehebruchskomödie zwischen Abenteurern, Kurtisanen, altersgeiler Oberschicht und ebenfalls verliebten Dienstboten „nur“ um Privataffären, aber die sind auf so raffinierte Weise zu einem Netz gegenseitiger Begehrlichkeiten, Lügen, Tricksereien und Abhängigkeiten verwoben, dass der ganze lustige Reigen im flotten Verwirrspiel durch alle sozialen Schichten geht und beiläufig ein fröhliches Gesellschaftspanorama mitliefert.

Das alte Stück des „Alleinherrschers der Bühne“, wie Cervantes einst Lope de Vega in Würdigung von dessen rund 1500 Theaterstücken nannte, haben die Rostocker Studenten kräftig bearbeitet: 18 Rollen auf zehn verdichtet, sozial relevantes Vokabular der Gegenwart eingestreut, mit Sätzen des alten Meisters zur Theaterpoetik und mit heutigen Kunstansichten gewürzt, auch Modernes über Geschlechterrollen eingebaut. So wird aus der alten Geschichte eine ganz erfrischende.

Und wie sie auf ihrer kargen Bühne (vor ein paar Brettern) spielen! Temporeich, kräftig und voller Lust chargierend, in ihrem ironischen Deklamieren regelrecht aufblühend. Wenn Luzmán (Doga Gürer) wiederkehrende Kompliment-Tiraden als kühl kalkuliertes Routine-Feuerwerk abspult und seine Geliebte Octavia (Lola M. Wittstamm) sich dazu im verzückten Orgasmus am Boden wälzt, da bleibt kein Zwerchfell ruhig. Ganz anders, aber jeweils amüsant, reagieren die französische Kurtisane Beatrice, die den Charme ihres französischen Akzents bis zur Grenze des Lächerlichen treibt (Johanna Reinders, mit kichernden Luftsprüngen) oder die reiche Bürgersgattin Isabella, die zunächst mit abgeklärter Coolness standhält, bevor auch sie umfällt (Lia J. von Blarer).

Aber auch alle anderen im zehnköpfigen Ensemble tragen heftig zum Gesamterfolg bei. Und die Idee, dem Mirakel-Ritter eine weibliche und noch dazu in den Herrn Luzman verliebte Dienerin Maria mitzugeben, was Sarah Zelt mit starker und rührender Präsenz gestaltet, ist ein schönes Tupfer in einer rundum gelungenen Produktion. Weitere Termine: 25. und 26. Juli,

jeweils 21 Uhr, HMT-Innenhof, Rostock. Danach Tournee im deutschsprachigen Raum bis Basel.

Dietrich Pätzold

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