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Kultur Mit ihr stirbt ein großes Stück DDR-Filmgeschichte
Nachrichten Kultur Mit ihr stirbt ein großes Stück DDR-Filmgeschichte
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00:01 20.03.2017
Leipzig

Ingeborg Krabbe war ein Energiebündel und eine Kämpferin. Am Freitag hat nun der Krebs die 85-Jährige besiegt. Die nur 160 Zentimeter große, wunderbare Volksschauspielerin mit den blauen Augen bezauberte mehr als sechs Jahrzehnte ihr Publikum. Mit ihren über 300 Rollen bei der Defa ( „Geliebte weiße Maus“, „Tecumseh“ und viele andere) und vor allem im Fernsehen war sie in der DDR ein Publikumsliebling.

Ingeborg Krabbe in der Komödie „Ach, du lieber Geist“ im Theater am Kurfürstendamm. Quelle: Foto: Imago/scherf
Rentner haben niemals Zeit – Ingeborg Krabbe in einer Szene mit Herbert Köfer Quelle: Foto: Agentur
Ingeborg Krabbe mit Partner Kurt Müller im Strandkorb beim Musical „Heißer Sommer“. Quelle: Foto: Imago

Ihr Kollege Herbert Köfer reagierte am Sonnabend bestürzt auf die Nachricht vom Tod seiner langjährigen Gefährtin. „Ich hatte keine Ahnung, wie es ihr geht. Ich kann im Augenblick nicht erklären, wie mir zumute ist. Ich kann es immer noch nicht begreifen“, sagte er dem MDR. Die beiden haben nicht nur „In aller Freundschaft“ zusammengespielt. Sie waren auch jahrelang auf Tournee mit dem Stück „Rentner haben niemals Zeit.“ Sie hätten Tausende von Schwänken gespielt, Silvestersendungen gemacht, so Köfer. „Sie war immer lustig. Immer jemand, der die schwierigsten Situationen gemeistert hat.

Eine große Kollegin, eine Freundin, ein Mensch, an den ich immer denken werde.“

Ihre ersten Schritte ins Schauspielerleben machte sie 1951 noch an den Städtischen Bühnen ihrer Geburtstadt – und hob dort 1954 das Kabarett „Leipziger Pfeffermühle“ mit aus der Taufe, ehe sie nach Berlin ging. Einem großen Publikum bekannt wurde sie dann durch ihre Film- und Fernsehrollen in „Die Abenteuer des Werner Holt“, im „Polizeiruf 110“ und in „Der Staatsanwalt hat das Wort“. Ihre Auftritte in den Schwänken um den Ur-Berliner „Maxe Baumann“ Ende der 70er Jahre oder 1984 als eine der „Drei reizenden Schwestern“ machten sie legendär. Zuletzt war sie in Fernsehserien wie „Pfarrer Braun“ und „Der Bulle von Tölz“ zu erleben.

Noch vor ein paar Jahren begeisterte Ingeborg Krabbe im Berliner Schloßpark-Theater über Wochen als etwas schrullige Margrit Wilberforth in „Ladykillers“, die die Bankräuber überlistet. Zwischendurch gastierte sie zwischen Ostsee – zuletzt unter anderem in Bansin, Lubmin, Binz oder Wismar – und Thüringer Wald sowie in der Theaterfabrik Sachsen in Leipzig im Tournee-Stück „Rentner haben niemals Zeit“. Mit Herbert Köfer als Partner spielte sie auch im Vorjahr ihre letzte Fernsehrolle. In einer Folge von „In aller Freundschaft“ agierten beide als altes Ehepaar, dessen Suizid misslungen war.

Obwohl Bühne und Bildschirm für die Künstlerin, die fast bis zuletzt aktiv war, Lebenselixier bedeuteten, war sie auch ein Familienmensch. 30 Jahre lang – von 1954 bis 1984 – war sie mit dem Buchlektor Eberhard Simmich verheiratet. Aus dieser Ehe stammen ihre beiden Töchter.

2010 heiratete Ingeborg Krabbe erneut; ihren langjährigen Lebensgefährten Kurt Müller. Herzensgern rackerte sie bis ins hohe Alter in ihrem Garten in Berlin-Pankow – wenn sie nicht gerade auf der Bühne stand oder sich um ihre Familie kümmerte. Neben ihrem Mann, zwei Töchtern, einem Dutzend Enkeln und Urenkeln trauert das Publikum um eine wunderbare Schauspielerin.

Mit 76 Jahren auch noch ein Musical-Star

Ingeborg Krabbe gab mit 76 Jahren in „Ich war noch niemals in New York“ in Hamburg sogar ihr Debüt als Darstellerin in einem Musical und sang zudem den Udo-Jürgens-Titel-Hit. „Das Engagement wäre noch weiter gegangen, wenn ich gewollt hätte“, sagte sie. „Aber wenn man en suite beschäftigt ist, muss man andere Angebote ablehnen. Und wenn man immer Nein sagt, ist man ganz schnell weg vom Fenster." Dennoch sei die Erfahrung für sie überwältigend gewesen, „weil es ein wirklich internationales Ensemble war".

Rolf Richter

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