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Kultur Mit versteckter Kamera hinter den Kulissen der Pelzmafia
Nachrichten Kultur Mit versteckter Kamera hinter den Kulissen der Pelzmafia
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00:00 10.10.2015
Auf Spurensuche im Bayerischen Wald: Der Ludwigshafener TV-Tatort-Kommissar Andreas Hoppe ermittelt gegen Wilderer. Quelle: Fotos: Br

Ostsee Zeitung: Sie dokumentieren mit Ihren Filmen Missstände, wie den Walfang im Südpolarmeer oder die Wilderei von Luchsen im Bayerischen Wald. Warum liegen Ihnen diese Themen am Herzen?

Angela Graas: Mit meiner Arbeit möchte ich die Welt ein kleines bisschen verändern. Wenn man so einen Job macht, geht es nicht nur darum, Geld zu verdienen. Es ist auch sehr viel Idealismus dabei.

OZ: In „Tatort Luchswald“ ermittelt Andreas Hoppe, bekannt als Ludwigshafener Tatort-Kommissar, die Hintergründe zu einem realen Verbrechen im Bayerischen Wald.

Graas: Ja, dort werden immer wieder streng geschützte Luchse von Jägern getötet. Obwohl man das weiß, wurden die Fälle nie geklärt.

OZ: Wie kamen Sie auf die Idee, einen wahren Fall zu nehmen und sich mit der Kamera auf die Suche nach Antworten zu machen?

Graas: Ich bin Dokumentarfilmerin, bei mir ist alles wahr. Wir wollten die Geschichte wie einen Tatort erzählen. Weil Andreas Hoppe im Fernsehen Kommissar ist und in der Realität engagierter Naturschützer, war er genau der Richtige dafür.

OZ: Haben Sie erst recherchiert und dann alles mit der Kamera nachgestellt?

Graas: Nein, das meiste ist tatsächlich so passiert. Es gab nur wenige Situationen vor Ort, bei denen wir die Kamera nicht dabei hatten. Wir haben dann versucht, diese so echt wie möglich nachzustellen.

OZ: Im Film merkt man, dass Ihnen nicht alle wohlwollend entgegengetreten sind.

Graas: Uns wurden viele Steine in den Weg gelegt. Interviewanfragen wurden einfach abgeschmettert, wir wurden über Monate hingehalten und bekamen immer wieder Absagen. Morddrohungen habe ich aber nicht bekommen.

OZ: Gab es gefährliche Situationen?

Graas: Ja, auf jeden Fall. Wenn man mit versteckter Kamera bei der Pelzmafia dreht, fragt man sich schon, was passiert, wenn man auffliegt.

OZ: Sie waren bei einem Präparator, der in seiner Garage getötete Luchse hortet.

Graas: Ja, wir waren als Kaufinteressenten getarnt. Das war schon ein komisches Gefühl, weil ich nicht wusste, was passiert.

OZ: Wie sind Sie auf die Spur des Präparators gekommen?

Graas: Über einen anonymen Fahnder, der Kontakt zu uns aufgenommen hat und uns gesagt hat, wo wir hinmüssen.

OZ: Eine Mauer des Schweigens, spornt Sie das an?

Graas: Ja, weil ich merke, es liegt etwas im Argen. Je mehr die Leute sich weigern zu reden, desto wahrscheinlicher haben sie etwas zu verbergen.

OZ: Konnten Sie mit Ihren Filmen schon etwas verändern?

Graas: Das ist natürlich unser Ziel. Und steter Tropfen höhlt den Stein. Wir werden eine Fortsetzung von dem Luchsfilm machen, weil es inzwischen neue Fälle gibt. Wir wollen möglichst viel Druck aufbauen, damit sich etwas ändert.

OZ: Der Film zeigt, dass es Ängste in der Bevölkerung gibt. Ist die Wiederansiedlung der großen Beutegreifer, sprich Luchs, Wolf und Bär in Deutschland machbar?

Graas: Ich hätte kein Problem damit, meine Tochter im Wald spielen zu lassen, wenn hier Luchse wären, weil die relativ scheu sind. Bei Wölfen und Bären ist es eine andere Sache. In Deutschland liegen die Räume von Mensch und Tier sehr eng beieinander. Deswegen wird es immer wieder Konflikte geben.

OZ: In Niedersachsen wurde im Februar ein Wolf vor einem Waldkindergarten gesehen.

Graas: Kinder passen ins Beute-Schema. Sie sind klein und rennen. Das macht die Raubtiere anfällig. Für ein friedliches Nebeneinander wäre es sinnvoll, Konzepte zu entwickeln. Auch wenn es die Menschen einschränkt. Aber ich komme gerade aus Afrika. Da muss man auch auf Löwen aufpassen. Es gibt dann einfach gewisse Regeln, die man einhalten muss.

Dokumentarfilmerin Angela Graas
Angela Graas absolvierte nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaften und Ethnologie ein Gasthörerstudium Dokumentarfilm an der HFF München. Graas ist 44 Jahre alt und lebt in Herrsching am Ammersee.

Für die ARD und Arte entstanden diverse preisgekrönte Dokumentar- und Naturfilme, darunter „Luchswege“, „Terror im Reich der Orcas“, „Die Tränen des Geparden“ und der Kino-Dokumentarfilm „Jagdzeit“.
Das Darßer Naturfilm-Festival findet noch bis morgen an diversen
Orten statt. Höhepunkt ist die Ver-
leihung des Deutschen Naturfilm-
preises, der heute um 20 Uhr in der Darßer Arche Wieck vergeben wird. Zur Auswahl stehen insgesamt 14 Filme, darunter „Tatort Luchswald“.



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