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Mit viel Fingerspitzengefühl im Piano-Paradies

Rostock Mit viel Fingerspitzengefühl im Piano-Paradies

Klaus Kreutzer betreibt seit 2001 das Piano Centrum Rostock / Hier wird beraten, verkauft, repariert und verliehen

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Vor einem zerlegten Klavier: Klaus Kreutzer in seiner Werkstatt in Rostock.

Quelle: Thorsten Czarkowski

Rostock. „Ein Klavier besteht aus rund 9000 Teilen“, sagt Klaus Kreutzer. Vieles davon kann man in seiner Werkstatt sehen, wenn ein Instrument in seiner zerlegten Form vorliegt. Seit rund 300 Jahren gibt es das Klavier in der jetzigen Form, über die letzten Jahrhunderte hinweg immer weiter technisch vervollkommnet. Ein Klavier ist eben ein hochkomplexes Gebilde.

Kultur im

OZ-Studio

mit

Klaus Kreutzer

Und entsprechend hoch ist der Wartungs- und Reparaturbedarf. Im Piano Centrum Rostock, das Klaus Kreutzer seit 2001 betreibt, wird beraten, verkauft und repariert. Und manchmal werden Instrumente verliehen, für Veranstaltungen im Barocksaal zum Beispiel. Zu den hier betreuten Künstlern gehören unter anderen Ragna Schirmer, Alfred Brendel und Jewgeni Kissin.

Klaus Kreutzer, Jahrgang 1971, betreibt das Piano Centrum Rostock, ein weiterer Centrum-Standort ist in Leipzig. Zusammengenommen sind an beiden Orten acht Mitarbeiter zu finden. Die Dimensionen in Rostock: Hier stehen auf 200 Quadratmetern über 60 Klaviere, die auch sofort verfügbar sind. „Dazu kommen noch 40 Digitalpianos“, sagt Klaus Kreutzer über sein Angebot. „Die gibt‘s ab 500 Euro.“ Nach oben sind bei Pianos preislich die Grenzen praktisch offen. Für einen mittleren vierstelligen Eurobetrag gibt es ein ordentliches Klavier aus europäischer Produktion.

Klaus Kreutzer kennt sich bestens aus mit den Pianoherstellern aus aller Welt, mit ihren Firmengeschichten, mit Herstellungsprozessen und dazugehörigen Produktqualitäten. Das geht bis in die Einzelheiten: wo im Klavier Zug- oder Druckkräfte wirken, welche technischen Gesetzmäßigkeiten im Klavierbau zu beachten sind. Dazu gehört auch bisschen Werkstoffkunde. Und schließlich, um dem Piano wieder einen perfekten Klang zu verleihen, ein gutes Gehör.

Alles zusammen wird wichtig, wenn Klaviere zur Aufarbeitung oder zur Restaurierung zerlegt werden. Denn am hinteren Ende ist das Piano Centrum Rostock eine richtige Werkstatt. „Ein altes Klavier ist mit einem Oldtimer vergleichbar“, meint Klaus Kreutzer über die Restaurierungsarbeit. Damit am Ende alles an der richtigen Stelle sitzt, bestens funktioniert und auch noch gut aussieht, braucht es nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, auch viel Fingerspitzengefühl. Und ein bisschen Liebe.

Ende der Achtziger erlernte Klaus Kreutzer den Beruf des Handzugsinstrumentenmachers, später legte er eine Ausbildung als Klavier- und Cembalobauer nach. Danach studierte er noch Jura. „Seit 15 Jahren gibt es uns jetzt in Rostock“, sagt Kreutzer über das Piano Centrum. Heute wirkt er nicht nur glücklich in seinem Piano-Paradies, grundsätzlich in seinem Beruf. Oft ist beim Kauf Beratung vonnöten. „Wenn zum Beispiel Eltern kommen, um ein erstes Klavier für ihr Kind zu kaufen, sagen sie manchmal: Na ja, ein billiges Instrument reicht erst mal, mal sehen, ob überhaupt Interesse am Klavierspiel da ist“, schildert Kreutzer ein Beratungsgespräch. „Ich sage dann: Das wäre so, als wenn Sie Ihr Kind erst mal mit Sandalen Fußball spielen lassen, aber sagen: In zwei Jahren gibt‘s vielleicht richtige Fußballschuhe.“ Andererseits: „Der Trend geht auch dahin, ein solides Instrument für die ganze Familie zu kaufen, das dann auch hundert Jahre lang hält“, sagt Kreutzer. Sein Anekdotenschatz reicht bis zu einem Kunden, der zwar kein Klavier spielen konnte, sich aber einen Flügel für 80000 Euro kaufte, aus reiner Liebhaberei und ein bisschen auch als Wertanlage.

Manchmal sitzt Klaus Kreutzer auch in der Freizeit am Klavier. „Dann spiele ich mit einer von meinen drei Töchtern vierhändig.“ Musikalische Vorlieben? „Bach ist meine Faszination“, sagt Kreutzer.

„Früher mochte ich den gar nicht, heute weiß ich: Das hört sich alles einfach an, ist aber sehr schwer.“

Klavierbaumeister im Kulturtalk

Zum Kulturtalk ins OZ-Studio lädt OZ-Chefredakteur An-

dreas Ebel am Donnerstag, dem 19. Mai. Zu Gast ist diesmal Klaus Kreutzer vom Piano Centrum Rostock. Ab 19.30 Uhr

erzählt Kreutzer über seine Arbeit, gewürzt mit zahlreichen Anekdoten. An seiner Seite hat Klaus Kreutzer zur musika-

lischen Begleitung seinen Lieblingspianisten Robert De Lux.

Tickets für 8 Euro (mit Abo-Karte 5 Euro) inkl. Begrüßungsgetränk im OZ-Service-Center, unter shop.ostsee-zeitung.de und Telefon 0381/38 30 30 17.

Von Thorsten Czarkowski

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