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Moderne Keuschheitsgürtel?

Frankfurt/Main Moderne Keuschheitsgürtel?

Liebesschloss-Aktion einer Frankfurter Künstlergruppe spaltet die Gemüter

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Ausdruck kleinbürgerlicher Ästhetik? Liebesschlösser hängen am Eisernen Steg in Frankfurt am Main

Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Frankfurt/Main. . Sind Liebesschlösser an Brückengeländern romantisch oder reaktionär? Seit der Aktion einer Künstlergruppe wird in den sozialen Medien heftig darüber gestritten. Die „Frankfurter Hauptschule“ hat dazu aufgerufen, möglichst viele eiserne Symbole für vermeintlich ewige Beziehungen in einer Galerie abzugeben. Bereits am ersten Tag seien mehrere hundert Schlösser eingetroffen, sagte Nicholas Warburg, ein Mitglied der Gruppe.

Ein „Anzugträger“ sei mit einem Jutebeutel voller Schlösser vorbeigekommen, einige seien sichtbar abgetrennt worden, andere neu gewesen. „Woher die Leute die haben, können wir nicht wissen“, sagt er.

Für jedes Schloss zahlt die „Hauptschule“ einen Euro Belohnung – maximal 30 Schlösser würden vergütet, finanziert aus Spenden.

Die Liebesschlösser seien „moderne Keuschheitsgürtel“, der Kult um die Brückenschlösser „ein Anschlag kleinbürgerlicher Ästhetik“, finden die „Hauptschüler“. Die Aktion sei „ein Zeichen des Protests gegen die öffentliche Zurschaustellung patriarchaler Besitzansprüche in Zweierbeziehungen“.„Endlich! Diese Aktion spricht mir aus der Seele“, kommentierte ein User auf Facebook, „so ein Schwachsinn“

schreibt ein anderer.

In Kürze wollen die Künstler die Schlösser einschmelzen und zu einer Skulptur gießen. Was da am Donnerstag bei der Vernissage zu sehen sein wird, wird nicht verraten, sagt Warburg. Dass darüber geredet wird, ist den „Hauptschülern“ wichtiger als das Ergebnis. „Die Medienperformance ist das Kunstwerk“, sagt Warburg.

Die Künstlergruppe war im vergangenen November in die Schlagzeilen geraten, als sie in einer Performance öffentlich Heroin spritzen wollte. Nach der Schlösser-Aktion will die „Hauptschule“

erst mal „nicht mehr so laut und knallig“ auftreten.

Christian Rupp

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