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Kultur Monodramen (4) in Stralsund: Katzenberger trifft auf Danton
Nachrichten Kultur Monodramen (4) in Stralsund: Katzenberger trifft auf Danton
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02:26 27.04.2018

Annett Kruschke wusste zu provozieren, wachzurütteln und die Zuschauer zu begeistern. Was am Mittwoch in der Jacobikirche Stralsund gezeigt wurde, war große Schauspielkunst. Monodramen (4) hatte Premiere mit zwei Stücken, die als grandiose politische Kunst die Ungerechtigkeiten dieser Welt thematisierten.

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Annett Kruschke wusste zu provozieren, wachzurütteln und die Zuschauer zu begeistern. Was am Mittwoch in der Jacobikirche Stralsund gezeigt wurde, war große Schauspielkunst.

Den Anfang machte Kruschke, die zur erfolgreichen Anfangsära der Berliner Volksbühne gehörte und nun Mitglied am Theater Vorpommern ist, mit ihrem selbst geschriebenen, inszenierten und dargestellten Monolog nach Georg Büchners Drama „Dantons Tod“. Doch Büchners Stück von 1835, das von der Schreckensherrschaft der Französischen Revolution und der Enthauptung des Revolutionsführers Danton handelt, hatte bei Kruschke nichts mehr von seiner historischen Tristesse.

Vielmehr schuf die Berlinerin einen psychologischen Appell für die Gegenwart, der vermitteln wollte: Gebrauche deinen eigenen Verstand. Sie bediente sich Büchners Werk, das die Welt in all ihrer Vielseitigkeit darstellen will, in ihrer Körperlichkeit: Kruschke stöhnte im imaginären Dialog zwischen den Revolutionsführern um Freiheit und Gleichheit „Es lebe die Revolution“. Dann säuselte sie als Daniela Katzenberger mit blonder Perücke und tief dekolletiertem Kleid von Wimpernverlängerung und Brustvergrößerung – Sinnbild für das ahnungslose Volk der Gegenwart, das nur bespaßt werden will.

Nicht weniger provozierend war das zweite Stück der gut zwei Stunden Spielzeit: „Am Ende kommt es darauf an, wer die Maschinengewehre hat“ nach Texten aus „Mitleid“ von Milo Rau, inszeniert von Pauline Beaulieu. Ein bildgewaltiges, Körper betontes Stück, indem Frederike Duggen von der globalisierten Welt als Ort der Ungerechtigkeiten erzählt. Ihr Bericht über das Elend der Syrer auf ihrer Flucht nach Europa und den Genozid in Ruanda enthält sowohl mediale als auch autobiographische Versatzstücke. Mit schwarz beschmiertem Gesicht schleppt Duggen Holzpaletten umher und rennt auf der Bühne umher. Eine Getriebene, die von der Tatsache, dass die Menschheit um Kriege und Völkermorde weiß und trotzdem nichts ändert, fast zerrissen wird. Zwei großartige Monodramen, die es sich lohnt, anzusehen!

Annemarie Bierstedt

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