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Kultur Monologe über die Liebe und den Schluck aus der Pullle
Nachrichten Kultur Monologe über die Liebe und den Schluck aus der Pullle
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00:00 06.05.2017
Stralsund

Monodramen, Klappe die Fünfte. Das Theater Vorpommern läuft mit seinem neuen Format, Schauspieler alleine einen halben Abend lang auf die Bühne zu stellen, in die Zielgerade. Zehn Stücke waren es in dieser Spielzeit. Als Finale wird es Ende des Monats im Greifswalder Theater ein Monodramen-Festival geben. Von morgens bis abends sind noch einmal fast alle Monologe zu sehen.

Am Donnerstag aber war erst einmal die letzte Premiere dieser Reihe im Gustav-Adolf-Saal in der Stralsunder Kulturkirche. Und nach aller auch dramatischer Betroffenheit um Leben und Arbeit und Abhängigkeiten und Verluste und Altwerden in dieser Reihung, ging es hier mal um das Eigentliche: die Liebe. Und wie sich rausstellt, ist der Ärger mit der Liebe so mit das Schwerste überhaupt.

Es gibt ja so Leute, da will man gar nicht so genau wissen, was die denken. Schon gar nicht eine Stunde lang. Aber die beiden Männer da auf der Bühne, die hat man dann doch schon sehr lieb gewonnen, trotz oder gerade wegen des Irrsinns, den sie in ihren monologisierenden Gehirnen wälzten. Nur dass der eine auf dieser Bühne doch eher noch ein Junge ist, in dem Stück „Rum und Wodka“ vom irischen Autoren Connor McPherson. Dennis Junge spielt da einen Anfang 20-Jährigen, der dem Publikum sozusagen die letzten drei Tage seines Lebens beichtet (Regie Arnim Beutel). In denen er sein bisheriges Leben wie eine Bombe hat hochgehen lassen.

Die Psychologie von Alkohol im Hirn: Je nach Pegel fühlt er sich wie Gott oder der größte Versager im Universum. Komasaufen als Selbstbelohnungsakt in einem zwangskonformen Leben, in dem man sich lieber das Gehirn wegschießt, als die Ohnmacht in einer viel zu früh übernommenen Verantwortung für Frau und Kinder im eigenen Häuschen auszuhalten.

Dennis Junge spielt das ganze Stück mit einem Babybett. Er sitzt drin oder drauf, baut es um und auseinander. Denn sein Absturz endet im Kinderzimmer seiner Töchter. Und das ist jetzt offensichtlich leer.

Warum das mit der Liebe immer wieder schiefgeht, darum ging es auch bei Oliver Bukowskis „Das Konzept romantischer Liebe“. Max Jakubaschk, gespielt von Ronny Winter, überlässt nichts dem Zufall. Er vermischt seine Erfahrungswerte als Liebhaber mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und versucht, aus der romantischen Liebe eine logische und gleichsam beherrschbare Rechnung zu machen. Bis er die Richtige trifft, mit der er das alles komplett in die Tonne stecken kann: Klara Jean-Shaolin Meyer. Eine richtige Bitch. Sie macht ihn fertig! Nach Strich und Faden. Ronny Winter spielt diesen Max als einen, der irgendwo hängen geblieben ist. Der von Liebe als einem Ideal träumt. So sehen auch die Klamotten auf seiner Kleiderstange aus.

Der Typ an sich ist ein Anachronismus. Und gleichzeitig ist der Text so voller derber und fröhlicher Pointen, dass man schon allein darüber vor Lachen fast vom Stuhl fällt. Aber Ronny Winter malt diese Knallcharge wie in einem Comic aus. Er baut die Figur so auf, dass man ihm die übelsten Auftritte abnimmt. Er ist in diese Nummer mit Klara Jean-Shaolin Meyer einfach so hineingerutscht. Denn dieses derbe Mädchen ist alles andere als das, was Männer sich so ausmalen, wenn sie glauben zu wissen, was Frauen so wollen. Das Ideal von romantischer Liebe ist irgendwie von Gestern.

Es ist übrigens die erste Regiearbeit von Sascha Löschner an diesem Haus. Und eine sehr sehr gute. Respekt, denn Löschner musste extrem streichen, um das lange Stück von Bukowski auf diesen halben Abend einzukürzen. Und ein Fazit: Liebe, so siehts aus, funktioniert wohl am Besten als Monolog.

Juliane Voigt

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