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Kultur Mozart früher und heute
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00:00 01.12.2016

Mozart und Mozart im Prisma des 20. Jahrhunderts, dies war der Bogen, den das 2. Sinfoniekonzert der Mecklenburgischen Staatskapelle ausspannte, mit einer runden, intensiven Leistung unter dem Gastdirigenten Marc Niemann (43), Generalmusikdirektor des Stadttheaters Bremerhaven.

Die erste Brechung war noch eher bloße Anspielung, mit der „Piccola Musica Notturna“ (1954) des Italieners Luigi Dallapiccola, mit der deutlich wurde, dass zu dieser Zeit die unschuldig-beschwingte Serenadenhaftigkeit aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ nicht mehr möglich war. Ihren streng konstruktiven zwölftönigen Duktus löste Niemann mit der genau musizierenden Staatskapelle in einer stimmungshaften Atmosphäre von kühler Poesie und geisterhafter Einsamkeit auf.

Die zweite Brechung lieferten Max Regers Mozart-Variationen op. 132 (1914), noch ein Überstand aus dem 19. Jahrhundert, Schutz vor den Zumutungen der Moderne im Port der Tradition. Niemann lüftete die schweren spätromantischen Draperien, machte die kontrapunktischen Künste durchsichtig und gab somit der Anstrengung des Werkes gleichsam ihr menschenfreundliches Maß zurück bis in die Schlussfuge, die er statt in steile Monumentalität in eine sakrale Erhabenheit tauchte.

Zum Abschluss dann das Original, mit Mozarts Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 (1788), der tiefsinnigsten seiner letzten drei großen Sinfonien, in ihrer unnachahmlichen klassischen Balance von weinendem Lächeln und lächelnden Tränen. Aber nicht diese Balance schien Niemann hier zu interessieren. Er enthusiasmierte das Orchester für ihre arbeitenden dramatischen Energien, mit straff konturiertem Klang, mit heftigen dynamischen Akzentuierungen, mit unmelancholischen Phrasierungen, mit einem spannungsvollen Durchführungsteil des ersten Satzes, das Menuetto ohne tänzerische Anmutung, sondern als auffordernde Rede, die ihre Echos noch bis ins Finale sandte. Mit solcher Entschlossenheit ließ er Mozart, fast schon das Glacis Beethovenscher Sinfonik betreten.

OZ

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