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Müder Fall, muntere Beigaben

Tatort-Blitzkritik Müder Fall, muntere Beigaben

Der Schweizer Krimi „Kleine Prinzen“ aus dem Luzern unterbricht das lineare Erzählen unnötig und wirkt nur kunstgewerblich.

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Fabienne Hadorn als Corinna Haas (von links), Mario Fuchs als Silvan Bühler, Delia Mayer als Kommissarin Liz Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger in einer Szene aus der Tatort-Folge „Kleine Prinzen“.

Quelle: Daniel Winkler/ard Degeto/srf

Rostock. Selbstjustiz schafft keine Gerechtigkeit. Diese These bleibt vom Schweizer „Tatort: Kleine Prinzen“. Doch zumindest bringt die Pistole des Opfer-Vaters Fleury am Kopf des arabischen Prinzensohns Fad für die Zuschauer die Gewissheit, dass dieser Ava, seine Mitschülerin im Elite-Internat, erschlagen hat – und warum.

Im „Tatort“ von Regisseur Markus Welter gab es allerdings eine nervtötende Beigabe: Die ständigen Rückblicke auf eine Badeszene mit dem späteren Opfer mittels Smartphone-Filmchen unterbricht das lineare Erzählen unnötig und wirkt nur kunstgewerblich. Ebenso die in der Schlussszene eingeblendete Auflösung des Falls zum erzählten Geständnis des Täters – so genau wollte man das gar nicht wissen, wie widerstandslos der große Bruder des kleinen Prinzen dessen Freundin Ava zum Sex bewegen konnte.

Die Stärken des Krimis waren eher am Rand des Falls zu finden: Da ist vor allem die Figur der Kriminaltechnikerin Corinna Haas (Fabienne Hadorn), die in ihren farbstarken Klamotten, mit ihrer spitzen Zunge und ihrem Durchmarsch zur Libido des Kollegen-Nachwuchses Silvan (Mario Fuchs) einfach Spaß macht. Da ist der hasenfüßige Kripo-Chef Eugen Mattmann (Jean-Pierre Cornu), der letztlich trotz des Drucks von oben zu seinen Untergebenen steht (ein bisschen jedenfalls). Und da ist natürlich Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) zu nennen, ein „Tatort“-Clooney mit komplizierten Beziehungsversuchen aber ohne Blick für die diesbezügliche Qualität seiner patenten Ermittler-Partnerin Liz Ritschard (Delia Mayer). Seine außerdienstlichen Affären seien „priffat“, darauf besteht Flückiger leider.

Muntere Beigaben zu einem eher müden Fall.

Ach ja, es gab es noch eine bemerkenswert komische Szene. Als die Prinzen-Brüder in ihren Operetten-Scheich-Kostümen das Luzerner Kommissariat stürmen, lacht erstaunlicherweise kein Mensch über diesen Aufzug. Es geht ja um Mord. Man würde aber doch  gerne wissen: Hat zumindst das Filmteam beim Dreh dabei den heiligen „Tatort“-Ernst weggegrinst?

Von Michael Berger

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