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Müllerin mit Kodderschnauze

Rostock Müllerin mit Kodderschnauze

Auf ihrer „Juhu“-Tour begeisterte Sängerin und TV-Talkerin Ina Müller in Rostock rund 3800 Fans

Rostock. Sie spricht aus, was viele denken, und das nicht immer leise. Als Frau würde man mit Ina Müller gern mal ein Bierchen zischen und über Männer quatschen. Die wiederum mögen neben ihrem Aussehen – auch wenn es die wenigsten zugeben – vor allem ihre Kodderschnauze. Und das, obwohl die Herren der Schöpfung manchmal verbal so richtig eins drüberkriegen. Dass die Müllerin trotzdem ein großes Herz hat und zwischendurch auch leise Töne anschlagen kann, bewies sie am Montagabend in der ausverkauften Rostocker Stadthalle vor rund 3800 Fans.

„Ich freue mich so, dass ihr da seid, aber vor allem, dass wir da sind“, sagt Ina Müller, die das Konzert am 14. Januar krankheitsbedingt absagen musste und nun zum Nachholtermin in der Hansestadt war. „Ich hatte mich schon zum Sterben hingelegt“, witzelt sie, „aber manches kommt eben anders.“ Und so legte die 1,65 Meter-Frau am Montag, „dem beschissensten Tag der Woche“, eine souveräne Show auf die Bühne, bei der sie nicht nur Lieder ihrer 2016 erschienenen CD „Ich bin die“ präsentierte, sondern bei der vor allem die Männer ihr Fett wegkriegten.

„Ich haue ja gern mit der Klatsche auf euch drauf, als würde Kasper auf das Krokodil einschlagen. Aber ihr kommt trotzdem wieder, weil euch nichts anderes einfällt, als eurer Freundin zu Weihnachten eine Karte von Ina Müller zu schenken“, frotzelt sie. Zumindest für Besucher Stefan Zühlsdorff gilt das nicht. „Meine Frau hat mir die Karte geschenkt, ich weiß aber nicht, was auf mich zukommt“, verrät der 30-Jährige aus Ribnitz-Damgarten vor dem Konzert. Wie so viele kennt er die Sängerin, Musik-Kabarettistin, Buchautorin und Fernsehmoderatorin vom NDR-Format „Inas Nacht“. „Sie ist echt, direkt und nimmt kein Blatt vor den Mund“, sagt Zühlsdorff.

Und genauso ist es: Zu Beginn sind es noch die eher harmlosen Kindheitserinnerungen mit Opa im niedersächsischen Köhlen – „geheult wurde nur, wenn das Blut spritzte oder wenn irgendwas ganz komisch abstand“ – , in denen Ina Müller schwelgt und die mit dem Lied „Fünf Schwestern“ musikalisch untermalt werden. Während des Abends arbeitet sich die Müller jedoch zusehends heikleren Themen entgegen, die von Blasenschwäche, Flatulenzen und Damenbinden bis zu 36-Stunden- Viagra reichen.

Aus dem weißen Schimmel (der Flügel, nicht der Gaul) klaubt sie diverses Sexspielzeug, um dann peitschenschwingend auf die Missstände dieser Welt hinzuweisen: „Die Papiertücherbox auf dem Zugklo ist entweder leer oder so vollgestopft, dass man keine rauskriegt, und es heißt, verdammt noch mal, nicht alles aussteigen, sondern alle.“ Sie ist nicht nur von Natur aus temperamentvoll, sondern auch erfrischend ehrlich. „Sport? Kann ich nicht machen. Ich hab keine Lust.“ Auch das Argument „Sport macht, dass ich mich nackt gut in meinem Körper fühle“, lässt sie nicht gelten. „Das macht Alkohol auch.“

Neben den Männern nimmt die 51-Jährige auch sich selbst gekonnt aufs Korn, zoomt in ihren Geschichtchen und Liedern jedes Fältchen und jede Speckfalte mikroskopisch dicht heran.

Von der fleischfarbenen, figurformenden Unterwäsche geht es ins heimische Schlafzimmer zu ihrem jung(geblieben)en Freund Johannes Oerding – immerhin ist der jetzt auch schon Mitte 30 und „altert mir in meine faltigen Hände“, so die Müller und besingt die Jungs „Mitte 20“.

Mit dem Lied „Ich bin die“ und Textzeilen wie „Mein Ego schreit, meine Art polarisiert“, . . . „Immer irgendwie zu laut“, beweist Ina Müller, dass sie sich selbst durchaus kritisch sieht und schlägt bei „Wie du wohl wärst“ ungewohnt sanfte Töne an. Sicher, der eine oder andere Witz aus ihrem Programm mag nicht neu sein, dennoch ist es vor allem Müllers Art, die überzeugt: ein herrlich sympathisches Energiebündel mit großer Klappe und ebensolcher Stimme.

Stefanie Büssing

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