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Kultur Münster-Tatort frühestens in zwei Jahren im Kino
Nachrichten Kultur Münster-Tatort frühestens in zwei Jahren im Kino
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00:00 12.01.2015
Jan Josef Liefers in seiner Rolle als Anwalt Joachim Vernau. Quelle: dpa

OSTSEE-ZEITUNG: Ihr Anwalt Vernau jagt den „Mann ohne Schatten“, einen Ex-Stasi-Agenten, der die Identität eines anderen gestohlen hat. Gab es so etwas wirklich?

Jan Josef Liefers: Offenbar! Da ich davon ausgehe, dass Geheimdienste überall auf der Welt alles, was man sich an Ungeheuerlichkeiten vorstellen kann, auch tun, hat es mich nicht sonderlich überrascht. Die Autorin Elisabeth Herrmann hat die Geschichte jedenfalls so recherchiert und aufgeschrieben.

OZ: Lateinamerika ist eine Sehnsuchtsregion für Sie. Wie waren die Dreharbeiten auf Kuba — hatten Sie Zeit, etwas von der Insel zu sehen?

Liefers: Das Gute an Dreharbeiten im Ausland ist, dass man das Land nicht wie ein Tourist kennen lernt, man ist durch die einheimischen Teammitglieder viel besser integriert. Ich hatte unvergessliche und herzliche Begegnungen mit tollen Menschen. Abgesehen vom karibischen Wetter und so schönen Dingen wie Musik und Tanz, Rum und Zigarren sind sie aber um ihr Leben nicht zu beneiden.

Es ist sehr schwer geworden, ohne Devisen, etwa von Familienmitgliedern im Ausland, klarzukommen. Das Embargo und die mit Rücksicht auf Fidel Castro schleppend verlaufenden Wirtschaftsreformen machen es den Kubanern extrem schwer. Umso erstaunlicher, mit welcher Gelassenheit und welchem Humor sie ihren Alltag sehen.

OZ: Der Münsteraner „Tatort“ ist der Maßstab für Fernsehfilme in Deutschland. Axel Prahl aber sprach von einem Kinofilm als „krönendem Abschluss“des Thiel/Boerne-Teams. Wie konkret ist das?

Liefers: Frühestens in zwei Jahren. Um im Kino zu überzeugen, sollte zu den Qualitäten des Münster-Tatorts etwas dazu kommen, was man im Fernsehen so nicht zu sehen bekäme. Ein gutes Buch muss entwickelt und finanziert werden. Und die Mühlen mahlen nicht unbedingt schneller, bloß weil es der Münster-Tatort ist. Da wird noch etwas Zeit ins Land gehen.

OZ: Für Ihre Moderation der Mauerfall-Feiern bekamen Sie Lob und Bewunderung. Würde es Sie wundern, wenn öfter Ihr Name genannt wird, wenn die Deutschen nach ihrem Wunsch-Repräsentanten gefragt werden?

Liefers: Der Tag des Mauerfalls ist für mich der wahre Feiertag der Deutschen, denn er ist viel emotionaler als der langweilige Tag der Deutschen Einheit, an dem eher einem ausgehandelten Beitrittsvertrag gehuldigt wird. Dass nicht nur ich das so sehe, merkte man der Veranstaltung am Brandenburger Tor an. Ich war aufgeregt und auch aufgewühlt. Ich hatte mich nicht darum gerissen, das zu machen. Es war mir aber eine Ehre und ein Spaß, am Gelingen der Veranstaltung beteiligt gewesen zu sein.

OZ: Als geborener Dresdner und politischer Mensch: Wie sehen Sie die Pegida-Demonstrationen?

Liefers: Ich kenne niemanden persönlich, der dort mitläuft. Und ich habe wenig Lust, mich mit Pegida näher zu beschäftigen. Die scheinen sehr inhomogen zu sein. Von normalen Bürgern, die diffuse Befürchtungen hegen, über bildungsarme Krakeeler und Trittbrettfahrer bis zu politisch hoch motivierten Einpeitschern findet sich dort vieles. Manche legen Wert darauf, klarzumachen, dass sie nicht gegen Ausländer protestieren, sondern gegen die Ausländerpolitik der Bundesregierung und Europas, dabei ist diese auf Abschottung und Bollwerk getrimmt. Der Horizont von Pegida reicht nicht soweit zu erkennen, dass ihr Antiislamismus die Islamisten und den IS stärken wird. Dass ängstliche Menschen auf Fragen, die ihnen über den Kopf wachsen, nationale Antworten suchen, ist keine neue Erkenntnis. Ich finde‘s schade, dass Dresden sich so hervortut. Gerade meine Heimatstadt hat ihre eigene, sinnlose Zerstörung als finale Konsequenz aus Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Faschismus und Gewalt schmerzvoll erlebt. Es wäre mir lieber, aus Dresden kämen fantasievolle Impulse für Ökumene, Integration, Verständigung, Ausgleich und Gemeinsamkeit.

„Die letzte Instanz“, ZDF,

heute, 20.15 Uhr

Spurensuche auf Kuba: „Der Mann ohne Schatten“
Der Berliner Anwalt Joachim Vernau ist das genaue Gegenteil des peniblen Rechtsmediziners Boerne aus dem Münster-„Tatort“: Er ist ein Lebemann und Lebenskünstler mit Charme und Improvisationstalent. Einmal jährlich zeigt das ZDF einen Vernau-Krimi nach der Romanvorlage von Elisabeth Herrmann, Jan Josef Liefers ist in der Hauptrolle zu sehen.
Im aktuellen Fall jagt er den „Mann ohne Schatten“ auf Kuba, Martin Gebhardt, der seit 1980 spurlos verschwunden ist. Gebhardt ging von West-Berlin in die DDR und wurde nie wieder gesehen. Seine Schwester Katherina (Gudrun Landgrebe) will nun endlich wissen, ob ihr Bruder noch lebt und schickt Vernau nach Havanna. Dort trifft er die geheimnisvolle schöne Deutsch-Kubanerin Anna-Maria Martinez (Alina Levshin) und kommt schließlich auch hinter Gebhardts düsteres Geheimnis. Der Film (Regie: Carlo Rola) lässt sich leider allzu viel Zeit, um in Kuba-Flair zu schwelgen und die Affäre zwischen Vernau und Anna-Maria auszuwalzen. Wer nach einer Stunde noch nicht weggedämmert ist, wird mit einem furiosen Finale und einem glänzenden Henry Hübchen als Bösewicht belohnt.



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