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„Musik: Arzneimittel ohne Nebenwirkung“

Rostock „Musik: Arzneimittel ohne Nebenwirkung“

Mit dem Verein „Hausmusik plus“ will Volker Kretschmer die Gesundheit der alten Menschen in der Region stärken

Rostock. Es duftet nach Kaffee, auf dem Tisch steht selbst gebackener Kuchen und der Klang von sechs Tischharfen tönt durch den Raum im St.-Thomas-Morus-Gemeindehaus in Rostock-Evershagen. Am Tisch sitzen fünf rüstige Damen und zupfen bedächtig, fast liebevoll die Saiten ihrer Tischharfen. Gemeinsam mit Volker Kretschmer vom Verein Hausmusik plus treffen sie sich seit zwei Jahren alle vier bis sechs Wochen zum gemeinsamen Musizieren. 2012 gründete Kretschmer den Verein, um Menschen zusammenzubringen und mit der Musik gleichzeitig etwas für die Gesundheit bis ins hohe Alter zu tun.

„Musik ist eine gute Möglichkeit, das Gehirn zu aktivieren“, sagt Kretschmer. Die Freude am Musizieren, besonders in Gruppen, trage nicht nur zum seelischen Gleichgewicht bei, sondern fördere geistige und manuelle Fähigkeiten und verlangsame den Alterungsprozess des Gehirns, so der 73-Jährige, der sich dabei auf wissenschaftliche Studien beruft. „Musik ist ein Arzneimittel ohne Nebenwirkungen“, sagt er mit einem Lächeln.

2008 kam der Internist, der heute im Ruhestand ist, von Marburg nach Rostock und suchte zunächst für sich selbst Mitspieler für Geige und Bratsche. „Das war sehr schwierig. Viele sagten mir, sie hätten früher mal gespielt und dann aufgehört, weil im Beruf die Zeit fehlte“, so Kretschmer. Mit dem Verein schlug er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: „Musiker zusammenzubringen und was für die Gesundheit zu tun, damit die Leute sich geistig und körperlich fit halten können“, erklärt Kretschmer. „Viele Menschen musste ich erst mal wieder motivieren, das Musikinstrument von früher wieder in die Hand zu nehmen oder ein neues Instrument zu lernen“, erinnert er sich. Und dabei kam ihm ein Zufall zu Hilfe. Bei einem Workshop in Hamburg vor drei Jahren entdeckte Kretschmer die Tischharfe, genauer: Zauber- und Veehharfe, als geeignetes Instrument für sein Projekt: „Ich konnte darauf sofort ,Der Mond ist aufgegangen’ spielen, ohne jemals vorher gespielt zu haben“, erinnert sich Kretschmer. Genau so sei es seinem 88-jährigen Schwiegervater ergangen. „Er hat noch nie Noten gelernt oder ein Instrument gespielt. Heute spielt er jeden Tag und ist glücklich und fit wie ein Turnschuh“, so Kretschmer.

Auch Johanna Drews (74) war sofort begeistert, als Volker Kretschmer sein Projekt beim Seniorenkaffee in der Gemeinde vorstellte. „Wir haben dann alle mal die Harfe ausprobiert“, sagt sie. „Seitdem sind wir dabeigeblieben und darüber freuen wir uns“, fügt Maria Hübner (77) hinzu, die gerne mit den anderen Damen bei Kaffee und Kuchen plaudert. Gemeinsam lassen die musikalischen Damen mit der Harfe alte Volkslieder wiederaufleben und singen dazu. „Die Harfe kann jeder spielen, wenn er die Noten darunterlegt. Es macht einfach Spaß und ist gut für Körper und Seele“, sagt Maria Hübner.

Den Kurs gibt Volker Kretschmer ehrenamtlich, wer möchte, kann in den Verein eintreten. Auch die Harfe kann man sich zu Beginn zunächst ausleihen. „Die Damen haben riesige Fortschritte gemacht und spielen teilweise schon zweistimmig“, freut sich Kretschmer. „Und sie brauchen mich gar nicht mehr wirklich, sie mögen mich nur“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Besonders liegt ihm jedoch eins am Herzen: „Ich würde solche Harfengruppen gern auch in anderen Gemeinden in der gesamten Region etablieren.“

Stefanie Büssing

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