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Musik aus Zeiten der Umbrüche

Musik aus Zeiten der Umbrüche

Das Mandelring Quartett kommt zu einem Auftritt ins Klanghaus nach Klein Jasedow.

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Mandelring Quartett: Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt (v.l.) und Roland Glassl (hinten).

Quelle: Uwe Arens

Klein Jasedow — Im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie feiert das neue Programm des Mandelring Quartetts Premiere. Einen Tag später kommt das renommierte Ensemble in die ländliche Abgeschiedenheit: Am 28. März gibt das Quartett ein Konzert in Klein Jasedow bei Lassan (Ostvorpommern). Dort betreibt der Flötist Klaus Holsten die „Europäische Akademie der heilenden Künste“ nebst „Klanghaus am See“. Das Mandelring Quartett, 1983 in Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) gegründet, besteht aus den Geschwistern Sebastian (Violine), Nanette (Violine) und Bernhard Schmidt (Violoncello) sowie dem befreundeten Bratschisten Roland Glassl. In Klein Jasedow präsentieren sie ein Programm mit Beethoven, Mendelssohn und Schostakowitsch. OZ sprach mit Bernhard Schmidt.

OSTSEE-ZEITUNG: Das Mandelring Quartett tritt in Klein Jasedow auf. Warum dort?

Bernhard Schmidt: Weil es dort so unkompliziert zugeht! Wir sind schon lange mit Klaus Holsten, dem Veranstalter der Konzerte im Klanghaus Klein Jasedow, befreundet und mögen die besondere Atmosphäre. Vor vier Jahren spielten wir mal dort. Wir saßen abends lange zusammen, irgendwann kam die Sprache auf Zabaione, das italienische Weindessert. Prompt stand jemand auf und bereitete uns Zabaione! Das ist ein ungewöhnlicher Ort, an dem wir nicht die üblichen Konzertabläufe erleben.

OZ: Woher kommt der Name Mandelring Quartett?

Schmidt: Ganz unspektakulär. Unser Elternhaus in Neustadt ist ein ehemaliges Weingut, im alten Kelterhaus liegt unser Probenraum. Das Haus steht an einer Ringstraße, die von Mandelbäumen gesäumt ist — der Mandelring. Außerdem wollten wir uns nicht Schmidt-Quartett nennen.

OZ: „Zeiten des Umbruchs“ lautet der Titel des Programms. Was ist das Besondere daran?

Schmidt: Besonders ist, dass wir nach der Pause kein klassisches oder romantisches Stück spielen, sondern Schostakowitsch. Ein sehr gewichtiges Stück, das einen unglaublich großen Bogen spannt. Es erzählt eine sehr intensive und bewegende Geschichte mit tragischen Anteilen. Das Stück von Schostakowitsch ist ebenso wie die Stücke von Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy in Zeiten des Umbruchs und der Krise entstanden: der französischen Revolution von 1789, am Vorabend der deutschen Märzrevolution 1848 und während des Zweiten Weltkriegs 1944. Wenn man will, kann man das den Kompositionen auch anhören.

OZ: Welches Konzept verfolgen Sie mit Ihrem Quartett?

Schmidt: Der Schwerpunkt liegt im romantischen Bereich, auch die klassische Moderne spielt eine Rolle. Faszinierend ist es, immer neues Material zu entdecken und zu interpretieren.

OZ: Um welches Material geht es dabei?

Schmidt: Wir sind sehr offen für Kompositionen, die nicht so bekannt sind. Gerade im 19. Jahrhundert gab es Komponisten von unglaublicher Qualität, die aber komplett von berühmteren Kollegen wie Johannes Brahms überstrahlt werden. Insgesamt arbeiten wir daran, unser Repertoire weiter zu verbreitern um Stücke, die zu Unrecht vergessen sind. Zum Beispiel die von Berthold Goldschmidt (1903 — 1996), der von den Nationalsozialisten musikalisch zum Schweigen gebracht wurde.

OZ: Der Klang des Quartetts wird als sehr homogen gepriesen. Was macht den Sound des Ensembles aus?

Schmidt: Die Besonderheit unseres Klangs wurzelt in der Tiefe. Wir nutzen den sehr tiefen, vollen Tenorklang der Bratsche, die zusammen mit dem Violoncello ein bassiges Fundament für die Obertöne liefert.

OZ: Sie spielen schon sehr lange gemeinsam. Hat auch damit die Homogenität des Klangs zu tun?

Schmidt: Ganz sicher. Wir kennen einander sehr gut, auf der Bühne reicht das Hochziehen einer Augenbraue und wir verstehen uns. Wir legen unsere Interpretationen auch nie vollständig in der Probe fest. Das passiert spontan auf der Bühne wie in einem Gespräch. Das ist Kommunikation, das ist beglückend.

Von Beethoven bis Schostakowitsch
Das Mandelring Quartett spielt am 28. März 2014 um 20 Uhr in Klein Jasedow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) Streichquartette von Ludwig van Beethoven (op. 18 Nr. 2), Felix Mendelssohn-Bartholdy (op. 80) und Dimitri Schostakowitsch (Nr. 2, 1944).



Klanghaus am See, European Academy of Healing Arts e.V., Am See 1, 17440 Klein Jasedow


Internet: www.eaha.org

 



Interview von Matthias Schümann

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