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Kultur Musik für alle? Ja, unbedingt!
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00:00 20.10.2017
Wirbeln wie der Herbst und Schwanken wie Bäume – und das mit Melodie und Rhythmus: musikalische Früherziehung in der Rostocker Kita „Jona“. Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal
Rostock

„Musizieren fördert viele Kompetenzen und ... macht Kinder glücklich“, sagt Claudia Blumenthal, die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Musikschulen MV.

Musikalische Früherziehung soll laut Vorgaben der Landesregierung jedes Kind erreichen / Doch die Ressourcen in MV sind knapp / In Rostock schafft ein Projekt „Musikali“ zusätzliche Angebote

„Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn in allen Kindereinrichtungen regelmäßige musikalische Früherziehung für alle Kinder angeboten werden könnte. Hierfür fehlen jedoch die Ressourcen.“

Das Glück der Musikerziehung erleben beispielsweise Kinder der integrativen Kindertagesstätte „Jona“ in Rostock-Evershagen. Dort beginnen die Drei- bis Vierjährigen der Sternchengruppe unter Anleitung von Talina Tams und Sören Bieber damit, Namen zu klatschen und zu singen. Also: Ta-li-na. Oder: Sö-ren. Oder im Begrüßungslied: „Guten Morgen, lieber Silas, . . .“ – und liebe Emilie, lieber Tim, Ann, Paul, Jakub, Max-Finley, Max-Elias, Rupert, Lina. Dann: „. . . willkommen zur Musik.“

Und weil sich Musik so schön mit Bewegung verbinden lässt, wird die ganze Stunde gleich zur musischen Morgengymnastik – und zur Naturkunde: Sie kauern sich auf dem Boden zusammen als Pflanzen, die erst aus dem Boden wachsen wollen, richten sich auf, schwanken als Bäume im Wind oder stellen in Kreiselbewegungen dar, wie der Herbst alles durcheinander wirbelt. Dazu erklingt aus dem Lautsprecher Herbstwind oder ein feuriges Stückchen Vivaldi, aber natürlich singen die Kinder auch gern – oder trommeln. „Wer macht die Blätter bunter?! / Wer wirft die Blätter runter?!“ Dazu lässt sich mit Body-Percussion gut der ganze Körper betrommeln.

Talina Tams und Sören Bieber werden an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater zu Grundschulmusiklehrern ausgebildet und bieten hier Beispiele guter musikalischer Früherziehung. „Das fördert alle Bereiche, die Sprache, soziale Kompetenzen, personale Fähigkeiten, Zuhören-Können – und natürlich die Musikalität“, sagt Talina Tams.

Dass so etwas im Prinzip jedem Kind zugutekommen muss, sieht die verbindliche „Bildungskonzeption für 0- bis 10-jährige Kinder in MV“ vor. Dort wird Musik zusammen mit Ästhetik und bildnerischem Gestalten als einer von sechs Grund-Kompetenzbereichen aufgeführt, Pflicht also für Kitas und Grundschulen. Wenn dies wegen fehlender Ressourcen nicht geleistet werden kann, sollten Eltern das nicht hinnehmen – sondern entsprechende Forderungen stellen.

Dass musikalische Früherziehung an Kindergärten im Argen liegt, registriert etwa Ulrike Bennöhr, die Leiterin der Kreismusikschule Güstrow. „Fünfjährige, die zu uns kommen, können oft nicht mal ein Kinderlied wie ,Fuchs, du hast die Gans gestohlen’ singen.“ Auch Manja Lange, Lehrerin an der Rostocker Welt-Musik-Schule „Carl Orff“, bestätigt, dass sich die Anfangsvoraussetzungen der Kinder verschlechtert haben. Als Grund gilt allgemein, dass die Ausbildung für Kita-Erzieherinnen in der DDR Musikalisches obligatorisch einschloss – heute dagegen ist sie nicht einheitlich geregelt, so dass unterschiedliche Qualifikationsniveaus anzutreffen sind.

Manja Lange betreut allein für ihre Musikschule rund 300 bis 400 Kinder in Projekten und 600 Kinder, die regelmäßig Früherziehung genießen. Auch die Güstrower Musikschule bietet musikalische Früherziehung an, ebenso wie die meisten anderen Musikschulen des Landes. Die Statistik der deutschen Musikschulen nennt für 2016 die Zahl von 4086 Teilnehmern an musikalischer Früherziehung in MV, bundesweit sind es 213700. Das ist nur die Zahl der durch Musikschulen erreichten Kinder, es gibt auch musikalische Früherziehung in den Kitas selbst, wie Rostocks Jugendsenator Steffen Bockhahn betont. Dennoch ist es zu wenig.

Deshalb sind private Initiativen hilfreich. In Rostock sorgt das aus Spenden finanzierte Projekt „Musikali“ dafür, dass HMT-Studenten wie Talina Tams und Sören Bieber zusätzliche Angebote schaffen, und erreicht in Toitenwinkel und Evershagen rund 160 Kinder. Doch außerhalb der Großstadt ist die Lage problematischer, wie Volkmar Doß bestätigt. Der Leiter der Kreismusikschule (auch für die Bereiche Ribnitz-Damgarten und Rügen zuständig) kann Früherziehung im Raum Grimmen nach Wegfall einer Honorarlehrerin nur noch für 24 Schüler anbieten. „Wir finden einfach niemanden, der bereit ist, für zwei Unterrichtsstunden eine Stunde für Hin- und eine für Rückfahrt auf sich zu nehmen.“

Projekte, Initiativen – und ein Benefizkonzert

„Musikali“ scheint als aus privaten Spenden geförderte Initiative eine Ausnahme in der musikalischen Früherziehung zu sein. Der Bereich wird sonst entweder durch eigene Kita-ErzieherInnen oder durch Lehrer von Musikschulen betreut.

Für Mecklenburg-Vorpommern waren es 2016 über 4000 Kinder, etwa 1350 in Kooperationen mit 106 Kitas. An der Kreismusikschule Bad Doberan sind es 102 Kinder, an der Musikschule Greifswald 100, der Kreis Vorpommern-Rügen meldete 1024 Kinder, in Stralsund sind es über 200 Kinder in sieben Kitas, in Nordwestmecklenburg 141 Kinder.

Ein Benefizkonzert zugunsten des Projekts „Musikali“ veranstalten die Rostocker Rotary Clubs am 24. November um 18.00 Uhr in der HMT Rostock.

Karten für 35,- Euro (inklusive Begrüßungsgetränk und Buffet) sind im Pressezentrum Rostock und an der Abendkasse erhältlich.

Dietrich Pätzold

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