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Musik ist keine Ego-Show

Musik ist keine Ego-Show

Der Oboist Gregor Witt, Dozent an der HMT Rostock und Solist der Berliner Staatskapelle, hat eine Porträt-CD eingespielt.

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Dirigent Daniel Barenboim

Quelle: Soeren Stache/dpa

Rostock Für ambitionierte junge Musiker aus dem klassischen Gewerbe ist die Herausgabe der ersten Solo-CD Starthilfe und Empfehlung für eine ungewisse Solistenkarriere.

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Der Oboist Gregor Witt, Dozent an der HMT Rostock und Solist der Berliner Staatskapelle, hat eine Porträt-CD eingespielt.

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Gregor Witt, „My Oboe“ (Castigo/Medienvertrieb Heinzelmann), Preis: 17,50 Euro

Jetzt hat Gregor Witt seine erste Porträt-CD „My Oboe“ vorgelegt. Darauf präsentiert er sich als Solist, aufgenommen ist sie vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, erschienen beim Rostocker Label Castigo.

Aber bei ihm ist es umgekehrt. Witt ist längst ein gestandener Musiker und im Zenit seiner Karriere. Seit 1993 ist er Solo-Oboer der Berliner Staatskapelle – eine Spitzenposition in einem Spitzenorchester. Seit 2004 zudem profilierter Lehrer an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT), zum Januar als „ordentlicher Professor“ für Oboe und Kammermusik berufen.

Er verzichtet auf die üblichen Oboen-Nummern: er spielte seltene Stücke ein, solche, die ihm „besonders am Herzen liegen“: das Quartett für Oboe und Streicher F-Dur KV 370 von Mozart mit dem Berliner Streichtrio und je ein Oboen-Konzert von den Alt-Berlinern Johann Gottlieb Graun und Carl Philipp Emanuel Bach mit Mitgliedern der Kammerakademie Potsdam. Zusätzlich geadelt durch die Mitwirkung von Daniel Barenboim als Pianist, mit dem Witt in den Drei Romanzen für Oboe und Klavier op. 94 von Schumann zu einem bewegenden Zusammenspiel findet.

Mit diesem stilistischen Bogen – von Frühklassik über Klassik zur Romantik – präsentiert sich dieses Debüt zugleich als Zwischenbilanz eines Oboistendaseins. „Das hat mich mein ganzes Leben beschäftig“, sagt Witt. „Wie soll eine Oboe klingen, was ist der ideale Klang der Oboe?“ Denn die Oboe, dieses zarte schwarze Rohr mit dem glänzenden sinnreichen Klappenmechanismus, ist nicht leicht zu spielen. Sie hat ihre atemtechnischen und klanglichen Tücken. Sie kann elegisch, bukolisch oder keck klingen, aber manche finden sie auch quakig und näselnd. Selbst Witt findet: „Es gibt Oboenklänge, die fressen sich wie Salzsäure durchs Orchester.“ Dies müsse man überwinden und ausbalancieren, damit man mit der Stimme des Instrumentes musikalisch etwas sagen könne. Sein beeindruckendes Ergebnis legt er hier vor, mit sicherer stilistischer Wandelbarkeit.

Dabei war es eher Zufall, dass Witt ausgerechnet Oboer geworden ist. Ein Orchesterinstrument sollte es sein, als für den elfjährigen Klavierspieler die endgültige Entscheidung anstand und es für ein Streichinstrument schon zu spät war. Witt erzählt amüsiert vom damaligen Familienrat: „Flöte? Da gibt es so viel fleißige Mädchen. Klarinette? Da kann man kein Bach spielen. Fagott? Hat nie ein Solo und klingt nur ulkig. Posaune? Ist zu laut. Trompete? Ist noch lauter. Horn? Da ist immer die Angst, dass man im Konzert kickst“. So blieb nur die Oboe, auf der er, nach dem Studium an der Ostberliner Hochschule für Musik bis 1989, ein Meister geworden ist.

Es scheint, als hätte er von jeher auf das Rampenlicht einer extrovertierten glanzvollen Solistenkarriere verzichtet. Wichtiger sind ihm das Orchesterspiel, „sein Schub und seine Kraft, seine stilistische Vielfalt“, das intime Kammermusikspiel und die Lehre. Musik ist ihm keine „Ego-Show“, sondern praktizierte Gemeinschaftlichkeit.

Schon kurz nach dem Studium hat er unterrichtet. Seine Schüler waren damals, an der Berliner Universität der Künste, meist älter als er. In Rostock vermittelt er seine Bemühungen um den Klang der Oboe nun an junge Leute und hat damit das Qualitätsprofil und das Ansehen der Bläserabteilung geschärft. Hier hat er auch jene Ausbildungsform entwickelt, die „Mecklenburgische Bläserakademie“, in der junge Bläser gemeinsam unter seiner Leitung konzertieren. Erfolgreich – gerade sind sie von einem Petersburger Gastspiel zurückgekehrt.

Daniel Barenboim und Gregor Witt

Der erste Musiker , den Daniel Barenboim als damaliger Chef der Berliner Staatskapelle als Solo-Oboist für sein Orchester engagierte, war der erst 23-jährige Gregor Witt. Seitdem verbindet sie ein „enges Verhältnis gegenseitiger hoher Wertschätzung“, wie Witt bekundet. Eine „fast symbiotische Beziehung“ die auch durch die gegenseitige Abhängigkeit im Orchesterspiel entstanden sei.

Zehn Jahre lang war Witt Mentor in Barenboims West-Eastern-Divan-Orchestra. Als Pianist wirkte Barenboim daher bei der CD von Witt ohne Honorar mit.

Heinz-Jürgen Staszak

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