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Musik mit Macht

Ulrichshusen Musik mit Macht

In Ulrichshusen trafen sich Freunde, Förderer und Akteure der Festspiele MV zum Krebsessen – und waren begeistert von Geigerin Vilde Frang

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Weltklasse: die norwegische Geigerin Vilde Frang und der Festspiel-Intendant Markus Fein.

Ulrichshusen. Wenn die norwegische Spitzengeigerin Vilde Frang (29), derzeit Preisträgerin in Residence der Festspiele MV, sich für den Beifall bedankt, fasst sie ihre Geige mit einer Hand am Hals, mit der anderen unten an der Zarge, hebt sie vor die Brust und bietet sie, ein wenig nur, dem Publikum dar, als solle der Beifall dem Instrument gelten. Die anrührende Geste ist ein Indiz für das musikalische Naturell der Künstlerin, für die Bescheidung, mit der sie ihre Person zurückhält hinter der Musik.

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In Ulrichshusen trafen sich Freunde, Förderer und Akteure der Festspiele MV zum Krebsessen – und waren begeistert von Geigerin Vilde Frang

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Ulrichhusen feiert Yehudi Menuhin: Nachträglich zum 100. Geburtstag des Ausnahmemusikers Yehudi Menuhin (1916-1999), der 1994 die Festspielscheune eingeweiht hatte.

5./6. August mit Daniel Hope u.a., Restkarten nur noch mit Glück.

Diese Geste und die ihr zugrundeliegende Haltung waren häufig zu erleben im Friends-Projekt der Festspiele, in dem die Preisträgerin in Residence mit musikalischen Freunden und Weggefährten Kammermusik ihrer Wahl einstudierte und aufführte. Abschließend beeindruckten Vilde Frang und Freunde damit noch einmal am Samstag im Konzert nebst Krebsessen, bei dem – the same procedure as every year – die Freunde, Förderer, Sponsoren und Mitakteure der Festspiele zu einer Art Familientreffen in Ulrichshusen zusammenkommen. Und wie das bei Familienfeiern so ist, geraten gesellige Laune und die ernst-romantische Stimmung der zuvor gespielten Kompositionen von Anton Arenski und Antonin Dvorák in eigenwillig-vertrauliche Beziehung. Da kann mal im zarten Andante ein Schoßhündchen in Reihe sechs ungeduldig schnaufen, während ein anderes in Reihe drei beide Werke bis zum Finalsatz aufmerksam verfolgt – wie auch die Gäste, die anschließend begeistert applaudierten.

Ministerpräsident Erwin Sellering würdigte die Erfolgsgeschichte des Festivals – ganz ohne Wahlkampf-Pose. Dafür überraschte ihn Festspiel-Intendant Markus Fein mit einem politischen Vorstoß, einer neuen Partei, der „FP“, also Festspiele-Partei. In launiger Rede machte Fein gleich Nägel mit Köpfen, präsentierte als Rivalen der in Reihe eins versammelten Landespolitiker von Sellering über Innenminister Lorenz Caffier bis Finanzministerin Heike Polzien ein verlockendes Schattenkabinett: Ulrichshusens Hausherrn Hellmuth von Maltzahn als Superminister, Prof. Horst Klinkmann als Generalsekretär, Festspiel-Stars wie Daniel Hope, Igor Levit oder Matthias Schorn als rotierende Kulturminister. Und als Ministerpräsidentin Vilde Frang, womit die Machtverhältnisse geklärt wären:

Bei allem, was Festspiele auch leisten – Landesmarketing, Standortwerbung, Bürgerengagement usw. – vor allem geht es um die Musik.

Vilde Frang hatte in ihrem Friends-Projekt mit neun international renommierten Musikern gearbeitet: drei Geiger (die Japanerin Sayaka Shoji, der Ukrainer Andrej Bielow, der Deutsche Daniel Röhn), zwei Bratschisten (die Japanerin Tomoko Akasaka und der Finne Antti Tikkanen), drei Cellisten (der Schwede Jakob Koranyi, der Deutsche Mark Schumann und die Kanadierin Kaori Yamagami) sowie der argentinische Pianist José Gallardo.

Sie gestalteten fünf Konzerte: im Schloss Hasenwinkel, wo die Künstler residierten und die Aufführungen erarbeiteten, in der Zarrentiner Kirche am Schaalsee, im mondänen Grand Hotel Heiligendamm, im Künstler-Hotel Tucholski im vorpommerschen Loitz und in Ulrichshusen. Die Programme trugen – in der Dominanz des Streicherklangs – die Handschrift Vilde Frangs. Sechs der acht Werke stammen aus den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, der musikalischen Spätromantik, für die Vilde Frang – wie sie sagt – zwar keine Vorliebe habe, in der sie sich aber am meisten zu Hause fühle. Leitlinie bildete die eindrucksvoll ausmusizierte Spannung zwischen einer Leichtigkeit des Seins, die aber nicht dabei bleibt, und einer Schwere des Seins, die auch nicht dabei bleibt, so dass sie sich treffen, wenn auch in verschiedenem Licht.

Dies galt für das Eröffnungskonzert mit dem Brahms-Klavierquartett Nr. 2 und dem wohnlich poetischen Dvorák-Klavierquintett Nr. 2. Es galt für Zarrentin mit der lebensfreundlich und in zarter Keckheit musizierten Italienischen Serenade von Hugo Wolf und dem zweiten Streichquartett von Anton Arenski, dessen dunkel-elegische Stimmung farbenreich eindringlich gestaltet wurde, das dann durch den „Hasenwinkler“ Brahms noch ergänzt wurde. Es galt für Heiligendamm, wo dem anmutigen Klaviertrio B-Dur von Schubert das erhitzte üppige Klangwunderwerk des Streichoktetts von George Enescu antwortete. Und es galt für Loitz, wo der dramatische C-Moll-Quartettsatz von Schubert mit Arenski und Tschaikowskis Streichsextett „Souvenir de Florence“ verbunden wurde.

Heinz-Jürgen Staszak und Dietrich Pätzold

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