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Adam Green: „Ich denke in Cartoons“

Adam Green: „Ich denke in Cartoons“

Das neue Werk des Amerikaners, „Aladdin“, ist Album, Film und Ausstellung in einem / Der Musiker zeigt darin wie er die Welt sieht – in satirischen Bildern

Lange nichts gehört von Adam Green, dem umtriebigen, mittlerweile 35 Jahre alten, New Yorker Ex-Wunderkind mit den lässigen Songs und den versauten Texten? Hier ist er wieder – und das gleich mit einem sehr ambitionierten Werk. Die No-Budget-Farce drehte Green mit einem Haufen seiner Hollywood-Freunde wie Zoë Kravitz, Natasha Lyonne und Macauly Culkin. Dem guten alten Flaschengeist nähert er sich dabei aus modernisierter Perspektive: Die Lampe kommt aus dem 3-D-Drucker, die Prinzessin ist „eher so der Kim-Kardashian-Typ“, nur der Fliegende Teppich ist und bleibt ein Fliegender Teppich.

Den Titelhelden in diesem subversiven Vergnügen mit einigen ernsteren Anklängen spielt Green, den wir in Basel zum Interview trafen, selbstverständlich höchstpersönlich.

Adam, „Aladdin“ ist ein Film, ein Album und ein aus 30 Pappmachee-Sets bestehendes Kunstprojekt. Warum eigentlich dieser Aufwand?

Adam Green: Für mich ist dieses Projekt, an dem ich bestimmt zwei Jahre gearbeitet habe, die Chance, zum ersten Mal wirklich sehr umfassend zu zeigen, wie die Welt aussieht, wenn man sie aus meinen Augen betrachtet.

Wie denn?

Adam: Ich denke in Bildern, speziell in Cartoons. Für mich ist „Aladdin“ eine Mischung aus Pasolini und South Park. In ganz vielen meiner Songs, alten wie neuen, taucht zum Beispiel eine Prinzessin auf.

Was war zuerst da? Film oder Musik?

Adam: Ich schrieb beides parallel, nahm die Musik aber zuerst auf, da wir für den Film erst noch Geld einsammeln mussten. Das Album funktioniert auch ohne den Film, mit dabei sind übrigens neben anderen Stella Mozgawa, die Schlagzeugerin von Warpaint und der Gitarrist Rodrigo Amarante von Little Joy.

Richtig nach Filmmusik klingt nur „Interested in Music“.

Adam: Ja, das ist die große Nummer für das Finale, das habe ich mir vom Musical abgeguckt. Die Geschichte spielt ja in „Regular Town“, die Leute dort fühlen sich sehr durchschnittlich, und für mich ist es ein wichtiger Teil des Films, anzuerkennen, dass ich nicht mehr besonders cool bin. Es ist Zeit für weniger Ego von Adam Green. Manchmal ist es voll okay, ‚Average Adam‘ zu sein und dafür in Harmonie mit der Welt zu leben.

Im Film spielt auch Macaulay Culkin spielt mit. Ist der nicht trotz seiner 35 Jahre längst in Rente?

Adam: Mac spielt bei mir mit, weil wir gute Freunde sind. Mac ist ein sehr beliebter und ein sehr zarter Mensch, außerdem ist er eine Ikone. Ich finde es nicht richtig, wenn er in den Medien immer so als Weirdo und als Freak beschrieben wird. Das ist er nicht. Er lebt halt einfach sehr zurückgezogen und tut nur, was ihm Spaß macht.

Worum geht es in deiner aktuellen Single „Never lift a Finger“?

Adam: Um ein paar Erinnerungen an meine verflossenen Beziehungen. Ich stelle mir die Frage, was falsch an denen war, was falsch an mir war. Die Auseinandersetzung mit dysfunktionaler Liebe gepaart mit heftiger Selbstkritik in diesem Song schlug mir ganz schön hart ins Gesicht.

Wie dysfunktional kann eine Beziehung sein, um zu funktionieren?

Adam: Ich denke nicht, dass Liebe dysfunktional sein muss. Was ich allerdings denke, ist, dass zwei sehr ähnlich tickende Personen keinen geilen Sex haben können. Man braucht für Sex Verschiedenheit, Spannung. Eine wenig harmonische Beziehung beinhaltet also oft echt scharfen Sex. Aber wenn du erwachsener wirst, das stelle ich an mir fest, ziehst du eine gewisse Stabilität der Geilheit vor.

Du bist in Begleitung deiner Frau Yasmin und eurer gemeinsamen, anderthalbjährigen Tochter Zeba nach Europa gekommen, um „Aladdin“ vorzustellen. Läuft es gut mit der Stabilität?

Adam: Ja. Yasmin und ich haben eine intellektuell anregende und romantische Beziehung. Wir hocken ganz schön aufeinander. Sie hilft mir sehr, sie hat zum Beispiel auch den Film mitproduziert, damals war sie gerade schwanger.

Was hat das Kind mit dem ewigen Kindskopf Adam Green gemacht?

Adam: Ich genieße und liebe das Vatersein. Bis jetzt ist es auch noch leicht. Sie ist noch so klein, da schaut man, dass man sie bei Laune und am Leben hält. Seit ich Vater bin, habe ich einiges von meiner Dekadenz verloren und bin, wenn ich nicht komplett falsch liege, bodenständiger geworden.

Interview von Steffen Rüth

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