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Auf Rügen war ich verliebt

Auf Rügen war ich verliebt

Zwei bekannte Liedermacher kommen nach Binz: Max Prosa und Cäthe geben am 22. Juli zusammen ein Konzert / Der OZelot sprach mit dem Berliner Max Prosa

Er ist der Philosoph unter den deutschen Pop-Liedermachern: Im Interview erklärt er, warum und wofür es sich doch zu kämpfen lohnt.

Max, du spielst Ende Juli in Binz auf Rügen. Warst du schon mal da?

Max Prosa: Ich war als Kind schon auf Rügen, im Ferienlager. Da war ich ungefähr 12. Habe mich unsterblich in ein Mädchen verliebt, das ich dann zu Hause in Berlin gar nicht mehr toll fand.

Das war meine erste Erfahrung damit. Ein aufgeladener Ort also.

Sind manche Songs von dir auch an der Ostsee entstanden? Vielleicht sogar einer des aktuellen Albums?

Nein, ich war seitdem nur noch vereinzelt dort, meistens für Konzerte. Ich bin gerne in der Natur zum schreiben, es könnte also gut passen und wer weiß, ob ich nicht dieses Mal Zeit hab, ein bisschen mit der Gitarre auf den Dünen zu sitzen und für das nächste Album zu schreiben.

Fällt dir in der Natur mehr ein?

Als Berliner bin ich ständig umgeben von Hektik, von allem und seinem Gegenteil. Manchmal ist es ganz schön, an einem Ort zu sein, der Leere im Innern erzeugt. Das ist wie bei einem Rohr; das Wasser fließt nur hindurch, wenn es leer ist. Und wenn dann trotzdem etwas bei mir hängen bleibt, dann bedeutet das etwas.

Was bleibt denn hängen?

Bestimmte Bilder, Erinnerungen, Songskizzen... Alles, was mir dann wirklich nahekommt, hat einen Wert. Das weiß ich, wenn ich am See sitze.

Und das ist immer ein Solo-Prozess, ohne deine Band?

Die kommen für die Musik und die Emotionen ins Spiel. Wie Verstärker der Songs.

Du singst auf dem Album: „Ich wollte immer nur singen“. War das so?

Gesang hat eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Irgendwann wusste ich zwar mal nicht mehr, wohin mit der Musik, wie sie Platz hat in meinem Leben, und habe dann erst einmal Physik studiert. Ich komme aus keiner Künstlerfamilie, meinen Lebensweg musste ich erst einmal entdecken.

Du hast dann noch Philosophie studiert.

Ja, aber das war schon auf dem Weg zum Songwriter. Es war sehr schön, so viele verschiedene Perspektiven aufs Leben vorgestellt zu bekommen.

Dein Lieblingsphilosoph?

Nietzsche. Weil er alles und sein Gegenteil behauptet hat und das auf so großartige Weise. Es kommt in der Philosophie auch viel darauf an, wie etwas geschrieben ist.

Bei Physik und Philosophie denkt man: Das ist ein Mensch, der wissen will, was die Welt im Innersten zusammenhält. Bist du ein solcher Mensch?

Auf jeden Fall. Was ich jetzt mache, ist ein anderer Weg, das anzugehen. Mich haben irgendwann die Worte und ihre Möglichkeiten mehr interessiert als die Mathematik. Wobei: Physik und Mathematik geben Antworten. Musik stellt Fragen. Sokrates war der Philosoph der Fragen. Und in diesen Fragen liegen letztlich auch die Antworten. Unsere Welt hat so viele Wahrheiten wie Perspektiven. Und so ist ein Song eine Perspektive und somit eine Wahrheit.

Verfolgt Musik, wie du sie verstehst, auch den Zweck, etwas zu verändern?

Das ist die große Frage: Können Songs die Welt verändern? Ich meine, schon. Da darf man sich nicht unter den Scheffel stellen. Politik ist nur der Wind, der die Welle kräuselt. Die Welle entsteht aus vielen verschiedenen Menschen und dem, was sie beeinflusst. Zum Beispiel Songs.

Dann kommt ein Titel wie „Keiner kämpft für mehr“ recht programmatisch daher.

Was in diesem Song angesprochen wird, ist genau so gemeint: Wie kann es sein, dass so humanitäre Gesellschaften wie unsere sich auch durch die Kriege finanzieren, die sie gleichzeitig und oberflächlich bedauern? Das sind Fragen, die man in hundert Jahren stellen wird: Wie konnte man das damals zulassen?

Mit welchen Mitteln sollte man kämpfen?

Das erste Mittel ist der Austausch, Perspektiven aufzeigen, schon das bringt viel Veränderung. Versuchen, die Komfortzone zu verlassen. Kämpfen für mehr. Einen Schritt weiter gehen für mehr.

Bist du demnach ein ewig Suchender?

Es gibt von T.S. Eliot dieses schöne Wort: „Am Ende unserer Suche werden wir wieder da stehen, wo wir anfingen, und werden den Ort zum ersten Mal sehen.“ Das bedeutet Leben für mich: die vielen unterschiedlichen Perspektiven und Wahrheiten zu sehen, nachzuempfinden und aufzudecken, was sie bedeuten. Am Ende begreife ich dadurch vielleicht nur meine eigene besser, aber das zählt.

In Binz stehst du zusammen mit Cäthe auf der Bühne. Ihr seid befreundet, oder? Wie wird der gemeinsame Auftritt ablaufen?

Ja, wir kennen uns gut, haben uns allerdings in letzter Zeit selten gesehen. Umso schöner dass so ein Konzert uns wieder zusammen bringt. Wir haben noch nicht darüber gesprochen, was wir machen, ich denke, es ist das Beste, wenn wir einfach was improvisieren, auf die kreative Kraft dieses Abends vertrauen.

Interview: Stefan Gohlisch

und Nele Baumann

OZ

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