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Bei Kamasi Washington riecht Jazz nicht komisch

Berlin Bei Kamasi Washington riecht Jazz nicht komisch

Wenn man Kamasi Washington hört, kommt einem der berühmte Spruch von Frank Zappa in den Sinn: „Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.“ Hier trifft das allerdings ...

Berlin. Wenn man Kamasi Washington hört, kommt einem der berühmte Spruch von Frank Zappa in den Sinn: „Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.“ Hier trifft das allerdings mal nicht zu - wie das Berliner Konzert des Saxofonisten aufs Schönste bewies.

Denn was der 35-jährige Kalifornier und seine siebenköpfige Band am Dienstagabend im Astra-Kulturhaus - dem krassen Gegenteil eines intimen Jazzclubs - vor weit über 1000 Besuchern abliefern, das duftet atemberaubend frisch und sehr zeitgemäß. Washington verbindet Jazz-Vergangenheit und -Gegenwart auch live so kongenial, dass daraus ein Versprechen für die Zukunft des betagten Genres wird.

Schon mit seinem Debütalbum - ganz bescheiden „The Epic“ benannt und aus drei randvollen CDs mit 172 Minuten Musik bestehend - hatte der füllige Mann mit dem Afro-Look voriges Jahr viele Ohren und Herzen für den Jazz geöffnet. Und zwar bei Menschen, die sonst mit dieser oft elitären Stilrichtung nicht viel anfangen können - bei Fans von Funk, Soul, Hiphop, Latin, Rock und Pop.

Denn all dies umfasst „The Epic“ - und noch einiges mehr. Inhaltlich ist das Werk eine Bestandsaufnahme schwarzer Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts - von Miles Davis und John Coltrane bis zu Kendrick Lamar und Flying Lotus, von Martin Luther King und Malcolm X bis zu Barack Obama. Dieser Hintergrund wird auch im Konzert spürbar, wenn Patrice Quinn als Sängerin mit Gänsehaut-Gospelstimme in einigen der ausufernden „Epic“-Stücke afro-amerikanisches Selbstbewusstsein formuliert.

Ja, diese Musiker um Kamasi Washington - allesamt fabelhaft! Zum Teil sind es alte Musikschulkumpels wie Posaunist Ryan Porter oder Keyboarder Brandon Coleman, mit denen er sich auch in Berlin umgibt. Über weite Teile des zweistündigen Konzerts steht „Dad“ Ricky Washington mit seinem Sopran-Saxofon an der Seite des imposanten Band-Bosses. Dahinter die beiden perfekt aufeinander abgestimmten, gnadenlos vorwärtstreibenden Drummer Tony Austin und Robert Miller, schließlich Miles Mosley, der seinen Standbass so funky spielt wie einen elektrischen.

Die üppigen Streicher- und Chor-Arrangements des Albums lassen sich live natürlich nicht rekonstruieren - Kamasi Washington und seine Band machen dieses Manko aber mit enormem Groove und sichtbarer Spielfreude wett. Dass sogar ein Doppel-Schlagzeug- und ein Clavinet-Solo zum Programm gehören, verwundert in diesem Konzert zwischen Retro-Ambition und Futurismus bald niemanden mehr - hier passt es.

Ebenso gut passt, dass sich Kamasi Washington neben seinen oft wild aufbrausenden Weltklasse-Sax-Soli mit warmherzigen, humorvollen Ansagen auch noch als äußerst sympathischer Frontmann erweist. Großer Jubel und Euphorie im Astra - eines der Konzerte des Jahres in der Hauptstadt, kein Zweifel.

Weitere Konzerte gibt es am Mittwochabend (17. August) im Hamburger Grünspan und am 23. August in Wien.

dpa

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