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Bei sich selbst angekommen: Wendja

Bei sich selbst angekommen: Wendja

Allzu leicht klingt das alles nicht. Wendja wurde 1989 in der österreichischen Provinz geboren, in Freistadt. Der Vater stammt aus Peking, die Mutter aus dem Ort.

Allzu leicht klingt das alles nicht. Wendja wurde 1989 in der österreichischen Provinz geboren, in Freistadt. Der Vater stammt aus Peking, die Mutter aus dem Ort. „Als kleiner Junge war ich oft das Schlitzauge oder Bruce Lee“, erinnert sich Wendja an die Kinderzeit. „Aus China gab es eben nur uns und die Familie aus dem Chinarestaurant. Ich sehnte mich lange nach dem Land, das ich aus Filmen und Geschichten meines Vaters kannte.“

Dieser Widerspruch verschärfte sich, als Wendja enlich China besuchen konnte. „Als ich mit 15 tatsächlich da war und den Alltag abseits der Touristen erlebte, begriff ich allerdings schnell: Hier bin ich nicht zu Hause.“ Bis Wendja endlich zur Musik findet, liebäugelt er mit dem Sport. Erst Tischtennis, dann Fußball. Dann kam es anders.

In seinem Kinderzimmer fing Wendja an, mit Beats zu arbeiten. „Es war magisch. Obwohl ich es nie gelernt hatte, kamen Lieder dabei heraus. Es gab kein Gut oder Schlecht, keinen Druck. Ich machte das nur für mich.“ Wendja gründet ein HipHop-Duo – es wird also eine Profession daraus. 120 Auftritte pro Jahr, die ganz große Nummer. Dann versucht er es allein. 2013 erscheint Wendjas erstes Soloalbum, das ist auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte. Jetzt also „Poet & Prolet“, es sind 14 Songs, die der Künstler aus den ursprünglich 80 geschriebenen Tracks herausgefiltert hat.

So was wie „Abriss Austria“, „Mut zur Hässlichkeit“, „Schwarze Rose“ oder „Vermessung der Welt“ – von Aggressivität über Coolness bis Poesie, die ganze mögliche Bandbreite des HipHop hat Wendja auf seinem neuen Album verewigt. Dabei wird’s durchaus gesellschaftlich relevant: „Zeit für Menschlichkeit“ ist Wendjas aktueller Betrag zur Flüchtlingsproblematik.

Und übrigens: „Wen Dja ist mein chinesischer Name“, sagt der Musiker, „Wen heißt Sprache, Lehre und steckt in Begriffen wie Wen Yi, was so viel wie Literatur oder Kunst bedeutet. Dja oder Jia steht für gut oder das Beste. Übersetzt bedeutet der Name also so was wie Beste Sprache. Unbewusst haben mir meine Eltern den perfekten Künstlernamen schon in den Pass geschrieben“, fand Wendja heraus.

Auch damit hat er schließlich seinen Frieden gemacht. Thorsten Czarkowski Wendja „Poet & Prolet“ (Electrola/ Universal Music), seit 3. Februar im Handel

OZ

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