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Berliner Staatsoper eröffnet Saison mit „Fidelio“

Spiel im Spiel Berliner Staatsoper eröffnet Saison mit „Fidelio“

Drei Anläufe und zehn Jahre hat es Ludwig van Beethoven gekostet, seine erste und einzige Oper zu schreiben. In Berlin bringen zwei eingespielte Altmeister „Fidelio“ neu auf die Bühne.

Berlin. „Fidelio“, Beethovens einzige Oper, ist oft genug als Politdrama inszeniert worden - ein Revolutionsstück, in dem die Gefangenen oder gar KZ-Insassen von ihren Ketten befreit werden.

Die Berliner Staatsoper im Schiller Theater wählt zu ihrem Saisonauftakt - trotz des politisch aufgeladenen Tags der Einheit - einen ganz anderen Weg.  

Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Regisseur Harry Kupfer erzählen eine persönliche Geschichte - von der unerschütterlichen Liebe der als Fidelio verkleideten Leonore (Camilla Nylund), die ihren unschuldig verurteilten Geliebten Florestan (bravourös: Andreas Schager) vor dem Tod retten will. Am Schluss Bravorufe und Applaus für eine furios ausgekostete Musik und überzeugende Sänger, weniger für die Inszenierung.

Für Harry Kupfer, die deutsch-deutsche Regielegende, ist es die fünfte „Fidelio“-Inszenierung, und er legt sie als Spiel im Spiel an. Die Sänger, in Alltagskleidern und mit der Partitur in der Hand, sollen sich das Stück vor den Augen der Zuschauer erarbeiten. „So wird daraus, fernab jeglicher Gefängnisromantisierung, ein geistiger Vorgang, der sich mit dem Stück und den Figuren auseinandersetzt“, erklärt der 81-Jährige im Programmheft.

Freilich geht das Konzept nicht immer auf. In der Eröffnungs- und der Schlussszene steht das riesige Ensemble in Anspielung an die erste Uraufführung 1805 im prunkvoll goldverzierten Saal des Wiener Musikvereins, bis die bedruckte Leinwand im Hintergrund fällt. Dann ist die Illusion vorbei. Die Bühne ist nur noch karges Grau mit Gefangenen-Inschriften auf der Rückwand und einer Beethoven-Büste auf dem Bechstein-Flügel, die an den jahrelangen Kampf des Komponisten mit der Partitur erinnert.

Barenboim wählt mit seiner Staatskapelle die selten gespielte Ouvertüre aus einer frühen Fassung - und macht mit einer bis ins letzte himmelhochjauchzend-zutodebetrübten Interpretation deutlich, dass die Musik hier die erste Geige spielen wird. Besonders beeindruckend später auch der Gefangenenchor am Ende des ersten Teils und die zu einem Oratorium verdichtete, herausgeschriene Schlussszene mit dem euphorischen „Wer ein holdes Weib errungen, stimm' in unsern Jubel ein!“

Mit der Gemeinschaftsproduktion knüpfen die Altmeister Barenboim und Kupfer nach 15 Jahren Pause an eine erfolgreiche frühere Zusammenarbeit an. 1988 war ihr „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth als Jahrhundertereignis gefeiert worden. Es folgte die Aufführung der zehn wichtigsten Wagner-Werke in Berlin - wieder ein Meilenstein.

Die Neuinszenierung nun war eigentlich geplant, um das Stammhaus Unter den Linden nach seiner Sanierung wiederzueröffnen. Doch wie schon mehrfach zuvor, hatte der Termin verschoben werden müssen. In der auslaufenden Legislaturperiode beschäftigte sich sogar ein Untersuchungsausschuss mit den Pannen am Bau. Die Kosten sind inzwischen von rund 240 auf 400 Millionen Euro gestiegen. „Wir hoffen sehr inständig“, so formulierte es Dramaturg Detlef Giese, „dass am nächsten Tag der Deutschen Einheit die Premiere wirklich an neuer alter Stelle zu feiern sein wird.“

dpa

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