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Beth Orton: Keyboard statt Klampfe

Beth Orton: Keyboard statt Klampfe

Zum Folk gehört die Akustikgitarre? Die britische Songwriterin ist da neuerdings anderer Meinung – auf ihrer aktuellen Platte beweist Beth, dass es funktioniert

Im zeitweiligen Arbeitsexil Los Angeles spielte die Engländerin Beth Orton (45), die vor 20 Jahren mit ihrem Album „Trailer Park“ eine der Ersten war, die Folk-Akustik und Elektronik verband und so zu einem auch kommerziell erfolgreichen Kritikerliebling wurde, erstmals Keyboard. Resultat des Experiments ist „Kidsticks“, ein immer noch intensives, aber für Beth auch überdurchschnittlich heiter und hübsch klingendes Album.

Beth, man muss sagen, dein neues Album „Kidsticks“ klingt, als seiest du gerade enorm gut drauf.

Beth Orton: Yeah, total. Das bin ich wirklich.

Schließlich kennt man dich ja zumindest musikalisch auch sehr melancholisch.

Beth: Natürlich, ich hab auch schon von sehr traurigen Ideen und Hintergründen ausgehend geschrieben, doch dieses Mal ist wirklich meine fast kindliche Ausgelassenheit einer der zentralen Bausteine. Das Titelstück, ein Instrumental, hört sich an, als ob ein Kind auf eine Dose oder Flasche eindrischt. Deshalb habe ich das ganze Album auch „Kidsticks“ genannt.

Dein erstes Album kam 1993 auf den Markt. Wie behält man über so viele Jahre die kindliche Freude beim Musikmachen bei?

Beth: Indem man offen bleibt und bereit ist, zu staunen und sich selbst über seine Musik zu wundern.

Wie blickst du selbst auf deine Karriere?

Beth: Das Seltsame ist, dass ich über die Triumphe und Erfolge praktisch gar nicht nachdenke. Ich hadere viel lieber mit meinen Misserfolgen und den Dingen, die ich im Nachhinein besser hätte machen können. Wenn ich alte Freunde treffe und die mir sagen: „Mensch, du hattest ja echt eine Karriere, bevor die Kinder kamen“, dann denke ich oft: „Echt? Ich kann mich gar nicht erinnern“

(lacht).

Die neuen Songs wirken weniger eckig als früher, melodischer und harmonischer stattdessen. Kommt das vom Keyboard?

Beth: Ja, das denke ich. Auf dem Keyboard schreibe ich anders, fast automatisch fühlte ich mich stark zu Melodien hingezogen. Überhaupt war das Keyboard ja ein ganz neues Instrument für mich.

Ich konnte Einflüsse abbilden, die ich an der Gitarre nicht so hinbekam, „1973“ zum Beispiel ist meine Hommage an Blondie und die Talking Heads.

Wieso eigentlich die Idee mit dem Keyboard?

Beth: Dieser Entschluss ergab sich am Anfang meiner Zusammenarbeit mit dem Musiker und Produzenten Andrew Hung. Wir haben zusammen in Los Angeles aufgenommen, und wir hatten unheimlich viel Spaß zusammen. So habe ich mich das getraut. Mit einem neuen Instrument zu arbeiten, das hatte etwas Befreiendes für mich.

Du warst in den Neunzigern eine der Ersten, die Folkmusik mit elektronischen Beats angereichert hat. Heute ist diese Kombination üblich. Freut dich das?

Beth: Ich wollte nie Folksängerin sein, das hat sich bloß ergeben. Und ich muss zugeben, für meinen Geschmack hat es sich in keine gute Richtung entwickelt. Massive Attack, Portishead, das waren und sind großartige Musiker. Aber dann wurde es furchtbar. Was heute in der elektronischen Musik passiert, das mag ich nicht. Ich höre lieber weiter Nick Drake. Tja, es ist so: Ich startete etwas, was ich dann später hasste (lacht).

Interview von Steffen Rüth

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