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Biffy Clyro: „Ein Rockstarego ist nicht hilfreich“

Biffy Clyro: „Ein Rockstarego ist nicht hilfreich“

Nach dreijähriger Pause haben die drei Schotten wieder eine Platte herausgebracht / Dem OZelot sagen sie, inwiefern sie sich darin auf ihre Wurzeln besinnen

Auf „Ellipsis“ schlägt das Trio aus Schottland eine Brücke zwischen dem vertrackten Progrock seiner Anfangszeit und dem Stadionrock der vergangenen, äußerst erfolgreichen Alben. Der OZelot traf Sänger und Gitarrist Simon Neil und die Johnston-Zwillinge James (Bass) und Ben (Schlagzeug) in Berlin.

 

OZ-Bild

Die Zwillinge Ben (l.) und John Johnston und Simon Neil (r.) sind ein eingespieltes Team.

Quelle: Austin Haregrave

Ich hatte

die Inspiration verloren und musste mich

eine Weile ausklinken.“

Simon Neil, Sänger

Eure Musik wurde anfangs als New Prog und Math Rock beschrieben. Markiert „Ellipsis“ eine Rückkehr zu euren Wurzeln?

James Johnston: Für mich persönlich steht das Album für den Beginn einer neuen Ära von Biffy Clyro. Natürlich ist die Musik auch angelehnt an das, was wir als Kids gehört haben, aber wir haben uns im Laufe der Jahre ungewöhnliche Methoden erarbeitet, um neue Sounds zu generieren. An diesem Album haben wir wirklich hart gearbeitet.

Ihr wart sechs Monate in Los Angeles. Das ist viel Zeit für eine einzige Platte. Was war der Grund dafür?

Simon Neil: Wir haben uns so viel Zeit genommen wie sonst für ein Doppelalbum. Mithin ein echter Luxus. Und das Beste: Jeder Tag war ein Abenteuer! Manchmal nahmen wir den Gesang noch vor dem Schlagzeug auf, und auch an den Rhythmen schraubten wir ewig herum. Auf diese Weise zu arbeiten hatte eine befreiende Wirkung. Es fühlte sich an, als seien wir das erste Mal in einem Studio.

Hattet ihr im Vorfeld exakte Vorstellungen, wie das Album klingen soll?

Ben Johnston: Früher wussten wir immer ganz genau, was wir wollten. Dieses Mal hatte Simon zwar die Texte fertig geschrieben, und auch die Musik lag größtenteils schon vor, aber im Studio nahmen wir uns fest vor, uns selbst zu überraschen. Mit Hilfe unseres neuen Produzenten Rich Costey gelang uns das auch. Zum Beispiel interpretierten wir die Songs in verschiedensten Stilen, Farben und Sounds immer wieder neu.

Simon, angeblich ging es dir voriges Jahr nicht besonders gut. Was war los mit dir?

Simon: Ich hatte die Inspiration verloren. Die Band war so groß geworden wie wir es uns nie erträumt hätten. Aber ein Rockstar-Ego ist nicht sehr hilfreich, wenn du Musik schreiben willst.

Ich brauchte einige Monate, um mich aus allem auszuklinken und wieder zu einem normalen Menschen zu werden.

In welcher Stimmung hast du den Song „Friends And Enemies“ geschrieben?

Simon: Der Song ist am Piano entstanden und klang zuerst sehr traurig und melancholisch. Er handelt von falschen Freunden. Von Leuten, die man zwar seit seiner Kindheit kennt, aber man fühlt sich nach jedem Treffen mit ihnen schlechter als vorher. Das ist keine wahre Freundschaft! Ich versuche eher, mein Leben zu entschleunigen und von negativen Einflüssen zu befreien.

Ihr habt das Album im Eldorado Recording Studio in Burbank (The Red Hot Chili Peppers, Herbie Hancock, Marvin Gaye) und im Sound Factory Studio in Hollywood (Rolling Stones, Neil Young, The Doors) aufgenommen. Macht das wirklich einen Unterschied?

Ben Johnston: Definitiv. Dort ist etwas in den Mauern. Man kann den Vibe der Künstler spüren, die da gewirkt haben. Aber man spürt auch Druck, wenn man an solch einem magischen Ort Musik aufnimmt. Der Hauptgrund dafür, dass wir seit einiger Zeit in legendäre Klangschmieden gehen, ist das großartige Spielzeug, das man dort vorfindet. Mit Vintage-Equipment kann man wunderbar Musik aufnehmen.

Interview von Olaf Neumann

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