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Bosse mal ohne Sorgen

Bosse Bosse mal ohne Sorgen

Der gebürtige Braunschweiger Axel Bosse schlägt auf der aktuellen Platte „Kraniche“ überraschend fröhliche Töne an. Dem OZelot sagt er, woran das liegt.

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Ist eigentlich ein „Landei“, lebt aber in Hamburg: der Liedermacher Axel Bosse.

Quelle: Nina Stiller

Der 32-Jährige Liedermacher lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Ayse Aziz sowie der Tochter (7) in Hamburg. Mit seiner Platte „Wartesaal“ landete er oben in den Charts.

OZelot: Axel, es heißt, du hast jetzt den Durchbruch geschafft. Stimmst du zu?

Axel Bosse: Ach, davon will ich lieber gar nichts wissen. Mein Leben ist immer noch dasselbe, und ich werde auch nach wie vor so gut wie gar nicht auf der Straße erkannt. Ich glaube, so richtig lebensverändernd wäre das nur, wenn man einen totalen Hit hat. So einen Song, den jede Oma im Supermarkt mitsingen kann. Ich hoffe eher auf eine Karriere wie jene der Beatsteaks. Die habe ich schon toll gefunden, als sie noch vor zwölf Leuten gespielt haben. Oder Element Of Crime. Haben immer ihr Ding gemacht und sind jetzt im Alter Kult.

OZelot: Wirken sich die neuen finanziellen Möglichkeiten gar nicht aus?

Bosse: Der einzige Unterschied zu vorher ist der, dass wir uns jetzt auf Tour einen Nightliner, also einen Bus mit richtigen Betten, leisten können. Der Mensch wird mit dem Alter halt bequemer (lacht).

OZelot: Und sonst hat sich gar nichts geändert?

Bosse (denkt nach): Zum ersten Mal in meinem Leben als Berufsmusiker habe ich keine unmittelbaren Existenzängste mehr. Menschen, die nicht dazu neigen, sich keine Sorgen zu machen, die können das vielleicht nicht nachvollziehen. Eine gewisse materielle Sicherheit, die ist viel wert. Erst recht, wenn du Familie hast. Und andere Zeiten gewohnt bist.

OZelot: Nach der Tour mit dem „Wartesaal“-Album, warst du platt. Um runterzukommen, hast du mit Frau und Kind ein paar Monate in der Megastadt Istanbul gelebt. Hast du den Song „Istanbul“ dort geschrieben?

Bosse: Habe ich. Mit „Istanbul“ fing es an. Vorher hatte ich, wie immer, Angst, mir würde nichts mehr einfallen für das Album. Man will sich ja auch nicht wiederholen. Und „Istanbul“, mit dieser Geige und dem weltmusikalischen Flair, war dann wie ein Neuanfang. Das restliche Album ist dann zwar nicht in diese Richtung gegangen, aber „Istanbul“ — die Stadt wie der Song — war wichtig, um wieder die Euphorie in mir zu entfachen.

OZelot: Zum Aufnahmen bist du dann aufs Land gegangen — nach Umbrien, einen recht unberührten Landstrich in Italien. Was bist du jetzt? Stadt- oder Landmensch?

Bosse: Ein Landmensch, der in der Stadt lebt. Je älter ich werde, desto mehr zieht es mich wieder ins Dorf. In Umbrien waren wir vor allem deshalb, weil mein Produzent Philipp Steinke sich dort ein Studio eingerichtet hat.

OZelot: Philipp Steinke kennt man zum Beispiel vom sehr erfolgreichen Boy-Album.

Bosse: Genau, sowohl Philipp als auch die Mädchen von Boy sind langjährige Freunde von mir, Sonja spielt in meiner Band Bass und Valeska singt auf dem neuen Album mit. Umbrien war dann wirklich traumhaft. Ich habe mir pro Tag eine Stunde in der Hängematte und eine Stunde im Pool gegönnt, ansonsten haben wir wirklich auch hart gearbeitet.

OZelot: Was willst du mit dem Albumtitel sagen?

Bosse: Man assoziiert schöne Dinge damit: Die Natur, die Freiheit, das Umherziehen. Kraniche sind als Vögel und als Metapher sehr positiv besetzt.

OZelot: Das Album ist dein vielseitigstes. „Vive la Danse“ ist die vielleicht fröhlichste Bosse-Nummer aller Zeiten, und „Familienfest“ kommt als lupenreiner Walzer daher.

Bosse: So wollte ich das. Mal ins Heiße, dann wieder ins Kalte. Mehr rein ins Extreme, sich etwas trauen. Wobei „Familienfest“ am deutlichsten heraussticht. Mal nur mit Streichern an einem Song zu arbeiten, das hat Freude gemacht.

OZelot: Ist „Vier Leben“ dein Anti-Burnout-Song?

Bosse: Das ist eher mein Entschleunigungssong. Musiker, Ehemann, Vater, Restmensch — wenn du so willst, das ist ein hartes Brot. Man will in jedem Teil des Lebens funktionieren, und das geht nur mit Kompromissen und der Gewissheit, nicht immer alles optimal zu schaffen. Mittlerweile kriege ich aber ein entspannteres Leben ganz gut hin.

Karriere begann mit einer Schülerband
Axel Bosse startete mit 17 und der Schülerband Hyperchild seine Musikerkarriere und bekam den ersten Plattenvertrag. Die Band löste sich später auf.

Seine Solokarriere startete Axel, der sich ab dann nur noch Bosse nannte, 2003. Sein Debütalbum „Kamikazeherz“ erschien 2005. Seine vierte Platte „Wartesaal“ (2011) war seine bisher erfolgreichste und landete in den Charts.

Den Song „Frankfurt/Oder“, das einzige nicht neue Stück darauf, singt er im Duett mit Anna Loos (Silly). Damit trat Bosse beim Bundesvision Song Contest 2011 für Niedersachsen an und belegte den dritten Platz.

• Online:
www.axelbosse.de

Interview von Steffen Rüth

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