Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Musik Das Morgen stirbt nie, das Gestern auch nicht
Nachrichten Kultur Musik Das Morgen stirbt nie, das Gestern auch nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.05.2017

Der Song erzählt alles über Väter, Söhne, Unversöhnlichkeit. Der Junge trinkt zu viel. Als er eines Nachts nach einem Blackout auf dem Parkplatz vor der Kneipe aufwacht, ruft er zu Hause an und rechnet ab. „Du hast alles Gute von mir weggenommen und es begraben“, wirft er dem Vater vor, der immer zu viel auf die Meinung der Nachbarn gegeben hat und sich ohne Erkenntnis von Ursache und Wirkung dafür schämt, einen Trunkenbold zum Sohn zu haben. „Tall Man“ heißt das Lied, gesungen mit müder Wehmutsstimme, ein bewölktes Stück Americana zur Akustikgitarre, in das dann urplötzlich ein Chor einbricht wie die Strahlen einer Nachgewittersonne.

Matthew Logan Vasquez hat den Song geschrieben, als habe er das selbst erlebt. Dem Zusammenbruch lässt er den Aufbruch folgen: „Ich weiß“, singt sein Held trotzig, „ich kann mich ändern.“ Das Morgen stirbt nie. Dass sich dieses Vierminuten-Melodram zu einer enorm einprägsamen, ja betörenden Melodie abspielt, ist bei Vasquez Ehrensache.

Denn Vasquez (31) ist Sänger, Gitarrist und Songschreiber der kalifornischen Band Delta Spirit, wahren Meistern der Melodie und der Abwechslung, deren derzeitiger Zustand unklar, aber immerhin „nicht aufgelöst“ ist. „Does What He Wants“ heißt Vasquez’ zweites Soloalbum nach dem spröden, rockenden „Solicitor Returns“ (2016). Elf Songs über kleine und große Krisen, über Entfremdung, Isolation, Heimkehr, über den Kampf ums Überleben mit wenig Geld und den Tod und – in „Fatherhood“ – über das Wissen als Vater des kleinen Thor, dass die „selbstsüchtigen Tage des Lebens sich nun dem Ende zuneigen.“ Gewiss soll bei ihm nicht eines Tages das Telefon klingeln wie in „Tall Man“. Vasquez „macht, was er will“ auf diesem Album, das Cover mit seinem Vampir-Schriftzug und dem faden Kohlestiftporträt bringt „Does What He Wants“ dabei in Gefahr, zum Ladenhüter zu werden. Die Musik aber ist überwältigend, erinnert an zeitlose Alben der siebziger Jahre. Das Gestern stirbt auch nie.

„Same“, der Albumöffner, schnauft und stampft los wie ein Zwillingsbruder von ELOs „Don’t bring me down“, „Red Fish“ ist Harry-Nilsson-artig burlesk und „Fires Down in Mexico“ schlägt den Bogen zum psychedelischen Pop. Mal klingt Vasquez’ Stimme dabei nach Rockröhre, mal nach John Lennon.

Matthias Halbig

Mehr zum Thema

Mit Gespür für den Moment schoss der Stralsunder Fotografen Harry Hardenberg einzigartige Bilder

06.05.2017

Günter Semmerow, Geschäftsführer der Lübecker Nachrichten, reiste im Dezember 1989 nach Rostock / Partner von OZ und LN entwickelten 1990 eine gemeinsame Idee zur Zukunft der „OSTSEE-ZEITUNG“

06.05.2017

38 Jahre wirkte die OSTSEE-ZEITUNG als Organ der SED-Bezirksleitung Rostock, danach seit gut 27 Jahren als unabhängige Tageszeitung. Ein Gespräch mit den Chefredakteuren Andreas Ebel und Dr. Siegbert Schütt.

06.05.2017

Als Mitglied von Ich+Ich war Adel Tawil noch Teil eines kreativen Duos, das eine Reihe von Nachfolgern oder Nachahmern in Sachen Deutschpop auf den Plan rief.

11.05.2017

Mit seinem Hit „Alles brennt“ habe sich eine Tür geöffnet, die größer als alle anderen zuvor gewesen sei, sagt der Musiker / Jetzt hat er ein neues Werk vorgelegt

11.05.2017

Die schwedische Band Eclipse um die Gitarristen Erik Mårtensson und Magnus Henriksson legt mit „Monumentum“ ihr sechstes Studioalbum seit 2001 vor. Es überzeugt mit solidem, melodischem Rock.

11.05.2017
Anzeige