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„Das neue Album hat viele Rottöne“

„Das neue Album hat viele Rottöne“

Mit dem Sommerhit „She Moves“ stürmte Alle Farben 2014 die Charts / Jetzt hat der Berliner DJ ein neues Album herausgebracht / Dem OZelot sagt er, inwiefern die neuen Songs mit warmen Farben zusammenhängen

Mit bürgerlichem Namen heißt er Frans Zimmer. Der 30-Jährige, der regelmäßig auch im Ausland auflegt, nennt seine Musik „Populärmusik auf elektronischer Basis“.

 

OZ-Bild

Eine Beziehung ist mir gerade einfach zu anstrengend. Dafür habe ich die Musik – das ist okay.“

Alle Farben (30), Musiker

Frans, als Musiker bist du unter dem Künstlernamen Alle Farben bekannt geworden. Hast du eigentlich eine Lieblingsfarbe?

Alle Farben: Ich mag gerne Farbkombinationen, zum Beispiel das Spektrum von einem kalten Gelb zu einem kalten Blau über Grün. Zusammengestellte kalte Farben finde ich überhaupt sehr schön.

Es heißt, dass du Farben nicht nur siehst, sondern dazu auch gleich einen Sound im Kopf hast...

Alle Farben: Jein. Es ist eher andersrum: Ich kann Farben einem Sound zuordnen. Ich bin also weniger ein Synästhetiker als ein Ästhetiker.

In welchem Farbspektrum würdest du denn deine Musik ansiedeln?

Alle Farben: Die ist relativ warm. Das neue Album hat auf jeden Fall viele Rottöne.

Wann hast du das mit den Farben denn zum ersten Mal gemerkt?

Alle Farben: Ich habe mich mit beidem intensiv beschäftigt: Ich wollte Kunst studieren, da hab ich mich mit Malerei und Farblehre beschäftigt, mit der Bedeutung von Farben und wie sie auf Menschen wirken. Und dasselbe kann ich über Musik sagen. So kann ich das schlüssig zusammenbringen. Wenn ich ein Lied in Moll höre, dann kann ich Blautöne sehen. Das kommt mir ganz normal vor, auch wenn es vielleicht nicht jeder so kann.

Was möchtest du denn mit deinen Songs bei den Zuhörern auslösen?

Alle Farben: Die Leute sollen dazu tanzen! Das meiste ist ja sehr fröhlich, sehr sommerlich. Man kann Leute zwar auch mit einem melancholischen Stück glücklich machen, aber ich find es schön, wenn sie beim Hören lachen.

Wie fühlt es sich an, wenn 30 000 Leute vor der Bühne zu deiner Musik tanzen, wie 2012 bei deinem ersten großen Auftritt auf dem Tempelhofer Feld in Berlin?

Alle Farben: Ganz ehrlich: Ab 7000 Leuten macht es keinen Unterschied mehr, wie viele vor der Bühne stehen. Bei so vielen Leuten hast du immer das Gefühl, dass sie sich bewegen – auch wenn du die Musik mal runterfährst.

Findest du es dann überhaupt noch spannend, in kleinen Clubs aufzutreten?

Alle Farben: Mir ist Feedback sehr wichtig. Wenn du vor wenigen Leuten spielst, siehst du direkt die Reaktionen in den Gesichtern. Ich hab von meinen neuen Songs schon Edits, also längere Versionen erstellt, um sie zu testen. Drei-Minuten-Tracks machen im Club ja keinen Sinn.

Du hast ein Faible für klassische Musik, haben dir das deine Eltern mitgegeben?

Alle Farben: Stimmt, gestern erst hab ich mein Set mit Tschaikowskys „Danse“ beendet. Aber von meinen Eltern hab’ ich das nicht: Die haben eher Hendrix und James Brown gehört. Ich hab Klassik selbst für mich entdeckt.

Hast du deshalb auch wieder so viele Instrumente im Studio aufgenommen?

Alle Farben: Ja. Es sind aber auch Samples dabei, denn wenn ich ein Klavier brauche, um die Songs etwas fetter zu machen, muss es nicht live eingespielt sein. Aber wenn ein Gitarrist ins Studio kommt, um Hooks einzuspielen, bringt der eigene Ideen rein. Das klingt natürlicher, da sind dann auch kleine Fehler drin. Aus der Dose ist es vielleicht sauberer, aber ich will diese Live-Energie haben. Ich hab auch gerne Musiker auf der Bühne.

Wie läuft das Schreiben der Songs? Hast du die Melodie vorab schon im Kopf?

Alle Farben: Das ist ganz unterschiedlich. Beim neuen Album hab’ ich viel mit Songwritern zusammengearbeitet. Ich treffe mich mit meinem Produzenten oder mit Sängern zum Jammen. Ich kann keine Gitarre spielen, aber es ist schön mit Leuten wie ihm zu arbeiten, die es können. Ich hab dann Synthesizer am Start und beschränke mich auf eine Palette an Sounds: Ich will dann einen bestimmten Kick oder Percussions haben.

Deine Vorab-Single heißt „Please Tell Rosie“: Wer ist denn diese Rosie, der man sagen soll, dass du erst einmal weg bist?

Alle Farben: Wir haben schon überlegt, T-Shirts zu machen auf denen „Who the fuck is Rosie?“ steht. Sie ist ein Sinnbild. Rosy steht für Person X, die ich nicht habe – für die Freundin. Das Lied ist glücklich und traurig zugleich, was mein Leben umschreibt. Für meine Passion muss ich auch was aufgeben.

Was denn zum Beispiel?

Alle Farben: Eine Beziehung zu haben. Es wär vielleicht möglich, aber es ist so unglaublich anstrengend, dass ich es zeitweise aufgegeben habe. Dafür habe ich die Musik – was für mich okay ist.

Interview von Karsten Röhrbein

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